Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommission Zukunft Schule steht Helmut Holter (Die Linke) am 21.06.2017 in der Staatskanzlei in Erfurt (Thüringen) vor Thüringens Landesfahne.
Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) bremst Erwartungen von Eltern und Opposition aus: Für weitere Verbesserungen fehle das Geld. Bildrechte: dpa

Kita-Gesetz in Thüringen Eltern und Gewerkschaft fordern bessere Betreuungsschlüssel

Die Eltern von Thüringer Kleinkindern sparen ab kommendem Jahr einmalig rund 1.400 Euro, denn das letzte Kita-Jahr wird beitragsfrei. Rot-Rot-Grün löst damit ein Wahlversprechen ein. Und das entsprechende Gesetz wird am Mittwoch im Fachausschuss des Landtags angehört. Das sind die Forderungen von Eltern und Erziehern.

von Ludwig Bundscherer, Thüringen-Korrespondent für MDR AKTUELL

Bei der Vorstellung der Ergebnisse der Kommission Zukunft Schule steht Helmut Holter (Die Linke) am 21.06.2017 in der Staatskanzlei in Erfurt (Thüringen) vor Thüringens Landesfahne.
Bildungsminister Helmut Holter (Die Linke) bremst Erwartungen von Eltern und Opposition aus: Für weitere Verbesserungen fehle das Geld. Bildrechte: dpa

Die Finanzministerin hat ihr OK geben - knapp 33 Millionen Euro will Thüringen in bessere Kitas investieren. Das meiste davon wird gebraucht, um das letzte Kita-Jahr in Thüringen beitragsfrei zu machen. Rund drei Millionen Euro sind aber auch dazu gedacht, je eine halbe Stelle mehr in der Führungsetage sehr großer Kitas zu schaffen. Der frisch ernannte Bildungsminister Helmut Holter ist zufrieden: "Das ist ein riesen Gewinn für die Eltern in Thüringen. Damit wird ein Stück mehr soziale Gerechtigkeit erreicht und das sollten auch alle so feststellen."

Nur der erste Schritt?

Über das beitragsfreie letzte Kita-Jahr beschwert sich in der Tat niemand, vor allem nicht die Eltern der gut 90.000 Thüringer Kita-Kinder. Für Ulrike Grosse-Röthig von der Landeselternvertretung kann das eine Gratis-Kita-Jahr aber nur ein erster Schritt sein: "Wir werden Bildungsgerechtigkeit für alle Kinder nur erleben können, wenn Bildung kostenfrei ist. Und zwar auch frühkindliche Bildung bis zum Studium oder der Ausbildung."

Die Landeselternvertretung wünscht sich also, dass die Kita komplett kostenfrei wird – so wie das gerade in Berlin passiert. Zudem müsse der seit 2008 gültige Betreuungsschlüssel überarbeitet werden. Denn im Bundesvergleich liegt Thüringen beim Verhältnis Erzieher/Kind im unteren Drittel - genauso übrigens wie Sachsen und Sachsen-Anhalt. "Bei den Kindern, die das dritte Lebensjahr vollendet haben, haben wir 16 Kinder auf eine Erzieherin. Das ist gerade bei Kindern zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr ein bisschen schwierig, weil die noch einen hohen Betreuungsaufwand haben", so die Landeselternvertreterin Grosse-Röthig.

Betreuungsschlüssel verbessern

Die Eltern wollen für Dreijährige einen Betreuungsschlüssel von 1 zu 12. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht sogar noch weiter und fordert 1 zu 9 also eine Erzieherin pro neun dreijähriger Kinder. Auch die oppositionelle CDU will hier mehr Erzieher. Bildungsminister Holter macht Eltern Gewerkschaften und Opposition wenig Hoffnung. Derzeit fehle für diese Wünsche das Geld. "Damit ist aber die Debatte über Qualität in den Kindertagesstätten gar nicht beendet, sondern sie wird weitergehen. Und dann muss man auch über die Fachkraft-Kind-Reduzierung reden, den Personalschlüssel. Das ist für mich aber eine Zukunft, die in einem zweiten Schritt, nach der Verabschiedung der Novelle erfolgt."

GEW fordert Angleichung bei öffentlichen und freien Trägern

Nach Meinung der GEW verpasse es die Thüringer Landesregierung zum wiederholten Mal den Erziehern Wertschätzung zu zeigen. Dabei gehe es nicht nur um den Betreuungsschlüssel, sondern auch um die Bezahlung. Der Bildungsminister solle sich dafür einsetzen Tariflöhne in Höhe des öffentlichen Dienstes auch bei freien Kita-Trägern zu zahlen, meint GEW-Bildungsreferentin Nadine Hübener: "Für die gleiche Arbeit, also die Arbeit nach dem Bildungsplan, bekommen Kolleginnen bei den freien Trägern bis zu 200 oder 300 Euro weniger im Monat. Über das Jahr gesehen und über eine Berufsbiographie gesehen ist das dann deutlich spürbar."

Und deshalb erlebt die GEW einen Fachpersonalmangel besonders in Grenznähe zu Hessen und Bayern aber auch Sachsen-Anhalt. Erzieherinnen und Erzieher pendeln für bessere Arbeitsbedingungen raus aus Thüringen.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 23.08.2017 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2017, 07:13 Uhr

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2 Kommentare

23.08.2017 22:32 part 2

Frage doch mal jemand Frau von der Leyen, was sie davon hält...

23.08.2017 14:31 vigilando ascendimus 1

Wie sollen die schon jetzt völlig überzogen Standards für Krippen und Kindergärten künftig noch bezahlt werden.

Wäre dieses Geld nicht besser für Schulen und Lehrer auszugeben.

Der Blick für die Realitäten und Prioritäten scheint scheint der gesamten politischen Klasse in Thüringen völlig abhanden gekommen zu sein!