Blick auf eine Förderbrücke, Förderanlagen und Abraumhalden im Braunkohletagebau Welzow Süd der Vattenfall AG in Welzow (Brandenburg).
Der Braunkohletagebau Welzow Süd Bildrechte: dpa

Bericht der Kohlekommission Was bedeutet der Kohle-Kompromiss für Mitteldeutschland?

Vier Bundesländer sind direkt vom Kohleausstieg betroffen. In diesen wird die besonders umweltschädliche Braunkohle abgebaut und verbrannt. Neben Nordrhein-Westfalen sind das die drei Ost-Bundesländer Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Welche Entwicklung steht den Braunkohle-Regionen im Osten bevor?

Blick auf eine Förderbrücke, Förderanlagen und Abraumhalden im Braunkohletagebau Welzow Süd der Vattenfall AG in Welzow (Brandenburg).
Der Braunkohletagebau Welzow Süd Bildrechte: dpa

Wo wird in der Region Braunkohle abgebaut?

Im Lausitzer Revier betreibt der Konzern LEAG vier Tagebaue. Jänschwalde und Welzow-Süd in Brandenburg sowie in Sachsen Nochten und Reichwalde. Diese versorgen hauptsächlich die Kraftwerke Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg.

Im Mitteldeutschen Revier betreibt die Mibrag die Tagebaue Profen in Sachsen-Anhalt und Vereinigtes Schleenhain in Sachsen. Diese versorgen unter anderem die Kraftwerke Schkopau und  Lippendorf mit Braunkohle.


Bis wann gehen die Kraftwerke vom Netz?

Ende 2018 waren in Deutschland Kohlekraftwerke mit einer Leistung von 45,4 Gigawatt in Betrieb. Bis 2022 sollen nach den Plänen der Kohlekommission etwa 12,5 Gigawatt Kraftwerksleistung eingespart werden; davon 3,1 Gigawatt im Rheinischen Braunkohlerevier. Die übrigen Einsparungen erfolgen im Steinkohlebereich. Im Osten laufen die Kraftwerke zunächst weiter.

Im Jahr 2030 sollen dann bundesweit noch höchstens Kraftwerkskapazitäten in Höhe von neun Gigawatt bei Braunkohle und acht Gigawatt bei Steinkohle am Netz sein. Spätestens 2038 sollen alle Kohlekraftwerke abgeschaltet sein.


Wie geht es in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier weiter?

Zum Ende des Braunkohleabbaus im Mitteldeutschen Revier und in der Lausitz werden im Entwurf der Kohlekommission keine konkreten Termine empfohlen.

Im sächsischen Teil des Lausitzer Reviers wird der Tagebau Reichwalde zunächst wie geplant weiterbetrieben. Das zum Tagebau Nochten gehörende Abbaugebiet Mühlrose wird nur halb so groß, wie geplant. Statt insgesamt 310 Millionen Tonnen sollen nur noch 150 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert werden.

Im Mitteldeutschen Revier soll der Tagebau Profen nach bisherigen Planungen bis Mitte der 2030er-Jahre geschlossen werden. Für den Tagebau Vereinigtes Schleenhain hält der Entwurf lediglich die Planungen der Mibrag und aus dem sächsischen Landesentwicklungsplan auf dem Stand von 2018 fest. Danach sollten bis Anfang der 2040er-Jahre Braunkohle gefördert und das Kraftwerk Lippendorf betrieben werden.


Werden weitere Orte durch die Braunkohle verschwinden?

Für die Erschließung des zweiten Abbaugebiets im Lausitzer Tagebau Nochten müssten etwa 200 Menschen umgesiedelt werden. Die zuständigen Behörden haben dazu allerdings noch nicht die nötigen Genehmigungen erteilt.

Im Mitteldeutschen Braunkohlerevier sind die Ortschaften Pödelwitz und Obertitz vom Braunkohleabbau im Tagebau Vereinigtes Schleenhain bedroht. Auch in diesen Fällen liegen noch keine Genehmigungen der Behörden vor.

Stanislaw Tillich, einer der Co-Vorsitzenden der Kommission, erklärte, die Regierung müsse mit den Unternehmen Mibrag und LEAG über die Zukunft dieser Orte verhandeln.


Wieviel Geld erhalten die betroffenen Regionen?

Für den Strukturwandel sollen aus Bundesmitteln jährlich 1,3 Milliarden Euro zweckgebunden in alle Regionen fließen. Zusätzlich erhalten die betroffenen Bundesländer weitere 700 Millionen Euro zur freien Verfügung. Insgesamt belaufen sich die Kosten auf etwa 40 Milliarden Euro.

Die genaue Verteilung der Mittel steht noch nicht fest. Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach erklärte aber im RBB, dass 45 Prozent der Gelder für die brandenburgische Lausitz vorgesehen seien.


Was passiert mit den Beschäftigten?

In der Lausitz, im Mitteldeutschen und im Rheinischen Revier hängen rund 20.000 Arbeitsplätze direkt an der Kohle. Indirekt sind es mehr. Die Kommission nennt allein für die Braunkohle eine Zahl von rund 60.000 Arbeitsplätzen – in unterschiedlicher Abhängigkeit.

Die Beschäftigten im Energiesektor sollen nach dem Konzept der Kommission im Falle eines Jobverlustes sozial abgesichert werden. So soll es ein "Anpassungsgeld" für Beschäftigte ab 58 Jahre geben, die die Zeit bis zum Renteneintritt überbrücken müssen, sowie einen Ausgleich von Renteneinbußen. Die Energiegewerkschaft IG BCE schätzt die Kosten dafür auf bis zu fünf Milliarden Euro, die Bund und Unternehmen sich teilen könnten.

Des Weiteren sollen in den betroffenen Kohlerevieren bis spätestens 2028 insgesamt 5.000 Behördenjobs geschaffen und neue Bundesbehörden angesiedelt werden.


Welche wirtschaftlichen Perspektiven hat die Lausitz?

Das Lausitzer Revier ist von einer großen Abhängigkeit von der Braunkohle geprägt. Künftig soll es zur europäischen Modellregion für den Strukturwandel werden. Um diesen zu gestalten empfiehlt die Kommission die Verbesserung der Infrastruktur im Verkehrsbereich – Straßen, Schienenverkehr und Wasserwege – sowie den Ausbau des schnellen Glasfaser-Internets.

Die Empfehlungen sehen zudem vor, Forschungseinrichtungen wie Max-Planck- oder Fraunhofer-Institute in der Region anzusiedeln. Der wirtschaftliche Fokus soll auf erneuerbaren Energien, klimafreundlicher Mobilität, Pharma- und Chemie-Industrie, Medizintechnik sowie dem Bereich künstlicher Intelligenz liegen.


Was bedeutet der Kohleausstieg für das Mitteldeutsche Revier?

Das Mitteldeutsche Revier verfügt mit einer breiteren wirtschaftlichen Basis und seiner umfangreichen Hochschullandschaft über andere Voraussetzungen für den Strukturwandel. Automobil- und Logistik-Branche vor Ort sollen nach dem Konzept der Kommission weiter gestärkt werden, insbesondere in Hinblick auf neue Antriebstechnologien und autonomes Fahren. Die gesamte Region soll Vorreiter im Bereich Digitalisierung und Vernetzung werden.

Landflucht soll durch einen Ausbau der Infrastruktur und des Nahverkehrs verhindert, die Lebensqualität gesteigert werden. Die Tagebau-Folgelandschaften und das Umland sollen touristisch weiter erschlossen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 26. Januar 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 08:27 Uhr

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29 Kommentare

11.04.2019 08:51 steeven24 29

Was der "Kohle Kompromiss" für die Region bedeutet kann man sehen, wenn man in die Jahre 1989/90 folgende nachschauen. Wem das nicht reicht, der kann sich bei den hoch gejubelten Erneuerbaren gesehen werden. Diese "Erfolgsgeschichte" ist von anhaltenden Pleiten gekennzeichnet.

10.04.2019 13:14 007 / DE ist kaputt! 28

Diese Regierung macht alles falsch was man falsch machen kann. Diese Energie-Ente ist eine einzige undurchdachte Katastrophe die uns mit Blackouts+ Kosten noch schwer treffen wird. Wir setzen auf die ineffizienteste u für unsere Tiere gefährlichste Energiegewinnung, die Windräder- den Flatterstom. Eine Energiequelle die unzuverlässig ist u nie gleichmäßig liefern kann. Aus der Kernenergie, der saubersten Quelle sind wir so gut wie raus. Damit haben wir dieser Energiequelle der neusten Generation den Rücken gekehrt. Aus der Kohle steigen wir gleichzeitig wie aus den Verbrennungsmotoren aus. Wie soll dieser mega Energiebedarf für die E.-Fahrzeuge erbracht werden? Indem wir Atomstrom aus Belgien oder Kohlestrom aus Polen einkaufen? Ist das Ökopolitik? Wir mit den modernsten A.+K. Kraftwerken der Welt machen uns abhängig von unseren Nachbarn? Eine Idiotie der Roten+ Grüninnen Ideologen die ihresgleichen sucht. Das ist Wahnsinn u schizophren ...

10.04.2019 10:32 c.urio 27

Kein Land , bzw. keine anderen Politiker schädigen ihre eigene Wirtschaft so wie es dieser etablierte Einheitsbrei tut.
Selbst wenn es Deutschland gar nicht gäbe würde das nichts am Klima ändern.
Unseren Wald gibt es immer noch, diese Klimafetischisten treiben immer eine neue Sau durchs Dorf und machen außerdem 15 -oder 16jährige Jugendliche verrückt, welch dies zum Anlass nehmen die Schule zu schwänzen, die selber nichts erlebt haben , so zB. wie wir schon von der Politik ver.............wurden.
Den Wald gibt's zum Beispiel immer noch und ein heißer Sommer ist noch kein Klimawandel , diese gabs in den 70igern zur Genüge.
Und Strukturwandel ? Da werden Gelder hingeblättert , zB. für eine Plattform an einem See, dies wird dann in den Strukturwandel eingerechnet , für Statistiken , was hat das denn bitte mit Entstehung neuer Arbeitsplätze zu tun. Diese Politiker schaffen Regionen , wie wir sie vom Ruhrgebiet her kennen.
Gelsenkirchen zB., was ist da denn passiert ?

28.01.2019 19:58 Eulenspiegel 26

Hallo Eckehard Kochfeld 21
Und in ihrem nächsten Kommentar werden sie uns wahrscheinlich mitteilen das der Weltklimarat beschlossen hat das die Rettung der Menschheit ausschließlich die Aufgabe der Deutschen ist. Und alle Anderen Staaten können so weiter machen.
Also die Wahrheit ist doch wir haben zwei Möglichkeiten.
Die erste Möglichkeit ist wir geben jedes Jahr etliche Milliarden für CO2 Zertifikate aus.
Die zweite Möglichkeit wäre wir stellen für das gleich Geld unsere Energieerzeugung um. Damit sind wir in in 20 Jahren fertig. Während die Kosten für die CO2 Zertifikate auf jeden Fall so lange weiter läuft bis wir unsere Energieversorgung umgestellt haben.

28.01.2019 19:45 CDU Wählerin 25

Sprit aus Strom ist machbar, aber teuer. OK wenn wir dafür weiter unsere geliebten Autos fahren dürfen

28.01.2019 16:09 Hans Frieder Leistner 24

Bis zum Kohleausstieg sind noch 19 Jahre Zeit. Da werden sich die heutigen Politikvorreiter keine Gedanken machen wie das dann abläuft. Bis dahin beziehen die ihre gutdotierten Pensionen. Die derzeitigen Gedanken und Pläne in alle Richtungen zeugen doch davon. Neue Arbeitsplätze in der chemischen Industrie schaffen. Prima. Aber da wird viel Strom gebraucht. Oder denken wir an die Aluminiumproduktion. Die ist auch sehr energieaufwendig.Das sind nur zwei Beispiele. Aber die Laienschar von Experten wird das schon schaffen.

28.01.2019 14:25 Peter 23

@22 Lisa: Dann sind Sie also der Meinung, dass im Kraftwerk Lippendorf heute kein CO2, Schwefeloxid, Stickstoffoxid, Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen mehr in die Luft geblasen wird.
Na ja.

28.01.2019 10:17 Lisa 22

@Peter/16
2015 ist eben nicht 2019,
aus Kühltürmen kommt Wasserdampf, in den Auffangbecken darunter leben Fische, machen Sie eine Besichtigung im Kraftwerk Lippendorf mit. Es geht nicht um die Gesundheit sondern um das Geld. Leipzig bekommt es. Siehe Bericht der Kohlekommission.

28.01.2019 10:12 Ekkehard Kohfeld 21

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28.01.2019 09:49 Ekkehard Kohfeld 20

@ Peter 16 "Mehrere Kraftwerke wurden inzwischen mit neuen Filtern nachgerüstet."
Ach ja, aus den Schornsteinen kommt jetzt wohl nur noch reiner Sauerstoff?##

Richtig und Deutschland wird die Welt retten,die Naivität der Lemminge ist einfach nicht zu überbieten.Ihr seit erst zufrieden wenn ihr Deutschland ins Mittelalter zurück katapultiert habt,glaubt ihr bei solchen Preisen für Energie ist Deutschland noch konkurrenzfähig ohne eigen Ressource?Ihr opfert unser Land für eine unbewiesene Ideologie.Schon mal Nachrichten gehört,euer herbeigeredet Klimawandel liegt in weiß auf den Straßen das kann man sehen,Ski und Rodeln in den Mittelgebirgen sehr gut,Frost und Schnee bis ins Flachland.

Und was macht ihr dagegen?

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