Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle
Vor 2040 soll das letzte Braunkohlekraftwerk in Mitteldeutschland abgeschaltet werden. Bildrechte: dpa

Reaktionen auf Zwischenbericht Skepsis an Ideen der Kohlekommission

Die Arbeit der Braunkohlekommission hat viel mit Visionen zu tun. Denn diese Kommission soll sich in die Zukunft denken und überlegen, wie es nach der Braunkohle weitergehen könnte. Dazu reisen die Mitglieder derzeit ziemlich viel durch die betroffenen Landstriche und arbeiten an einer Empfehlung. Seit etwa zwei Wochen gibt es einen Zwischenbericht. Und der wird heftig diskutiert.

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Ein Braunkohlebagger fördert im Tagebau Nochten Braunkohle
Vor 2040 soll das letzte Braunkohlekraftwerk in Mitteldeutschland abgeschaltet werden. Bildrechte: dpa

Der Zwischenbericht der Kohlekommission umfasst 41 Seiten. Aber viel Konkretes steht nicht drin. Das bemängelt auch Armin Willingmann, der Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt.

Hier sind die Überschriften geliefert, die einzelnen Spiegelstriche sind aber nicht sehr weit ausdifferenziert.

Armin Willingmann, Wirtschaftsminister von Sachsen-Anhalt

Ähnlich zurückhaltend klingen Stimmen aus der Region, aus dem mitteldeutschen Revier, von Vertretern der Industrie- und Handelskammern und der Landkreise.

Einige Ansätze, aber kaum Konkretes

Am konkretesten benennt der Zwischenbericht der Kohlekommission den nötigen Ausbau der Infrastruktur, zum Beispiel eine S-Bahn-Verbindung von Naumburg und Merseburg nach Leipzig. Thomas Brockmeier, der Hauptgeschäftsführer der IHK Halle Dessau meint dazu allerdings: "Warum muss ich die Axt an die Wurzeln der Braunkohle-Verstromung legen, um solche Infrastruktur-fördernden Maßnahmen zu ergreifen?" Soll heißen: Eine bessere Infrastruktur brauche die Region auch ohne Braunkohleausstieg, und neue S-Bahnen schaffen noch keine Industriearbeitsplätze.

Das sieht auch Wirtschaftsminister Willingmann. Da müsse noch mehr kommen, betont er – auch mithilfe der EU: "Wir favorisieren, dass wir ein Sonderfördergebiet bekommen. Das ist ein so epochaler Strukturwandel, das kann nicht mit anderen Förderbereichen gleichbehandelt werden." Dieses Drehen an der Förderschraube wird im Zwischenbericht der Kohlekommission aber nur angedeutet.

Fernwärmeleitungen in Leipzig.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenig Ideen für neue Industriezweige

Auch die Vorschläge für neue Industrien im mitteldeutschen Revier sind eher oberflächlich. Da geht es zum Beispiel um die Verwertung von Braunkohle in der chemischen Industrie. Aber Götz Ulrich, der Landrat des Burgenlandkreises, meint, das sei keine Patentlösung. "Man kann aus Kohle alles machen, was man auch aus Öl machen kann. Wenn die Kohle entsprechend preiswert diese Produktion ermöglicht, kann das lange tragen." Doch solange der Erdölpreis niedriger ist, könne man damit nicht konkurrieren.

Ein weiterer Vorschlag der Kohlekommission: In der Region könnten Stromspeicher für erneuerbare Energien gebaut werden. Doch Henry Graichen, der Landrat des Landkreises Leipzig, würde lieber auf Forschung und Entwicklung setzen. "Wir haben im Landkreis Leipzig die Idee einer privaten Hochschule im Bereich Elektrotechnik eingebracht." Hochschulen hätten die Möglichkeiten, neue Impulse zu liefern, meint Graichen.

Die Zeit drängt

Fazit: Es gibt viele Ideen für die Zeit nach der Braunkohle. Wirklich konkret ist noch wenig. Wann das letzte Braunkohlekraftwerk im Mitteldeutschen Revier abgeschaltet wird, ist noch offen – wahrscheinlich vor 2040. Die Zeit dränge, sagt Kristian Kirpal, der Präsident der IHK Leipzig.

Wenn man schaut, wie lange wir inzwischen brauchen, um ein Stück Straße zu bauen, dann sind die Zeiträume zu lang. Das muss schneller gehen.

Kristian Kirpal, Präsident der IHK Leipzig

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. November 2018 | 07:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2018, 07:05 Uhr

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8 Kommentare

15.11.2018 19:53 Aus der Region Anhalt 8

Ergebnisse zum Thema Phantomdiskussionen, Datenzuständigkeiten und Informationsübernahmen jeglicher Art kann man beispielsweise der Berliner Morgenpost (Online) entnehmen.

15.11.2018 18:23 Bernd L. 7

Peter, fruesen.
Es wird keine Stromengpässe geben, denn der Strom kommt immer aus der Steckdose.

15.11.2018 18:06 janosch13 6

@Peter

wird man wohl merken da der Strompreis steigen wird wenn mann statt Braunkohle Gas verfeuert. Das ist im Moment etwa 4-5 mal so teuer.

15.11.2018 16:43 Gert 5

Zitat: ,,Doch Henry Graichen, der Landrat des Landkreises Leipzig, würde lieber auf Forschung und Entwicklung setzen. "Wir haben im Landkreis Leipzig die Idee einer privaten Hochschule im Bereich Elektrotechnik eingebracht." Hochschulen hätten die Möglichkeiten, neue Impulse zu liefern, meint Graichen. "
Ein richtiger Ansatz, denn nur daraus entstehen neue Arbeitsplätze und es entstehen neue Firmen, die ihren Stammsitz dann in Mitteldeutschland haben und keine verlängerte Werkbänke Herr Willingmann, die Sie wahrscheinlich haben wollen. Wir haben schon genug von verlängerte Werkbänke.

15.11.2018 16:22 Graf von Henneberg 4

Da stellt sich die Frage wo die Kohlen herkommen sollen, mit denen die Wohnungen geheizt werden müssen. Ob die Kohlekommission in der Lage ist auch über diesen Umstand nachzudenken und eine Lösung zu finden. Ach, ich vergaß - die Kommissionäre selbst heizen wohl nicht mit Kohle.

15.11.2018 16:15 Peter 3

Lieber fruehsen,
haben Sie nicht überlesen, denn es steht nicht im Artikel.
Es geht auch nicht darum alle Kraftw. sofort ab zu schalten. 8 GW können sofort weg und keiner wird es merken. Dann fällt der den Ausbau der EE im Ausland hemmenden Stromexport weg. D produziert weit mehr Strom als gebraucht wird.
Des weiteren Ausbau der EE (schafft Arbeitsplätze) und für Engpässe hochflexible Gaskraftwerke.
Das ist alles längst durch gerechnet.

15.11.2018 13:42 fruehsen 2

Für mich ist die viel wichtigere Frage, wie will man eine stabile Stromversorgung ohne Kohle gewährleisten? Irgendwie habe ich das überlesen.

15.11.2018 10:05 Peter 1

Wie waren doch gleich die konkreten Vorschläge von Herrn Willingmann?
Dieser Beitrag zeigt das ganze Dilemma. Politiker sind zu feige zukunftsweisende Entscheidungen zu fällen und schieben das Problem auf eine Kommission.