Schlange vor Wahllokal in Erfurt-Hochheim
Großes Interesse an der Doppelwahl von Europaparlament und Kommunalvertretungen: Vor einigen Wahllokalen gab es Schlangen - wie hier in Erfurt-Hochheim. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Sachsen | Sachsen-Anhalt | Thüringen Hohe Beteiligung bei Kommunal- und Europawahl

Die Wahllokale sind geschlossen: Parallel zur Europawahl wurden am Sonntag in zehn deutschen Bundesländern auch Kreistage sowie Gemeinde-, Stadt- und Ortschaftsräte gewählt. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren 6,8 Millionen Bürger wahlberechtigt. Das Interesse an der Superwahl war diesmal so groß, dass es einige Spätentschlossene nicht bis 18 Uhr schafften.

Schlange vor Wahllokal in Erfurt-Hochheim
Großes Interesse an der Doppelwahl von Europaparlament und Kommunalvertretungen: Vor einigen Wahllokalen gab es Schlangen - wie hier in Erfurt-Hochheim. Bildrechte: MDR/Marcus Scheidel

Bei den Kommunalwahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind mehr Menschen wählen gegangen als vor fünf Jahren. Bis 16 Uhr gaben in Sachsen-Anhalt 42 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Wie die Landeswahlleiterin mitteilte, waren es zum gleichen Zeitpunkt vor fünf Jahren 29,1 Prozent der Wähler. Am Ende waren es insgesamt 43 Prozent.

In Thüringen lag die Wahlbeteiligung bis 14 Uhr bei gut 36 Prozent, fünf Punkte über dem Wert von 2014 zu diesem Zeitpunkt. Die Briefwähler sind bei diesen Zahlen nicht enthalten. Auch Sachsen meldete um 14 Uhr mit knapp 31,7 Prozent ein höheres Interesse als vor fünf Jahren, wo der Wert zu diesem Zeitpunkt bei rund 25 Prozent lag. Insgesamt lag die Beteiligung 2014 in beiden Freistaaten bei rund 50 Prozent.

Eine Stunde Wartezeit - in Dresden schafften es nicht alle bis 18 Uhr

In der Dresdner Neustadt standen auch nach 18 Uhr noch Menschen vor einigen Wahllokalen. Das berichteten mehrere Beobachter auf Twitter. Nach Angaben der Landeswahlleitung wurden die Wahlen um 18 Uhr offiziell beendet.

Danach dürfe nur noch seine Stimme abgeben, wer sich im Wahlraum befinde. Aufgabe des Wahlvorstehers sei es, den Zugang zum Wahlraum nach Ablauf der Wahl zu sperren. Wer dann noch draußen warte, habe "im Zweifel Pech".

Sowohl in Wahllokalen in Görlitz als auch in Dresden und andernorts bildeten sich Schlangen. Wahlhelfer in der Landeshauptstadt sprachen von Anstehen "wie zu DDR-Zeiten". Demnach waren Wartezeiten von bis zu einer Stunde keine Seltenheit.

Sachsen: Stimmungstest für die Landtagswahl

Im Freistaat wurden am Sonntag alle zehn Landkreistage sowie in Dresden, Leipzig und Chemnitz die Stadträte neu gewählt. In 416 Gemeinden stand die Wahl der Stadt- und Gemeinderäte an. Daneben wurden etwa 890 Ortschaftsräte neu gewählt. Parallel fanden 13 Bürgermeisterwahlen statt - in Aue-Bad Schlema, Dippoldiswalde, Döbeln, Görlitz und Werdau waren es Oberbürgermeisterwahlen.

Die Europa- und Kommunalwahlen am 26. Mai in gelten als Stimmungstest für die Landtagswahl am 1. September. Spannend dürfte die OB-Wahl in Görlitz werden, wo dem AfD-Kandidaten in der ersten Runde gute Chancen eingeräumt wurden. Wahlberechtigt waren 3,3 Millionen Frauen und Männer ab 18 Jahren.

In Sachsen-Anhalt mehrere Wahlen abgesagt

Rund 1,8 Millionen Bürger in Sachsen-Anhalt waren zur Europa- und Kommunalwahl aufgerufen. Das Wahlalter für die Kommunalwahlen liegt bei 16 Jahren, für das EU-Parlament bei 18 Jahren.

Insgesamt wurden mehr als 1.000 Gremien neu gewählt: die Kreistage der elf Landkreise, die Stadträte der drei kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau sowie Hunderte Gemeinderäte, Ortschaftsräte und Ortsvorsteher.

Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mussten mehrere Abstimmungen abgesagt werden, weil ein AfD-Kandidat wegen einer Haftstrafe nicht hätte antreten dürfen. Die Wahlen sollen im September nachgeholt werden. In Glauzig fällt die Wahl des Ortschaftsrats aus, weil niemand kandidieren wollte.

Zudem wurden mehrere hauptamtliche Bürgermeister gewählt - in Zerbst im Kreis Anhalt-Bitterfeld, in der Einheitsgemeinde Gommern im Jerichower Land sowie in der Gemeinde Steigra im Saalekreis.

In Thüringen fehlen Kandidaten

In Thüringen waren 1,75 Millionen Wahlberechtigte ab 16 Jahren zur Stimmabgabe bei den Kommunalwahlen aufgerufen. Dagegen ist das Mindestalter bei der parallelen Europawahl 18 Jahre.

Die Ergebnisse gelten als Stimmungsbarometer für die Landtagswahlen am 27. Oktober. In Umfragen hatte die rot-rot-grüne Koalition zuletzt keine Mehrheit mehr.

8.146 Sitze in den Kreistagen, Stadt- und Gemeinderäten werden vergeben. Zudem werden 42 Bürgermeister in Städten und Gemeinden gewählt. Von den Bürgermeisterkandidaten gingen viele für Bürgerinitiativen, Wählergemeinschaften oder als Einzelbewerber ins Rennen. Die kommunal stärkste Partei CDU stellte 17 Kandidaten, die Linke zwei und die SPD drei, die FDP einen.

In mehr als 200 Gemeinden haben Wähler keine Auswahl, weil nur ein Kandidat antritt. In sechs Gemeinden fand sich gar kein Bewerber. Das betrifft laut Landeswahlleiter Thüringenhausen im Kyffhäuserkreis, Grub (Kreis Hildburghausen), Döbritschen und Oettern (Weimarer Land) sowie Karlsdorf und Kleinbockedra (Saale-Holzland-Kreis).

Premiere für betreute Menschen

Erstmals durften auch Menschen mit Behinderungen, die dauerhaft betreut werden, an den Wahlen teilnehmen. Dafür mussten sie einen Antrag stellen, um ins Wählerverzeichnis aufgenommen zu werden und bekamen dann ihren Wahlschein zugeschickt. In Mitteldeutschland betraf das einige tausend Menschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Mai 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2019, 18:00 Uhr

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18 Kommentare

28.05.2019 11:02 Fragender Rentner 18

Was steht heute in der LVZ, dass so manche Partei soviele Stimmen bekommen hat nur haben sie nocht soviele Leute aufgestellt oder wollten da welche nicht aufgestellt werden?

27.05.2019 16:40 Fragender Rentner 17

@Pfingstrose zu 15
Du schreibst: Nummer13: Schon mal etwas von Datenschutz gehört oder gelesen??

Ja steht auf dem Papier und man erzählt auch darüber nur wo unsere Daten überall abgegriffen und verkauft werden, da ist es mit dem Glauben daran nicht weit her.

Nur schreibst du, Wir waren wählen und haben mit Zufriedenheit unsere Stimme abgegeben ...

Was hat deine Zufriedenheit mit dem Datenschutz zu tuen ??? :-)))

26.05.2019 18:41 Phrasenhasser 16

Es ist jetzt amtlich: Das All ist grenzenlos, doch die Dummheit der Menschen nicht.
Wenn die Grünen noch mehr Einfluss bekommen, dann werden wir bald unter noch größerer Steuerlast ächzen. Natürlich für den guten Zweck, denn die Grünen wollen nur das Beste. Für den Rest der Welt, versteht sich, nicht für uns. Wir sollen indirekt damit unsere ewige Schuld abtragen und dies sogar gerne, da begleitet von lautstarkem Beifall der Kinder und Jugendlichen, die so tatsächlich die Rettung der Erde vollbracht glauben...

[Lieber Phrasenhasser, wir haben großes Verständnis dafür, dass es sich hier um ein streitbares und emotionales Thema handelt. Doch bitte vergessen Sie nicht, dass wir in einer Demokratie leben. Kein Wahlergebnis rechtfertigt es, anderer Wähler - egal welcher Partei - zu beleidigen.
Ihre MDR.de-Redaktion]

26.05.2019 16:52 Pfingstrose 15

Nummer13: Schon mal etwas von Datenschutz gehört oder gelesen??

26.05.2019 16:37 Pfingstrose 14

In Thüringen zeichnet sich zur Europa- und Kommunalwahl eine höhere Wahlbeteiligung ab als vor fünf Jahren. Nach Angaben des Landeswahlleiters haben bis 14 Uhr mehr als 36 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme im Wahllokal abgegeben. Bei den Europawahlen 2014 betrug die Wahlbeteiligung zu diesem Zeitpunkt demnach rund 31 Prozent. Die Briefwähler sind dabei nicht mitgerechnet. An den Wahllokalen bildeten sich zeitweise Schlangen. Zum Teil betrug die Wartezeit länger als eine halbe Stunde. Was für positives Ergebnis zeichnet.

26.05.2019 16:32 Fragender Rentner 13

@Pfingstrose zu 7
Du schreibst: Wir waren wählen und haben mit Zufriedenheit unsere Stimme abgegeben, aber keiner rechtspopulistischen Partei.

Wo sind die Beweise für deine Behauptung?

Wie gibt man mit Zufriedenheit seine Stimme ab?

Wir konnten nur 7 Kreuze auf die 3 Stimmzetteln verteilen und ob die Zettel zufrieden waren, haben sie leider nicht geäußert. :-)))

26.05.2019 16:31 Pfingstrose 12

Nummer 9: Sie irren sich mächtig. Es gibt bei der Europawahl mehrere Parteien.

26.05.2019 16:11 roca remeed 11

@7, Pfingstrose: Wer sich "Pfingstrose" (Päonie) zum Pseudonym erwählt, kennt ja sicher das schöne Eichendorff-Gedicht "Kaiserkron und Päonien rot,/ Die müssen verzaubert sein,". O ja, "Pfingstrose" muss ein wenig verzaubert sein, sonst käme wohl kaum eine solche Gedankenblüte zustande, hier öffentlich zu verkünden, dass man "mit Zufriedenheit" keiner "rechtspopulistischen" Partei seine Stimme gegeben habe! Wir haben auf unserem Stimmzettel übrigens keine "rechtspopulistische" Partei gesehen, wohl aber eine konservativ-patriotische. Diese haben wir alle gewählt - nicht mit Selbstzufriedenheit, aber mit einer Menge Hoffnung; schließlich haben wir Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder und Enkel hier in unserer Heimat!

26.05.2019 15:46 W. Merseburger 10

An @ 7 Pfingsrose,
ich war auch wählen und habe geduldig in der Schlange gestanden bis ich dran war. Sie haben mit Zufriedenheit ihre Stimme abgegeben. Ich denke sie haben ihre Zufriedenheit mit Europa gemeint oder weil das Wetter schön war? Zufrieden kann man mit einer wahrscheinlich deutlich höheren Wahlbeteiligung sein. Damit wird auch ein breiteres Spektrum der Bürgermeinung abgebildet. Damit bin ich sehr gespannt, wie die einzelnen Parteien abschneiden und sich zukünftig einordnen.

26.05.2019 15:22 Holger 9

26.05.2019 13:44 Pfingstrose
Das haben wir nachgeholt, ebenso unsere Kinder! Anhand der Beiträge die unter Ihrem Nicknamen hier immer zu lesen sind, wissen wir wo Sie ihr Kreuz gesetzt haben.