Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald
Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

74. Jahrestag Gedenken in Buchenwald

In der KZ-Gedenkstätte Buchenwald wird an die Befreiung des Lagers vor 74 Jahren erinnert. Vertreter der AfD sind von den Feierlichkeiten ausgeladen worden. Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, sagte MDR AKTUELL, man könne den Überlebenden nicht zumuten, auf einen Politiker wie AfD-Landeschef Höcke zu treffen.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald
Eingang zur Gedenkstätte Buchenwald Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist inzwischen 74 Jahre her, dass sich im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar für die Häftlinge die Tore in die Freiheit öffneten. Fast 280.000 Menschen waren seit 1937 inhaftiert worden, jeder Fünfte überlebte das mörderische System der Nazis nicht.

AfD nicht erwünscht

Anfang dieses Jahres entschied die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald, alle offiziellen Vertreter der AfD von Gedenkveranstaltungen auszuschließen. Aufgrund der Entwicklung, die die AfD in den vergangenen zwei Jahren genommen habe, erklärt der stellvertretende Stiftungsdirektor Philipp Neumann-Thein:

"Weil in dieser Partei eben ganz offensichtlich die rechtsradikalen Kräfte, die völkischen Kräfte, die rassistischen Kräfte immer mehr an Boden gewinnen. Die moderaten Kräfte verlassen entweder die Partei oder besetzen dort immer weniger wichtige Positionen."

Kritik an Björn Höcke

Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde in Thüringen, Reinhard Schramm, findet die Entscheidung der Gedenkstätten-Leitung richtig, vor allem mit Blick auf die ehemaligen KZ-Häftlinge, die heute noch am Leben sind: "Man kann denen nicht zumuten, dass sie auf einen Herrn Höcke treffen, der ihnen sagt, wir müssen eine 180-Grad-Wende machen. Heißt das, wir sollen die Befreiung oder die Verbrechen der Nazis verschweigen?"

Nein, das kann man den Überlebenden nicht zumuten. Das ist wahrscheinlich nicht verkraftbar.

Reinhard Schramm, Jüdische Landesgemeinde in Thüringen

Schramm bezieht sich auf die sogenannte "Dresdner Rede" des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke Anfang 2017. Darin forderte er unter anderem eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad". Die Leitung der Gedenkstätte Buchenwald erteilte Höcke daraufhin Hausverbot.

Wie die AfD reagierte

Ein Vertrauter Höckes, der AfD-Bundestagsabgeordnete Stephan Brandner, besuchte die Gedenkstätte im vergangenen Jahr. Der Versuch miteinander ins Gespräch zu kommen, endete allerdings im Dissens.

Der Vize-Stiftungsdirektor der Gedenkstätte Buchenwald, Philipp Neumann-Thein, erinnert sich: "Wir haben gesagt, wir müssen einmal ein solches Gespräch führen, um uns nicht vorwerfen zu lassen, wir hätten es nicht versucht. Im Nachhinein war es unnötig, weil kein wirkliches Gespräch zustande kommen konnte. Angesichts der Weigerung von Herrn Brandner, sich von den geschichts-revisionistischen, rassistischen, völkischen Positionen der AfD zu distanzieren." Auch Brandner zeigte sich, wenn auch aus anderen Gründen, enttäuscht von dem Treffen. Neumann-Thein findet, es sei trotzdem richtig gewesen, den Versuch zu unternehmen.

Keine Schlichtung in Sicht

Eine Lösung des Konflikts mit der AfD könne nur durch die Partei selbst herbeigeführt werden, meint Neumann-Thein: "Indem sie sich eben glaubhaft von völkischen, von rassistischen, von geschichts-revisionistischen Positionen distanzieren. Und diese in ihrer eigenen Partei auch nachvollziehbar bekämpfen."

Im Moment sei ihm eine solche Entwicklung aber nicht bekannt. Von der AfD-Fraktion standen weder deren Vorsitzender Björn Höcke noch ein anderer Abgeordneter MDR AKTUELL für ein Interview zur Verfügung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 11. April 2019 | 05:12 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2019, 05:00 Uhr

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34 Kommentare

12.04.2019 21:55 Jens 34

Dieser Hass gegen politisch Andersdenkende in dieser angeblichen Demokratie ist wirklich bedenklich mittlerweile. Für die AfD sind gerade solche Aktionen und Äußerungen perfekte Wahlwerbung. Die AfD sollte diesen Leuten ein Dankesschreiben zukommen lassen!

12.04.2019 07:42 Gerd Müller 33

[„Wegen des Verstoßes gegen unsere Richtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) wurde dieser Kommentar entfernt. Die MDR.de-Redaktion“]

11.04.2019 21:40 Peter 32

@4 Blumenfreund: "Ich habe mit den Verbrechen von damals nichts zu tun."
Wenn dem so ist, was fühlt sich die AfD ausgestoßen, wenn sie nicht zur Gedenkfeier eingeladen wurde.
Könnte es sein, dass der Drang der AfD, an einer solchen Veranstaltung teilzunehmen, dem Muster folgt, welches die Partei permanent fabriziert: Provozieren!
Und genau das haben die Opfer von Buchenwald nicht verdient.

11.04.2019 21:15 007 31

@ Stealer 30 ... Wenn sie meinen Post nicht verstehen lesen sie ihn bitte mehrmals durch.

Und Strealer, nennen sie uns eine Ideologie in der AfD, die werden sie nicht finden (höchstens erfinden).

Und auf links-bunte populistische Hypothesen hab ich keinen Bock ...

11.04.2019 20:43 Stealer 30

@007: Ja, das hatte Brandner auch mal in Jena erzählt, neben einigem anderen unsinnigen und widerlich-peinlichen Sachen. Es war schon Blödsinn damals und bleibt es. Das "Argument" ist auch noch älter.

In der Tat gab es ehemalige NSDAP-Mitlieder in allen Möglichen Parteien, ob West oder Ost. In der AfD werden kaum welche sein.

Abet die AfD als "ideologiefrei" zu bezeichnen ist schon ein starkes Stück. Zudem haben Sie in Mediators Kommentar den Begriff "Neonazi" überlesen. Glauben Sie tatsächlich, dass eine Ideologie mit irgendwelchen Parteimitgliedern ausstirbt?

Oha, hatte mich auf Kommentar 25 bezogen und lese gerade 19... Eine transzendentale Entität sollte Enzephala von der Troposphäre herniedergehen lassen.

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11.04.2019 20:02 Stealer 29

@Ekkehard Kohfeld: Die Rede ist leicht zu finden, auch heute noch. Nichts ist aus dem Zusammenhang gerissen, im Gegenteil, man beachte auch das Publikum und seine Reaktionen. "Die AfD ist die letzte evolutionäre, sie ist die letzte friedliche Chance für unser Vaterland". Ah so. Und wenn die selbsternannten Vaterländler ihre Ziele nicht friedlich erreichen? Bürgerkrieg? Terrorismus?

Sie schreiben von Fake-News - was wären die denn? Die Rede ist klar artikuliert, man sieht den Redner mit beiden Händen auf dem Pult lehnen, während er die "Höcke, Höcke"-Rufe genießt.

Was hätte er denn in Buchenwald gewollt? Noch das letzte Tabu brechen um jegliches Gedenken zu vergiften? Etliche Gefolgsleute scheint er ja zu haben...

11.04.2019 19:46 Horst 1 28

an Normalo@26: mit Ihren Hetz Kommentaren, zeigen Sie ganz deutlich, wie Sie über Andersdenkende herziehen, ohne jeglichen Zusammenhang! Sie haben einen falschen Namen hier im Forum gewählt!

11.04.2019 19:33 Auf zum letzten Gefecht! 27

@Normalo

uns brauchst du das nicht zu sagen, wir wissen um das Unrecht was passiert ist.

Aber denjenigen, die wieder einmal israelische Flaggen auf deutschen Straßen und Plätzen verbrennen, zu denen müssen sie gehen und erklären, das man so etwas nicht macht in Deutschland.

Ich hätte ja gern geschrieben das es das nicht mehr gibt in Deutschland, aber diverse Vorkommnisse haben mich da eines besseren belehrt.

11.04.2019 19:02 Normalo 26

"Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." B. Höcke

Der Kontext ist klar. Nicht ein Denkmal seiner Schande, also der Schande des deutschen Volkes ist hier gemeint, sondern einer Schande für das Volk. Clever ist er, aber seine Ideologie ist eindeutig.
Auch wenn es mir sinnlos erscheint sage ich es: Kaum noch einer der heute Lebenden hat Schuld an dem was passiert ist, aber erinnern muss man daran. Gerade die Kommentare hier (die Kommentatoren bilden nur hier eine gewisse Blasen-Masse, nicht in der Bevölkerung) beweisen wie wichtig das ist.

11.04.2019 17:44 007 25

@ Mediator 12 (Nochmal) ... Kopie; "Dass Neonazis auch in deutschen Parlamenten sitzen können wissen wir spätestens seit dem die NPD dort saß. Bleibt also nur noch die Frage zu klären, ob die AfD ebenfalls Inhalte der NS-Ideologie vertritt bzw. nicht gegen Mitglieder in ihrer Partei vorgeht die genau das tun."

Zu klären gibt"s da garnichts oder verweigern sie immer noch die Realität??? Alle Kartellparteien hatten NS Mitglieder in ihren eigenen Reihen, A-L-L-E. Die junge AfD als einzige Partei nicht. Das ist die einzige Partei in DE die garantiert NS u ideologiefrei ist. Deshalb, wer in einer politische Debatte den Begriff Nazi gegen wen auch immer ins Feld führt, ist aus ethnischer Sicht ein Lu...(darf ich nicht sagen), aus historischer Sicht ein Verharmloser, aus intellektueller Sicht eine Null, u vor dem Gesetzt hoffentlich bald ein Straftäter ...