Bildungsminister Tullner sitzt in einem Büro
Marco Tullner (CDU), Bildungsminister in Sachsen-Anhalt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Umgang mit dem Islam Sachsen-Anhalts Bildungsminister tritt Kopftuch-Streit los

Über 100 Antworten haben sich mittlerweile angesammelt unter dem Tweet von Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner. Für den Account des CDU-Politikers ist das überdurchschnittlich viel. In besagtem Post kritisiert Tullner die Integrationsbeauftragte des Landes Susi Möbbeck - bei einem Besuch in der Moschee in Stendal hatte sie am Freitag ein Kopftuch getragen.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Bildungsminister Tullner sitzt in einem Büro
Marco Tullner (CDU), Bildungsminister in Sachsen-Anhalt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Helle Blumenranken auf dunklem Grund – so sieht der Schal aus, den Staatssekretärin Susi Möbbeck beim Besuch in der muslimischen Gemeinde über ihren Hinterkopf gezogen hat. Bildungsminister Marco Tullner erklärte, ihn mache diese Geste "sprachlos". Er twitterte, mit Frauenpolitik sei das unvereinbar.

Er empfinde es als sehr unsensibel, wenn eine offizielle Vertreterin der Landesregierung zum Dialog mit einem Kopftuch erscheine. Angesichts der Demonstrationen im Iran sei das Kopftuch für viele Frauen ein Schlag ins Gesicht, so Tullner.

Möbbeck reagiert ebenfalls via Twitter

Möbbeck erklärte, sie habe sich aus Respekt an die in einer Moschee üblichen Bekleidungsregelen gehalten. In eine Kirche gehe sie auch nicht schulterfrei.

SPD und Grüne stehen Integrationsbeauftragter bei

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag Cornelia Lüddemann unterstützte Möbbeck. Sie nannte Tullners Tweet unreflektiert: "Ich glaube, er lenkt damit ab. Wir müssen uns natürlich mit den Inhalten von unterschiedlichen Glaubensrichtungen in Sachsen-Anhalt beschäftigen." Dem könne sich gerade der für Religion und Bildung zuständige Minister nicht entziehen, indem er eine abseitige Scheindebatte vom Zaun breche, die nur der AfD helfe.

In einer Pressemitteilung zu dem Streit bezeichnete der AfD-Fraktionsvorsitzende André Poggenburg ein "Kopftuch als Zeichen der Unterwerfung". Der SPD-Abgeordnete Falko Grube warf auf Twitter ein, ob Tullner beim Besuch von Synagogen künftig auch keine Kippa mehr tragen wolle. Und Grünen-Politikerin Lüddemann betont, sie selbst trage in katholischen Kirchen, zum Beispiel in Polen oder Italien, auch einen Schleier.

Ich erwarte, wenn Menschen bei uns ein Gotteshaus betreten, dass sie ihre Mütze abnehmen.

Cornelia Lüddemann, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag

"Das sind Dinge, die mache ich, um zu zeigen: Der Gegenüber ist mir wichtig, und seine Rituale sind mir wichtig", unterstricht Lüddemann. Es sei ein Zeichen des Anstandes. "Das heißt nicht, dass ich alles, was hinter dieser Religion steht, kritiklos übernehme.“

Tullner will Kopftuch-Debatte weiter vorantreiben

Tullner hingegen erwartet, dass Mitglieder der Landesregierung muslimische Gemeinden künftig ohne Kopftuch besuchen würden. Dass seine Einstellung hier der Stoßrichtung der AfD entspricht, sei keine gezielte Kampagne, betonte der Bildungsminister. Er habe eine Aufgabe und wolle eine politische Debatte vorantreiben. Diese begründe er mit seinem Standpunkt. "Wer sich da jetzt anschließt oder nicht anschließt, ist für mich zwar von Interesse, aber nicht Ausgangspunkt des Debattenbeitrags."

Das Thema ist auch im Kabinett besprochen worden. Demnach sollen Bildungs-, Innen- und Arbeitsministerium sich zum Thema Kopftuch intensiver abstimmen. Cornelia Lüddemann von den Grünen meinte allerdings, es brauche keine Runde, die über Verhaltens- oder Kleidungsregeln diskutiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. Februar 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Februar 2018, 10:58 Uhr

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83 Kommentare

16.02.2018 10:54 Anne 83

" Wenn ein Mann seine Frau einsperrt, schlägt oder vergewaltigt, dann kann sie sich mit allen daraus resultierenden Folgen juristisch zur Wehr setzen."Wie wenn sie eingesperrt ist? Auf welchen Stern leben Sie denn? Krause 81- Schon mal eine Burka getragen? Tun Sie es einmal, dann wissen Sie wie freiwillig das ist. Aber ja wir sprechen ja vom Kopftuch? Sie leben in Berlin Neukölln und wissen nichts von den Ehrenmorden und von der Unterdrückung vieler muslimischer Frauen? Laufen Sie mit Scheuklappen durch die Welt?

16.02.2018 08:38 Mediator an Udo K(78) 82

Lieber Udo,

was den nun? Ist das Kopftuch nun ein religiöses Symbol für sie oder keines? Sie kriegen da ja nicht mal für sich selbst eine saubere Aussage auf die Reihe.

Vielleicht können sie einfach akzeptieren, dass man als gebildeter und kultivierter Gast und Repräsentant eines Landes bestimmte Regeln akzeptier,t wenn man ein Gotteshaus betritt. Religion ist für viele Menschen wichtig und so kann man durch gezeigte Achtung vor der Religion des anderen wichtige Grundlagen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit leisten.

Benimmt man sich wie die Axt im Walde, dann macht man jede Chance auf Zusammenarbeit von vorne herein zunichte. Glauben sie irgend ein Muslim wird Herrn Poggenburg nach seinen jüngsten Äußerungen als Verhandlungspartner auf Augenhöhe betrachten?

Gegen Unterdrückung wehrt man sich bei uns übrigens juristisch. Wenn ein Mann seine Frau einsperrt, schlägt oder vergewaltigt, dann kann sie sich mit allen daraus resultierenden Folgen juristisch zur Wehr setzen.

16.02.2018 02:20 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 81

Zitat #79:
"ich bin noch engstirnig, ich bin islamkritisch!"

Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!

Zitat #78:
"Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung der Frau, daran gibt es keinen Zweifel.
Es ist KEIN religiöses Zeichen, sonst müssten es ja alle Muslime weiblichen Geschlechts tragen, und das ist nun mal NICHT so!"

Und wenn sich nun irgendeine Frau findet, die ihr Kopftuch freiwillig trägt, kann sie deswegen keine Muslima sein?

Vor allem:
Wenn den Muslimas das Kopftuch-Tragen freigestellt ist - wie Udo K weiß - dann kann es kein Symbol der Unterdrückung sein!
Aber das wird ihm auch irgendwann noch klar...

15.02.2018 00:37 Eulenspiegel 80

Hallo der_Silvio 79
Sie sind nicht Islamkritisch sie haben eine Islamphobie.
Udo K 78
„Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung der Frau, daran gibt es keinen Zweifel.“
Ich denke das ist so für sie weil es in ihr Ideologisches Weltbild passt. Die Realität ist ganz anders. Also ich kenne keine Muslimin die in irgendeiner Weise zum Kopftuch gezwungen wird. Ich kenne aber viele Muslimen die wiederholt genötigt wurden mal ihr Haar zu zeigen. Aber behalten sie nur ihre Vorurteile.

15.02.2018 21:59 der_Silvio 79

@75 Till Eulenspiegel;
Haben sie eigentlich den Artikel gelesen, auf den ich im Kommentar #73 hingewiesen habe?
Ihre eigene 'Erkenntnis' ist auch nur das Eine - IHRE 'Erkenntnis'

Und sie meinen, ich mache mich lächerlich?!?
Und noch eines für sie; ich bin noch engstirnig, ich bin islamkritisch!

15.02.2018 20:49 Udo K 78

Mediator 54 schreibt:
"Wenn ich nicht täglich so viel unreflektierten Mist hier lesen würde, dann müsste ich auch nicht so viel schreiben." -------

Aha, Sie MÜSSEN hier lesen und schreiben?
Sind Sie beauftragt, zwingt Sie jemand oder fühlen Sie sich als der hier "Ordnung zu Schaffende" verpflichtet?
Sie bestimmen, was unreflektiert ist?
Dann dürfen Sie sich gern Ihre sinnfreien Beiträge zu Gemüte führen!
Das Kopftuch ist ein Zeichen der Unterdrückung der Frau, daran gibt es keinen Zweifel.
Es ist KEIN religiöses Zeichen, sonst müssten es ja alle Muslime weiblichen Geschlechts tragen, und das ist nun mal NICHT so!

15.02.2018 20:36 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 77

@ 74:
Zitat "wenn frau möbbeck frau ates in der ibn-rushd-goethe-moschee in berlin besuchen würde, würde sie dann auch ein kopftuch tragen ?"

Das mußt Du Frau Möbbeck wohl selbst fragen.

@ 73:
Zitat "Zudem ist der Islam die Religion, die sich immer stärker in das gesellschaftspolitische Leben hineinDRÄNGT"

Eigentlich gibt es islamische Gemeinden und Muslime schon einige Zeit in Deutschland.
In den letzten Jahren drängt der Rechtsextremismus wieder in die Gesellschaft herein... und findet in Besorgten und Religionsausgrenzern Jubler und Wegbereiter.

15.02.2018 19:31 Mediator an H.E.(70) 76

"Ich möchte z.B. nicht, daß meine Enkelkinder von Lehrerinnen mit Kopftuch in der Schule unterrichtet werden, weil ich befürchte, daß keine Neutralität betr. Religion vorhanden ist."

??? - Wollen sie ihre Enkelkinder zum islamischen Religionsunterricht anmelden? Dann wäre es doch prima wenn die Lehrerin aus erster Hand vom Islam berichten kann.

"Und wenn ich z.B. in ein Geschäft gehe oder in andere Einrichtungen, wo ich plötzlich von einer Frau mit Kopftuch bedient werde, würde ich dort nicht mehr hingehen."

??? - Haben sie eine visuelle Kopftuchallergie oder was stört sie an einer Bedienung mit Kopftuch? Das müssen sie schon mal erklären. Wenn man richtig gute Gewürze kaufen will die dazu noch exotisch und billig sind, dann geht kein Weg an Läden vorbei bei denen die Besitzer Muslime sind.

Schauen sie sich einmal an wie viele Muslime es in Sachsen Anhalt gibt. Vermutlich sind sie da in einem Bereich von maximal EINEM Prozent der Bevölkerung. Also bleiben sie cool!

15.02.2018 19:29 Eulenspiegel 75

der_Silvio 73
"Die Fokussierung auf den Heimat-Begriff setzt den falschen Akzent zur falschen Zeit", sagte der Vorsitzende der Organisation, Gökay Sofuoglu, der "Berliner Zeitung".
Das ist eine Meinungsäußerung. Daran ist nichts auszuserten, denn schließlich leben dies Leute hier und sind Deutsche Staatsbürger, unabhängig wie man selber dazu steht.
Weiter denke ich das gerade jemand wie sie der nicht einen Moslem persönlich kennt und keine Ahnung vom Islam hat sich hier nur lächerlich machen kann.
„Und so wie ich das verstanden habe sind für die Frauen die ein Kopftuch tragen die Haare ein Teil ihres Intimbereichs.“
Das ist meine Erkenntnis die ich aus vielen Gesprächen mit muslimischen Frauen geführt habe. Aber davon haben sie ja keine Ahnung. Sie haben nur ihre Intoleranz und Engstirnigkeit.

15.02.2018 18:46 konstanze 74

einfache frage: wenn frau möbbeck frau ates in der ibn-rushd-goethe-moschee in berlin besuchen würde, würde sie dann auch ein kopftuch tragen ?