Nasen-Nebenhöhlen Operation
Thüringer sind nicht nur besonders lange in Krankenhäusern. Auch einige Operationen werden häufiger als in anderen Bundesländern durchgeführt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Krankenhausreport Thüringer liegen am längsten im Krankenhaus

Der Krankenhausreport der Barmer hat für die Thüringer Versicherten keine guten Nachrichten. Thüringer Patienten sind so oft und so lange im Krankenhaus wie sonst niemand, so steht es jedenfalls im Report. 2016 waren demnach knapp 25 Prozent der Versicherten im Freistaat im Krankenhaus. In Baden-Württemberg waren es mit nicht einmal 18 Prozent so wenige wie sonst nirgendwo in der Bundesrepublik. Für Thüringen bleibt also nur die rote Laterne. Warum ist das so?

von Anne-Marie Kriegel, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondentin für Thüringen

Nasen-Nebenhöhlen Operation
Thüringer sind nicht nur besonders lange in Krankenhäusern. Auch einige Operationen werden häufiger als in anderen Bundesländern durchgeführt. (Archivbild) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast 47 Jahre ist der Durchschnittsthüringer alt – nur Sachsen-Anhalter sind älter. Mit dem Alter kommen neben den Zipperlein auch immer häufiger ernsthafte Erkrankungen. Damit nehmen auch die Krankenhausaufenthalte zu, sagt Robert Büssow von der Barmer. Aber das reicht als Begründung alleine nicht, erklärt er weiter: "Es sind wahrscheinlich viele Ursachen. Aber aus unserer Sicht spielt vor allem die Bettendichte eine zentrale Rolle. Die Strukturen in Thüringen sind ganz andere als in den meisten anderen Bundesländern."

Viele Betten, die gefüllt werden müssen

In Thüringen gebe es viele Krankenhausbetten, so Büssow. Die vielen Betten müssten belegt werden, ansonsten rechneten sie sich nicht. Zu Ende gedacht bedeutet das: Ärzte überweisen Patienten in Krankenhäuser, um Betten zu füllen. Ein Vorwurf, den es schon länger gibt. Die Bertelsmann Stiftung schreibt dazu, dass es in Thüringen 2015 doppelt so viele Rücken-OPs wie in Sachsen gegeben habe und dass davon auszugehen sei, dass es dafür keine medizinische Erklärung gebe.

Den heftigen Vorwurf, dass Ärzte Patienten ins Krankenhaus schicken, damit die Krankenhäuser sich rechnen, will die Stiftung so nicht formulieren, der Schluss liegt allerdings sehr nah. Das Gesundheitsministerium in Erfurt erklärt dazu schriftlich: Richtig sei, dass es viele Krankenhausbetten in Thüringen gebe und:

Die Feststellung der Anzahl der Planbetten folgt dem Bedarf, das heißt im Wesentlichen der tatsächlichen Inanspruchnahme. Gründe für die Zahl an Krankenhausfällen und die Verweildauer sind hier nicht bekannt.

Schriftliche Stellungnahme Thüringer Gesundheitsministerium

Faktor Reha-Betten

Aus Sicht von Doktor Frank Lange vom Verband der leitenden Krankenhausärzte in Thüringen liegt es aber nicht nur an der Bettenzahl. In Thüringen gebe es keine Reha-Betten für Patienten, die unter altersbedingten Krankheiten leiden, also in der sogenannten Geriatrie behandelt würden. "Das heißt also, dass in Thüringen Reha-Betten, die in anderen Bundesländern anderen Bereichen zugeordnet werden, in Thüringen gar nicht existieren, die Patienten aber da sind und im Krankenhaus behandelt werden. Und hieraus schlussfolgere ich, dass das eine Begründung ist, warum in Thüringen besonders viele Patienten besonders lange im Krankenhaus sind, aufgrund eben dieser Situation."  

In Thüringen kommen Patienten aus der Geriatrie, also aus der Altenmedizin, ins Krankenhaus, weil es für sie keine extra abzurechnenden Reha-Betten gibt. In anderen Bundesländern gibt es so etwas und dort fallen die Senioren deswegen aus der Statistik. Vom Gesundheitsministerium heißt es dazu:

Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass mit dem 7. Thüringer Krankenhausplan erstmals die geriatrische Rehabilitation in Rehabilitationskliniken in Thüringen etabliert wird.

Schriftliche Stellungnahme Thüringer Gesundheitsministerium

Der aktuelle Krankenhausplan gilt seit Anfang des Jahres. Wann und ob sich die hier vorgesehenen Reha-Betten für die Altenmedizin auf die Statistik auswirken werden, ist unklar.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL auch im: Radio | 08.08.2017 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. August 2017, 15:17 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

11 Kommentare

09.08.2017 12:53 Überlegung 11

Man sollte vielleicht auch darüber nachdenken, ob niedergelassene Ärzte in ihrer eigenen Praxis operieren müssten (um noch reicher als reich zu werden). Operationen gehören m.E. in ein Krankenhaus, auch extrem häufig anfallende OPs wie Grauer Star und ähnliche "Kleinigkeiten". Und schon ist das Krankenhausproblem gelöst oder zumindest kleiner.

09.08.2017 05:40 Querdenker 10

Videoempfehlung zum Thema siehe Doku „Operieren und kassieren Reportage Dokumentation ARD“

08.08.2017 19:50 Querdenker 9

Zitat „doppelt so viele Rücken-OPs“ - - - Wer darüber was wissen will, der schaut nach „Unsinnig, gefährlich, teuer Die meisten Rücken-OPs sind überflüssig“ - - - Und wenn du dich erfolgreich gegen eine teure gefährliche unötige Rücken-OP gewehrt hast, dann kann es sein, dass der Arzt dich noch mal zum MRT schickt. Nicht etwa, weil auf den Bildern irgend was Neues zu sehen sein wird, sondern mutmaßlich um das MRT auszulasten. Und bei dem Ärztemangel in Deutschland kann man auch nicht mal so einfach sich wegen jeder „Kleinigkeit“ mit einem Arzt anlegen.

08.08.2017 17:51 Querdenker 8

Alltag in Deutschland siehe „Spiegel Warum Krankenhäuser die Aufnahme von Notfallpatienten ablehnen“ Zitat: „Acht Krankenhäuser in der Umgegend verweigern die Aufnahme, der Patient stirbt. Ein Alptraum, den Notärzte immer öfter erleben.“

Es funktioniert im Prinzip so, wenn die Betten ausgelastet sind, dann wird in der Notaufnahme sehr stark aussortiert. Wenn aber z.B. die Osterferien vor der Tür stehen und Betten frei werden, wird verstärkt aufgenommen.

Wenn du in der Familie eine langjährige Krankenschwester hast, dann weist du ganz gut Bescheid. Völlig überlastetes Personal und Kranke als „Ware“.

08.08.2017 17:14 Querdenker 7

Zitat: „Die vielen Betten müssten belegt werden, ansonsten rechneten sie sich nicht.“
In anderen Bundesländern werden täglich schwer Erkrankte aus der Notaufnahme (sanft) rausgeworfen, weil die Betten immer schön ausgelastet sind.

Und wenn du dann um eine Schmerztablette mit schmerzverzerrten Gesicht für die längere teure Taxifahrt bettelst, weil du ja „rausgeworfen“ wirst, dann kann es passieren, dass die Ärztin mit einem Lächeln im Gesicht sagt: "Wir haben auch die Möglichkeit ihnen das Schmerzmittel intravenös zu geben.“ Dieser Satz wird dann als Beratung zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten teuer abgerechnet. Natürlich fahren sie dich dann mit dem Bett noch bis zum Ausgang zum Taxi, wenn du nicht laufen kannst. Der Krankentransport wurde natürlich abgelehnt, weil man kann ja nicht jmd. „raus werfen“ und dann einen Krankentransport bezahlen! Wie soll das plausibel sein?

Aktueller Fall siehe: „Kölnerin verliert linken Arm und beide Beine Express“

08.08.2017 17:05 bengsch 6

Sehr geert Damen u. Herren .
Meine Enkeltochter geb.26.6.2016 ist seit 31.12.2016 in Kliniken sie könnte seit Monaten nach Hause es hapert an einem 24 stunden intensiv Kinder pflege Dienst mit Beatmung. Es ist ihr keine hohe Lebens erwartung vorausgesagt. Mama u. Die kleine möchten um so mehr die Zeit zuhause,noch genießen. Sie leidet an SMA Typ 1 ist zur Zeit stabil u. Ihr lächeln verzaubert jeden . Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit. Vielleicht ist hier jemand der helfen kann. Ich habe schon so viele Möglichkeiten versucht es ist einfach nur ein trauriger kampf . Mama u. Kind gehören zusammen nach Hause u. Nicht in Krankenhäuser hin u. Her geschoben es gibt keine nacht mehr in der wir durch schlafen können. Wir lieben Nikki Bella lg.

08.08.2017 12:54 Das System Schöder/Merkel 5

@08.08.2017 08:37 Nur so geht's (1 Ich lese zwischen den Zeilen, dass die Zahl der Krankenhäuser reduziert werden muss. Es"rechnen" sich nur "Gesundheitsfabriken". Das geht allerdings zulasten der Pflege.
Wenn es um die Menschen geht, wie alle immer betonen, sollte die Zahl der Betten in einem Krankenhaus begrenzt werden und mehr Wert auf ordentliche Pflege gelegt werden, die auch zeitintensiver sein darf.)

Es geht aber nicht um den Menschen - es geht um den Profit. Und nur um den Profit. Dieser Zusammenhang ist statistisch völlig eindeutig.

08.08.2017 12:52 Das System Schöder/Merkel 4

@08.08.2017 09:46 Samariter (2 Das heißt, Krankenhäuser schließen. Dann werden die Menschen statistisch gesehen gesund.)

Sie haben das System Schröder/Merkel oder besser gesagt, die Grundlage deutscher Sozialpolitik seit 1998ff genau erfasst. Und weil der deutsche Kleinbürger nichts lieber tut, als weggucken und Zusammenhänge zu verdrängen, war diese Systematik, begründet mit "Sachzwängen", im Sinne der Profiteure äusserst erfolgreich. Bis heute gibt es nicht einmal eine einwandfreie Rechnungslegung in sämtlichen(!) Bereichen des "Gesundheitswesens" - noch Fragen?

Wobei dennoch nicht zu vergessen ist, dass eine bewegungsfaule, übergewichtige und vorwiegend sitzende Bevölkerung natürlich Folgen hat für das Gesundheitssystem. Da werden wir noch viel Spass haben.

08.08.2017 12:35 Atheist - aus Mangel an Beweisen 3

Es ist nicht neu das mit der sogenannten geriatrischen Einrichtungen eine Menge Geld verdient wird.
Warum also auslagern wenn es das Krankenhaus auch anbieten kann.
Und so wird einfach ein Gang weiter eine Geriatrische Abteilung aufgemacht in der man mitunter weniger Pflege erhält als auf einer normalen Stadion.
Meine Mutter habe ich deshalb aus dem Krankenhaus in eine echte Geriatrische Einrichtung gebracht.

08.08.2017 09:46 Samariter 2

Das heißt, Krankenhäuser schließen. Dann werden die Menschen statistisch gesehen gesund.