Gesetzlich oder privat? Krankenversicherung: Sachsens Beamte könnten bald ohne Nachteile wählen

Seit einem Jahr können Lehrerinnen und Lehrer in Sachsen verbeamtet werden – wie etwa Polizisten oder Justizbeamte. Sie stehen alle in einem sogenannten "Dienst- und Treueverhältnis" zum Staat. Ins staatliche Sozialsystem zahlen sie allerdings nicht direkt ein: In der Regel sind Beamte privat krankenversichert. In Sachsen könnte sich das bald ändern. Als erstes unionsgeführtes Bundesland will der Freistaat Beamte ohne Nachteile zwischen privater und gesetzlicher Krankenkasse wählen lassen.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
Beamte sind in Deutschland in der Regel privat krankenversichert. In Sachsen könnte sich das bald ändern. Bildrechte: dpa

Karen Siwonia ist seit vielen Jahren Beamtin. Sie arbeitet beim Finanzamt in Chemnitz und ist privat krankenversichert. Heißt: Für jeden Arztbesuch bekommt sie eine Rechnung und muss das Geld auslegen. Eine Hälfte erstattet ihr dann die Versicherung, die andere der Freistaat - über die sogenannte Beihilfe.

Siwonia findet dieses System gut: "Grundsätzlich muss man sagen: Wir haben ein gutes Absicherungssystem im Krankheitsfall für die Beamten mit der Beihilfe und der privaten Krankenversicherung. Dieses System funktioniert gut, es ist effektiv. Also da gibt es erstmal wenig daran auszusetzen."

Siwonia ist stellvertretende Vorsitzende des Sächsischen Beamtenbundes. Nur die absolute Minderzahl der Beamten sei gesetzlich versichert, erzählt sie. Denn für Beamte gibt es bei der Gesetzlichen einen Haken: "Dann muss man den Beitrag komplett selbst finanzieren. Dann gibt es keinen Arbeitgeberzuschuss."

Gesetzliche Versicherung mit Vorteilen

Das könnte sich künftig ändern. Auf Seite 62 des Koalitionsvertrags heißt es: "Beamte des Freistaates Sachsen erhalten die Möglichkeit, sich ohne Nachteile gesetzlich krankenzuversichern." Ein wichtiges Anliegen für Henning Homann, Generalsekretär der sächsischen SPD: "Ich erlebe unter vielen jungen Menschen, die sich jetzt überlegen, ob sie eine Beamtenlaufbahn einschlagen – zum Beispiel viele junge Lehrerinnen und Lehrer –, dass der Wechsel in eine private Krankenversicherung manchmal ein Argument dagegen ist. Und das möchte ich nicht."

Die Gesetzliche habe für Beamte durchaus Vorteile, schreibt der Gewerkschaftsbund DGB Sachsen in einer Mail an MDR AKTUELL– vor allem wegen der kostenlosen Mitversicherung von Kindern. Siwonia vom Beamtenbund hingegen sagt über die Bediensteten ihres Verbands:

"Ich nehme das nicht wahr, dass es da größere Bestrebungen oder Wünsche gibt. Sicherlich, im Einzelfall kann das sein. Aber in der Masse sehe ich das nicht."

Hamburger Modell als Vorbild

Denkbar ist eine Änderung nach dem Vorbild des Hamburger Modells. Dort können sich Beamte seit 2018 aussuchen, ob sie sich privat oder gesetzlich versichern wollen – für beides zahlt der Stadtstaat einen Zuschuss. SPD-Politiker Homann sagt dazu:

"Das Beispiel Hamburg zeigt, dass dort ungefähr fünf Prozent der Beamtinnen und Beamten Lust haben, sich für die gesetzliche Krankenversicherung zu entscheiden."

Wechseln dürfen in Hamburg allerdings nur neu Verbeamtete, merkt das CDU-geführte sächsische Finanzministerium in einer Mail an MDR AKTUELL an. Man stehe ganz am Anfang des Prozesses.

Hitzige Debatten in der Koalition

Henning Homann
Henning Homann ist dafür, dass sich Beamte gesetzlich versichern können. Bildrechte: dpa

Das betont auch Homann von der SPD. Man müsse schauen, wie das konkrete Modell für Sachsen aussehe. Homann erklärt:

"Da werden wir in den nächsten Monaten sicherlich auch hitzige Debatten in der Koalition haben – weil die Stärkung der gesetzlichen Krankenversicherung eben ein SPD-Herzensthema ist und zum Beispiel die CDU das nicht so gut findet. Aber wie gesagt: Da machen wir uns auf den Weg. Dass es kommt, ist auf jeden Fall im Koalitionsvertrag festgeschrieben."

Karen Siwonia vom Sächsischen Beamtenbund will mit einer endgültigen Positionierung bis zu einem etwaigen Gesetzentwurf warten – im Moment sei das ein Blick in die Glaskugel.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 05:00 Uhr

8 Kommentare

ManomaR vor 7 Wochen

Ich würde ein AbrechnungSystem mit Chipkarte bevorzugen. Der Freistaat könnte doch für die Beamten eine Krankenkasse gründen, die wie die gesetzlichen Krankenkassen funktioniert. Beiträge und Leistungen wie dort, nur mit dem Unterschied, dass diese mit der Beihilfe verknüpft ist. Momentan ist es sehr umständlich, die Rechnungen an zwei Stellen einzureichen, die beide ca. 3-4 Wochen Bearbeitungszeit haben. Die Rechnungen sind aber oft nach 14-30 Tagen fällig. Außerdem stehen viele Beamte im Alter vor dem Problem, wer diese ganzen Rechnung einreichen soll und vor allem, wer und wovon diese vorverauslagt werden sollen. Eine Intensivbetreuung nach Unfall oder bei Demenz, Krebs, Altersschwäche kostet mehrere tausend Euro im Monat. Da kommen viele an ihre geistigen und vor allem finanziellen Grenzen. Ich bin selbst Beamte und wünsche mir da eine Lösung. In mehreren Gesprächen mit Kollegen habe ich schon oft gehört, dass sie sich lieber nicht verbeamtet lassen hätten. Eine Umfrage gäbe Klarh

HansAKopf vor 7 Wochen

Find ich gut.
Die PKV Kann ja eine auch Augrund diverser vorerkrankungen einen ablehnen. Und dann muss man in die GKV und darf dann noch das doppelte zahlen. Das ist sehr unfair finde ich.
Lg
Hans

Memoria vor 7 Wochen

Leider ist das nicht ganz so einfach, wie Sie das hier darstellen. Auch Beamte in der PKV haben ihre Eigenanteile und Selbstbehälter zu tragen, müssen bei Medikamenten einen kleinen Teil selbst zahlen und alle Leistungen wie z.B. Einzelzimmer und Chefarztbehandlung sind Wahlleistungen, die mit einer Pauschale pro Tag auch selbst gezahlt werden müssen.
Aber nichtsdestotrotz haben Sie natürlich Recht, man hat mehr Vorteile, wird vom Arzt oftmals bevorzugt, gerade was Termine betrifft, und die 70% Beihilfe für Pensionäre sprechen auch für sich.
Natürlich ist es ein enormer Aufwand, ständig Rechnungen hin und her zu schicken, um sein Geld zu bekommen und sicherlich auch nicht immer einfach, dieses vorher erst einmal selbst zu begleichen, aber ich glaube, das System PKV und Beihilfe funktioniert sehr gut. Dennoch befürworte ich den Entwurf, da ich es unmöglich finde, dass man aufgrund einer einzigen Entscheidung derart benachteiligt wird, sodass man in der GKV 100% selbst zahlen muss.