NS-Zeit = DDR-Sozialismus? CDU verteidigt umstrittene Fotocollage

Die CDU Sachsen hatte auf ihrer Facebookseite das zerstörte Dresden 1945 und Görlitz 1990 gezeigt und geschrieben: "Sozialismus hat nur für Leid gesorgt. Egal ob national oder real existierend." Linke und Grüne sind empört und sprechen von Verharmlosung des Holocausts. Auch ein Politologe spricht von Demagogie.

Sachsens CDU-Generalsekretär Alexander Dierks hat Kritik an der Fotocollage zu Nationalsozialismus und Sozialismus zurückgewiesen. Dierks sagte MDR AKTUELL, der Vorwurf, dass die CDU die Einzigartigkeit der Verbrechen des Nationalsozialismus geleugnet habe, sei völliger Blödsinn. Man habe deutlich machen wollen, dass jede Form von totalitärem Regime in Deutschland sehr negative Konsequenzen hatte. Immer habe danach die Wirtschaft am Boden gelegen und sei die Gesellschaft gespalten gewesen.

Bereits am Sonntag hatte Ministerpräsident und CDU-Landeschef Michael Kretschmer die Montage verteidigt: "Die beiden Bilder zeigen, wohin sozialistische Experimente geführt haben. Wir haben kein Interesse an Wiederholung."

Empörung bei Linken und Grünen

Sachsens Linke wies den Vergleich von sich. "Unsere Vorstellung vom demokratischen Sozialismus unterscheidet sich sowohl vom ungezügelten Kapitalismus wie vom bürokratischen Staatssozialismus", sagte Spitzenkandidat Rico Gebhardt.

"Der Vergleich ist auf vielen Ebenen reichlich daneben. Nationalsozialismus und die DDR auf eine Ebene nebeneinander zu stellen, ist eine mustergültige Verharmlosung des Faschismus und der Naziverbrechen inklusive des Holocaust", erklärte Parteichefin Antje Feiks am Sonntag in Dresden.

"Dies damit zu begründen, dass im Begriff Nationalsozialismus das Wort Sozialismus auftaucht, macht einen sprachlos. Wer so etwas sagt, denkt vermutlich auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten", erklärte Feiks.

Kasek: Verharmlosung des Nationalsozialismus

Auch der Leipziger Grünen-Politiker Jürgen Kasek zeigte sich empört. In einer Diskussion mit CDU-Mann Sebastian Fischer hatte dieser Kaseks Widerspruch als den Anfang einer "Meinungsdiktatur" bezeichnet. Fischer schrieb "Wer aufhört, andere Meinungen zu diskutieren, der hört auch auf, andere Meinungen zuzulassen." Kasek warf ihm daraufhin vor, den Holocaust als Meinungssache zu verharmlosen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Juli 2019 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2019, 22:37 Uhr

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110 Kommentare

24.07.2019 15:29 Bürger der früheren DDR 110

@108 Der Matthias: Wenn man schon mit Symbolen, Gleichnissen und Vergleichen Propaganda macht, sollten die dann auch irgendwie passen. Das ist hier aber eindeutig nicht der Fall. Hier passt gar nichts.

24.07.2019 15:26 Gast 109

#6
Danke für Ihren differenzierten Beitrag.

24.07.2019 14:21 Der Matthias 108

@ Bürger der früheren DDR Nr. 106
Um die Folgen von Krieg und Zerstörung zu illustrieren (und die NS-Ideologie war nun einmal die eigentliche Ursache für diese Zerstörungen) spielt es eigentlich gar keine Rolle mehr, wer DD 1945 letztlich zerstört hat. Die Ursachen dafür sind entscheidend und diese sind allgemein bekannt! Die 'Zerstörung' DD hatte ohnehin schon viel früher als 1945 begonnen . . . nämlich spätestens mit der Machtübernahme der NS-Diktatur, als diese zerstörerische Ideologie auch in Sachsen und DD zur allgemeinen Staatsräson erhoben wurde. Wenn immer wieder auffallend betont wird, dass DD ja gar nicht von den Nazis, sondern von den 'bösen' Alliierten zerstört wurde, könnte man freilich auch wieder die Frage aufwerfen, ob das nicht auch eine Art von Relativierung ist? Ohne Ihnen freilich jetzt eine solche unterstellen zu wollen. Aber manchmal hat man schon den Eindruck, als ob eine Form der Geschichtsklitterung durch eine andere ersetzt würde.

24.07.2019 09:03 Bürger der früheren DDR 107

notwendig sind.

24.07.2019 09:00 Bürger der früheren DDR 106

Das Ganze ist schon deswegen schief, weil nach meinem Kenntnisstand Dresden nicht von der deutschen Luftwaffe bombardiert wurde. Wenn man diese Aussage so treffen will, wären Bilder von London,Coventry, Liverpool, Belfast, Rotterdam oder Warschau zu zeigen.Oder Freiburg im Breisgau (10.05.1940).Die CDU Sachsen überlässt ihre Öffentlichkeitsarbeit Leuten, die nicht einmal die Geschichtsgrundkenntnisse haben, die für einen Hauptschulabschluss notwendig.

23.07.2019 18:44 Omsewitzerin 105

Forts.von 18.36
Ich kenne Berichte von Leuten, die politische Gefangene waren, deren Familien zerstört wurden, oder auch Kinder, die in Torgau gesessen und gelitten haben. Niemals kann man als Außenstehender diese beiden Systeme so miteinander vergleichen, wie die CDU Sachsen das getan hat. Das zeugt von Unwissenheit und ich befürchte mal, dass sich die CDU Sachsen damit einen Bärendienst erwiesen hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Wähler gibt, die Abstand davon nehmen die CDU zu wählen zu wollen. Im Übrigen finde ich den Vergleich populistisch.

23.07.2019 18:37 Omsewitzerin 104

Was sich die CDU Sachsen dabei gedacht hat, die beiden politischen Systeme so zu vergleichen, in diesem Kontext, dass weiß es allein nur die CDU Sachsen. Ich bin der Meinung, dass vor Veröffentlichung dieses Statements es angeraten gewesen wäre, gründlich zu überlegen. Und sollte es am Geschichtswissen mangeln, dann hätte ich mir einen Berater genommen. Aber nun ist es nun mal verkündet und kann nicht so ohne weiteres zurück genommen werden. Unendliches Leid über zig Millionen Menschen hat die Nazi- Diktatur verursacht. Ein verwüstetes Deutschland/ Europa...Millionen Tote...6 Millionen Juden wurden umgebracht...Die DDR war eine stalinistische Diktatur, die als Folge des barbarischen Krieges, sowjetische Besatzungszone und daraus später DDR entstand. Auch in der DDR gab es Menschen, die gelitten haben. Aber viele Menschen haben auch ein glückliches Leben gehabt. Wir waren eingesperrt, konnten wenig kaufen und wurden bevormundet. Wir waren unfrei.18.36 Forts.

23.07.2019 13:59 D.F. Erl. 103

Diese hirnlose Aktion der CDU wird wie die "Rote Socken"
voll nach hinten los gehen und noch mehr ehemalige DDR Bürger verprellen.
Hoffentlich profitieren nicht AFD und andere Extreme davon.

23.07.2019 12:17 Bernd1951 102

Mein Hinweis an alle die sich auf das Wort "Leid" in der Überschrift beziehen:
Dort heißt es:
"Sozialismus hat NUR für Leid gesorgt"
Allein schon dieser Satz ohne die Bilder und Vergleiche, die dann im Kopf des Betrachters entstehen, zeigt wie tief die CDU Sachsen gesunken ist. Ich konnte mir bisher nicht vorstellen, dass eine Partei im Wahlkampf solche Losungen verwendet.
Ironie an:
"Warum verwendet die CDU in Sachsen dieses Plakat nicht offensiver im Wahlkampf ?"
Die Wahlergebnisse zur LTW für die CDU werden den Erfolg dieser Losung zeigen.
Ironie aus
Gute Nacht CDU in Sachsen

23.07.2019 11:27 Markus V. 101

Was dem einen sein "Vogelschiss" und sein "Denkmal der Schande" ist, ist dem anderen sein "National-Sozialismus"-Vergleich. Inakzeptabel ist allerdings sowohl das eine als auch das andere!