Gitarren-Legende Walter Trout spielt in der Torgauer Kulturbastion
Die Kulturbastion schafft es regelmäßig, hochkarätige Künstler nach Torgau zu holen. Auch Gitarren-Legende Walter Trout spielte schon im Ort. Bildrechte: Dr. Sebastian Hesse-Kastein

Sachsen Was tut die Politik für Kultur auf dem Land?

Kulturelle Angebote sind wichtig, damit ländliche Regionen attraktiv bleiben. Trotzdem gibt es in vielen Regionen Kinos und Konzerthäuser nur, weil engagierte Bürger selbst aktiv sind. Was aber tut die sächsische Politik für die Kultur auf dem Land?

Gitarren-Legende Walter Trout spielt in der Torgauer Kulturbastion
Die Kulturbastion schafft es regelmäßig, hochkarätige Künstler nach Torgau zu holen. Auch Gitarren-Legende Walter Trout spielte schon im Ort. Bildrechte: Dr. Sebastian Hesse-Kastein

In ländlichen Regionen fehlt oft ein kulturelles Angebot. Das ist ein großes Problem. Ohne Kinos, Kultureinrichtungen oder Jugendzentren wandern junge Menschen ab in die Städte. Dass es auch anders geht, zeigt Torgau:

  • In der Kulturbastion sind schon BAP, Axel Prahl, Manfred Mann oder Olaf Schubert aufgetreten.
  • Im Jugendzentrum arbeitet ein Pädagoge mit einer Theatergruppe.
  • Das Kino ist vor allem in der Weihnachtszeit gut besucht.

Einziger Wermutstropfen in Torgau: Für die Konzerte kommen viele Besucher oft von außerhalb, während die Einwohner zu Hause bleiben.


Für Politiker ist Kultur Standortfaktor

Wie kriegen wir es hin, dass sich wieder mehr Ärzte, Lehrer, Unternehmer, Ingenieure und auch Facharbeiter im ländlichen Raum ansiedeln? Auf dieser Frage kaut die sächsische Landespolitik unermüdlich herum. Kulturministerin Eva-Maria Stange wirbt für den eigenen Instrumentenkasten und empfiehlt, ein attraktives Kulturangebot zu machen:

Wir sind uns mit allen Landräten einig, dass Kultur ein ganz wichtiger, harter Standortfaktor ist. Je schwieriger es eine Region hat, weil vielleicht die Wirtschaftskraft noch nicht so stark ist und junge Menschen weggezogen sind, umso wichtiger ist ein Kulturangebot. Es muss den Ansprüchen von jungen Menschen und Familien genügen.

Eva-Maria Stange, Kultusministerin

Kulturangebot definiert die Ministerin durchaus weit: Auch Designer, Modeschöpfer, Landschaftsarchitekten und andere Kreative könnten das Lebensgefühl auf dem Lande prägen. Im Freistaat hat es sich "Kreatives Sachsen", das Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, zur Aufgabe gemacht, solche Ansiedlungen zu fördern und das bestehende Angebot zu vernetzen. Leiter Christian Rost: "Die Chance besteht hier in der Tat, über das künstlerisch-kreative Denken hin auch zu einer Wertschöpfung zu kommen. Kultur ist für Rückkehrer und Zuziehende extrem wichtig."

Der Freistaat Sachsen betreibt entsprechend eine bundesweit einmalige Kulturförderung. Im aktuellen Doppelhaushalt steht die Summe von knapp 95 Millionen Euro für die sogenannte Kulturraumförderung.

Förderung ermöglicht regionale Schwerpunkte

Je zwei Landkreise haben sich im Freistaat zu sogenannten Kulturräumen zusammengeschlossen. Jeden Euro, der vor Ort in Kultur investiert wird, stockt das Land mit zwei Euro auf. Zwei Drittel der Kulturinitiativen würden also vom Land finanziert, sagt Kulturministerin Stange. "Das kann bundesweit nachgeahmt werden. Es ermöglicht, vor Ort Schwerpunkte zu setzen. Es gibt Kulturräume, für die sind die Tierparks sehr wichtig. In anderen ist die Kirchenmusik enorm wichtig. So können die Regionen selber entscheiden, wofür sie diese Gelder einsetzen."

Doch was nützt das attraktivste Kulturangebot, wenn es für Interessierte nicht erreichbar ist? Gerade im ländlichen Raum sind fast alle Probleme miteinander verzahnt. Stange hat daher die Kulturförderung mit einer Mobilitätsförderung verknüpft: "Künftig sollen wieder mehr Busse fahren. Außerdem haben wir einen Wettbewerb gestartet. Wir haben Geld in die Hand genommen und die Kulturräume aufgefordert, Modellprojekte auf den Weg zu bringen, die Mobilität befördern."

Schulbusse sollen etwa Kinder und Jugendliche zu Kultureinrichtungen chauffieren. Oder umgekehrt: Wenn der Prophet nicht zum Berge will oder kann, dann werden Künstler oder Kultureinrichtungen eben in die Schulen auf dem Lande eingeladen. Am Geld scheitert das in Sachsen nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 12. Juni 2018 | 06:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2018, 05:00 Uhr

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