Oleg Shevchenko von den Thüringer Jusos
Oleg Shevchenko möchte mit einer jungen SPD-Liste bei der Landtagswahl ein Zeichen setzen. Bildrechte: MDR/Ulli Sondermann-Becker

Landtagswahl im Oktober Thüringer Juso-Chef fordert mehr junge Menschen auf SPD-Liste

Die Thüringer SPD trifft sich am Samstag in Gera, um ihre Kandidaten-Liste für die Landtagswahl zu beschließen. Wer nach den Wahlen Ende Oktober noch für die SPD im Landtag sitzen möchte, sollte sich nach aktuellen Umfragewerten auf den vorderen zehn Plätzen wiederfinden. Juso-Chef Shevchenko ist unzufrieden mit der Liste. Er fordert, durch mehr Jugend ein Zeichen zu setzen.

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Oleg Shevchenko von den Thüringer Jusos
Oleg Shevchenko möchte mit einer jungen SPD-Liste bei der Landtagswahl ein Zeichen setzen. Bildrechte: MDR/Ulli Sondermann-Becker

Oleg Shevchenko steht auf Listenplatz 13. Das ist nicht schlecht, aber auch keine Garantie, in den Landtag einzuziehen. Das findet der Juso-Chef schade. Für ihn gilt: "Jugend voran." Schließlich zeigten die Demonstrationen für den Klimaschutz und ein besseres digitales Leben, dass junge Menschen sich politisch engagieren wollten.

Dunkelhaariger Mann mit Brille, Vollbart, schwarzem Rollkragen Pollover und blauer Jeansjacke steht vor einer dunkelroten Ziegelsteinwand.
Oleg Shevchenko Bildrechte: Lisa Tasch

Junge Menschen hatten lange das Gefühl, dass sie von der Politik vergessen wurden. Ich finde, es wäre das richtige Signal zu sagen: Junge Menschen müssen bei uns vorne auf der Liste stehen.

Oleg Shevchenko Juso-Chef Thüringen

Shevchenko will linken Flügel der SPD vertreten

Shevchenko hätte die Möglichkeit einer Kampfkandidatur. Das heißt, er tritt gegen jemanden an, der einen Listen-Platz weiter vorn hat. Das schließt der Juso-Chef aber aus. Der inhaltliche Anspruch sei ihm wichtiger als seinen Namen auf der Liste wiederzufinden.

"Es geht mir darum, in den nächsten fünf Jahren auch eine linke, sozialdemokratische Politik zu machen." Dazu brauche es einen starken linken Flügel auf der Liste. Und der sei aktuell gut vertreten, meint Shevchenko. Vielleicht findet er sich trotzdem in einer Kampfkandidatur wieder. Und zwar um seinen Platz 13. Denn ganz aussichtslos ist der natürlich nicht.

Tiefensee: Junge Leute gut vertreten

Wolfgang Tiefensee ist sogar davon überzeugt, dass Shevchenko nach der Wahl im Landtag sitzen wird. Dass auf den ersten zehn Plätzen zu wenig junge Leute sitzen, findet der Parteivorsitzende und Spitzenkandidat der Thüringer SPD aber nicht. Dabei ist "jung" natürlich relativ: Der 23-Jährige Shevchenko spricht von unter 30-Jährigen. Für den 64-Jährige Tiefensee ist jeder unter 40 jung.

Geschlecht, Herkunftsregion und Inhalt spielen größere Rolle

Bei der Listenaufstellung gehe es natürlich auch, aber nicht allein ums Alter, erklärt Tiefensee. Ihm sei es vor allem wichtig, dass sich Mann und Frau im Wechsel auf der Liste befinden. Außerdem sollten alle Regionen Thüringens berücksichtigt werden. Auch die verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkte spielten eine Rolle. Zum ersten Mal finden sich auf der Liste der SPD auch zwei parteilose Kandidaten. Noch hinter Shevchenko auf Platz 15 und 16.

Tiefensee: "Nicht jeder wird zufrieden sein."

Wolfgang Tiefensee
Wolfgang Tiefensee - aktuell Thüringens Wirtschaftsminister. Bildrechte: dpa

Natürlich ist nicht jeder mit seinem Listenplatz zufrieden, weiß auch Tiefensee und vergleicht es mit dem Bild vom Ostfriesen-Bus: "Da möchten alle vorn sitzen, also wird im Bus vorn eine Bank mit fünf Sitzen eingebaut." So ähnlich ist es bei der Liste. Auf den oberen Plätzen könne Tiefensee gut und gerne fünf Freiwillige platzieren. Das sei aber natürlich nicht möglich. "Und so muss dieser oder jener damit leben, dass er nicht so weit vorne ist."

Regierungsbeteiligung würde Tür für Nachrücker öffnen

Sollte die SPD in der nächsten Legislaturperiode wieder an der Regierung beteiligt sein, können auch noch ein paar Kandidaten nachrücken: Die SPD möchte, anders als bisher, Mandat und Amt voneinander trennen. Wer also Minister wird, macht den Platz im Landtag frei für einen Nachrücker.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 05:00 Uhr

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13 Kommentare

16.06.2019 21:59 Hubert 13

@11 Morchelchen 15.06.2019 23:23

"Und wenn die jetzt noch viele junge Menschen auf die SPD-Listen setzen, dann geht die SPD als erste dort unter 10 Prozent bei der nächsten Wahl..." - Macht nichts. Die Grünen gleichen den Stimmenverlust der SPD allemal wieder aus...

16.06.2019 12:23 ach so 12

warum sollten Handwerker, Arbeiter und Angestellte diese Studententruppe wählen?

15.06.2019 23:23 Morchelchen 11

Hinsichtlich Thüringen wundert mich ja hinsichtlich der politischen Ansichten kaum was. Und wenn die jetzt noch viele junge Menschen auf die SPD-Listen setzen, dann geht die SPD als erste dort unter 10 Prozent bei der nächsten Wahl...

15.06.2019 14:55 aus Dresden 10

Ist das Ganze ein Theaterstück unter dem Werktitel "Fachkräftemangel"?

Und statt Identitätenpolitik ("jung", "Frau/Mann") wäre mir persönlich eine Quailtätspolitik lieber. Aber die bekomme ich ja auch, nur halt nicht bei den Altparteien...

15.06.2019 11:22 Skywalker 9

Die Genossen begreifen es wahrscheinlich erst, wenn sie an der 5% Hürde gescheitert sind. Köpfe sind das eine -da sind schon mal keine qualifizierten Kandidaten zu erkennen - Inhalte das andere. Von der SPD hört man rein gar nichts zum Thema Migration. Genau dieses Thema hat aber bei den kommenden LTWs höchste Priorität. Ein Blick nach Dänemark wäre ebenfalls sehr hilfreich, aber die Genossen raffens einfach nicht..

15.06.2019 11:12 Sachse 8

Kann man solche Aussagen jetzt als Altersdiskriminierung werten?

15.06.2019 10:58 Tim 7

Langsam wird es richtig gruselig. Die Berichterstattung über die Blockparteien erinnert an die späte DDR.

15.06.2019 10:14 kleinerfrontkaempfer 6

Die SPD wird zu einer Politik für die Mehrheit der Menschen (Unterschicht) zurückkehren (müssen).
Ob sie sich dabei verjüngt und digitalisiert ist Nebensache und dem Zeitgeist geschuldet.
Jemand der keine Bleibe, nicht anständig Essen und Kleidung hat, dem sind diese Dinge und nicht Jugendkult und Digitalisierung wichtig. Nach grundlegenden Dingen sind die Menschen bereit sich auch mit Anderem zu beschäftigen, werte Genossen der SPD. Räumt Euren Murks der vergangenen Jahrzehnte beiseite, dann habt Ihr vielleicht eine Chance!

15.06.2019 09:47 Cornelia Klisch / SPD, nein Danke . . . 5

im Herbst geht es bei den Landtagswahlen für unsere Sozialdemokraten, die sich nicht mehr so demokratisch zeigen und von dem Sozialen ganz zu schweigen, wohl ein wenig Abwerts. Da hilft auch kein gejammer. Höchstens der Katzenjammer . . . . .

15.06.2019 09:41 winfried 4

Herrn Shevchenkos Lebenslauf liest sich für mich wie ...
... (anfangs) Kreißsaal --> (aktuell) Hörsaal --> (später evtl.) Plenarsaal.
Er passt also in die Reihe der "nachwachsenden" Politikergeneration.