#36C3 Batterien-Aufarbeitung Zukunft der Lausitz

Deutschland muss seine Klimabilanz verbessern – und das verändert ganze Regionen. Ein Beispiel: Die Lausitz in Brandenburg und Sachsen, die mit dem Aus für die Braunkohle vor großen Umbrüchen auch auf dem Arbeitsmarkt steht. Eine Perspektive könnte im Recycling liegen, eine Idee, die auf dem Kongress des Chaos Computer Club #36C3 in Leipzig diskutiert wurde.

Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde
Die Infrastruktur für das Batterie-Recycling in der Lausitz stimmt der Studie zufolge. Bildrechte: dpa

Energie können sie in der Lausitz. Viele Bewohnerinnen und Bewohner hier erinnern sich noch an Zeiten, als über 90 Prozent des Stroms aus der Braunkohle kamen. Aber diese Zeiten sind lange vorbei. Die Zukunft der Lausitz liegt in einer 180-Grad-Wende, sagt Katrin Nicke: In Erneuerbaren Energien, und genauer, im Batterie-Recycling. Katrin Nicke ist Politikwissenschaftlerin und forscht am IMU-Institut Berlin mit einem Schwerpunkt zur Zukunft der Arbeit.

1. Pluspunkt: Energie-Infrastuktur der Lausitz

Ihre neue Studie erklärt ausführlich, warum gerade die Lausitz so gut geeignet sei, um mit Batterien und ihren wertvollen Rohstoffen industriell zu arbeiten: "Natürlich die Flächen. Also die Tagebaue und Kraftwerke, die ab 22 stillgelegt werden, bieten ein sehr hohes Nachnutzungspotenzial. Außerdem ist die gesamte Region natürlich auf eine Energie-Infrastruktur ausgelegt, die man auch nutzen kann, wenn man mit erneuerbaren Energien industrielle Prozesse betreibt."

2. Pluspunkt: gut aufgestellte Metall- und Elektrobranche

Das heißt, die Stromnetze sind sehr gut ausgebaut – die Lausitz ist seit Jahrzehnten in der Lage, mit großen Energie-Mengen umzugehen. Noch wichtiger ist Katrin Nicke aber ein anderer Punkt: Die Menschen in der Lausitz. "Wir sind sehr optimistisch, dass die Qualifikationen, die die Lausitzerinnen und Lausitzer mitbringen – gerade in der Metall- und Elektrobranche – so eine Zukunft durchaus möglich machen."

Dafür sprechen die Zahlen: Jede zehnte Arbeitnehmerin, jeder zehnte Arbeitnehmer in der Lausitz arbeite heute schon im Metall- und Elektrobereich, sagt Nicke. In der Braunkohle sei es weniger als die Hälfte. Zusammen mit den angeschlossenen Industrien: Gerade mal vier Prozent. Nicke glaubt deshalb, hier würden zwar Arbeitsplätze wegfallen, aber das lasse sich auffangen – wenn bei der Umsetzung die Menschen im Mittelpunkt stünden. Darauf legt die Studie einen Schwerpunkt. "Wir dürfen Menschen nicht abhängen. Wir müssen diese Transformation also sozial gerecht gestalten, ökologisch nachhaltig gestalten."

Nicke: Menschen mitnehmen

Und: Die Lausitzerinnen und Lausitzer müssen mitreden dürfen, mit planen, eigene Ideen einbringen. Da wolle doch eh' niemand mitmachen, sei kein Argument. "Man kann nicht sagen, die Leute haben keine Lust drauf, weil sie nicht zur Wahl gegangen sind – wenn noch kein Prozess angeboten wurde, wo die Bürgerinnen den Eindruck hatten, ich kann teilnehmen, ich werde hier gehört und speise Ideen ein, die im Prozess auch berücksichtigt werden."

Gleichzeitig dürften die Voraussetzungen für diesen Wandel immer besser werden, allein schon wegen immer mehr Elektro-Autos auf den Straßen. Ohne aufwendige Verwertung von alten Batterien funktioniert das nicht. Fazit von Katrin Nicke: Verkehr, Internetversorgung, daran hapere es zwar noch in der Lausitz; aber die Fachkräfte und die Energie-Infrastruktur seien bereit für eine Wirtschaft ohne Braunkohle.

#36C3 - Hacker zufrieden mit Leipzig Der 36. Chaos Communication Congress ist am Montagabend in Leipzig zu Ende gegangen. In diesem Jahr zählte das Treffen 17.000 Besucher. 2.000 Freiwillige und Unterstützer sorgten für einen weitgehend reibunslosen Ablauf. Der Chaos Computer Club als Veranstalter zeigte sich sehr zufrieden. Mit der Messe und der Stadt habe es eine tolle Zusammenarbeit gegeben. Ob der Chaos Communication Congress im nächsten Jahr zum vierten Mal in Leipzig stattfinden wird, steht noch nicht fest.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Dezember 2019 | 05:24 Uhr