Dunkle Wolken sind 2015 über einem Wohnhaus bei Ottendorf zu sehen.
Dunkle Wolken über den ländlichen Regionen in Sachsen? Bildrechte: dpa

"Ende Gelände? Landleben in Sachsen" Bevölkerung auf dem Land schrumpft weiter

Die Mehrheit der Sachsen lebt im ländlichen Raum. Seit Jahren ist für sie der Strukturwandel Alltag. Weite Wege zur Schule, zum Supermarkt und zum Arzt, fehlende Arbeitsplätze und ein ausgedünnter Nahverkehr. Trotzdem gehört die massenhafte Abwanderung der Vergangenheit an. Viele Landkreise verzeichnen wieder Zuzüge und es werden auch hier wieder mehr Kinder geboren. Trotzdem schrumpft die Einwohnerzahl. Grund ist die Überalterung.

Dunkle Wolken sind 2015 über einem Wohnhaus bei Ottendorf zu sehen.
Dunkle Wolken über den ländlichen Regionen in Sachsen? Bildrechte: dpa

Sachsens ländliche Regionen werden weiter an Einwohnern verlieren. Nach Informationen von MDR AKTUELL geht das aus Vorausberechnungen des Statistischen Landesamtes hervor. Demnach werden auf dem Land in den kommenden zehn Jahren 174.000 weniger Menschen leben als heute. Das entspricht der aktuellen Einwohnerzahl von Zwickau und Plauen zusammen.

Auch das Durchschnittsalter der Bevölkerung auf dem Land steigt. Am stärksten trifft das den Landkreis Görlitz. Bis zum Jahr 2027 wird jeder dritte Einwohner über 65 Jahre alt sein. Görlitz gehört zudem mit dem Erzgebirgskreis zu den beiden Landkreisen, die mit sinkenden Geburtenzahlen zu kämpfen haben.

Positiv-Entwicklung bei der Abwanderung

Eine positive Entwicklung gibt es dagegen bei der Abwanderung. Sie konnte in Sachsen auch auf dem Land gestoppt werden. So gab es im Jahr 2016 in fast allen Landkreisen mehr Zu- als Fortzüge. Allerdings gibt es regionale Unterschiede: Die Landkreise Erzgebirge, Meißen, Mittelsachsenund Sächsische Schweiz/Osterzgebirge verlassen immer noch mehr Menschen als neue gewonnen werden. Noch 2006 hatten alle Landkreise in Sachsen mit Abwanderungen zu kämpfen.

Reporter zwei Wochen unterwegs

Die Politik hat den ländlichen Raum wieder entdeckt. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer reist mit seinem "Bürgerdialog" von Kommune zu Kommune. Er will den ländlichen Raum genauso fördern wie die Metropolen. Doch was kommt von der versprochenen Hilfe bei den Menschen an? Wie lebt es sich im ländlichen Raum und fühlen sich die Menschen tatsächlich abgehängt?

MDR AKTUELL wird zwei Wochen lang im ländlichen Raum unterwegs sein und auf die Fragen der Menschen die Antworten der Politiker einfordern. Zuständig für die regionale Entwicklung in Sachsen ist der Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt. Mit ihm ist MDR AKTUELL am 23. Juni im Gespräch. Sie können uns ihre Fragen an den Minister per Mail schicken.

Was ist der "ländliche Raum"? Der Begriff "ländlicher Raum" wird im Alltagsgebrauch mit kleinen Gemeinden und Dörfern assoziiert. Im politischen und administrativen Kontext sind damit aber auch Mittel- und Kleinstädte gemeint.

In Sachsen fällt unter den Begriff "ländlicher Raum" demnach alles außerhalb der kreisfreien Städte Leipzig, Dresden, Chemnitz. In Sachsen gibt es zehn Landkreise. Von den vier Millionen Sachsen leben 2.717.170 Menschen im ländlichen Raum. Das sind 67 Prozent aller Sachsen.

Das heißt: Auf dem Land leben deutlich mehr Menschen als in der Stadt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2018, 12:55 Uhr