Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Die Bewerbungen für die Lehrerstellen werden laut Bildungsministerium gerade geprüft. Zusagen wurden noch nicht erteilt. Bildrechte: imago/photothek

Sachsen-Anhalt Viele Bewerber für Lehrerstellen

In Sachsen-Anhalt werden dringend Lehrer gebraucht. Deswegen stellt das Land im großen Stil ein. Jetzt liegen die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde dieses Jahres vor. Bildungsminister Marco Tullner von der CDU hatte 900 Stellen ausgeschrieben. Konnte er jede besetzen?

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Schüler während einer Unterrichtsstunde.
Die Bewerbungen für die Lehrerstellen werden laut Bildungsministerium gerade geprüft. Zusagen wurden noch nicht erteilt. Bildrechte: imago/photothek

Neun Stellen bleiben auf jeden Fall frei. Für neun der knapp 900 augeschriebenen Stellen gibt es nicht einen Interessenten. Auf die restlichen sind rund 10.000 Bewerbungen von über 1.000 Bewerbern beim Bildungsministerium eingegangen. Damit seien die Erwartungen an die Ausschreibungsrunde erfüllt, lässt Bildungsminister Marco Tullner erklären.

Er hat einiges versucht, um so viele junge Lehrer nach Sachsen-Anhalt zu holen, wie es geht. Zu seinen Maßnahmen gehörten unter anderem Zulagen für besonders schwer vermittelbare Stellen und eine Werbekampagne. In dem Video sind junge Lehrer aus Sachsen-Anhalt beim Unterrichten zu sehen. Sie lächeln in die Kamera und schreiben an die Tafel. Diese Lehrer konnte Minister Tullner bereits gewinnen.

Kampf gegen Windmühlen

Trotzdem sind die Probleme groß. Aktuell reicht das Personal nicht, um alle Unterrichtstunden regulär zu geben. Die sogenannte Unterrichtsabdeckung lag zu Beginn des Schuljahres unter 100 Prozent, obwohl Bildungsminister Marco Tullner im vergangenen Jahr mehr als 1.000 Lehrkräfte verpflichtet hat.

Es ist allerdings ein bisschen wie der Kampf gegen Windmühlen. Denn 800 Lehrer sind in den Ruhestand gegangen. Da waren es nur noch 250 zusätzliche Lehrkräfte. Berücksichtigt werden müssen auch Ausfälle wegen Mutterschutz, Elternzeit oder Krankheit.

Viele Bewerbungen von Seiteneinsteigern

Knapp die Hälfte der Bewerber der aktuellen Ausschreibungsrunde sind Seiteneinsteiger. Dieser hohe Anteil sei aus Ländern wie Berlin und Sachsen bekannt, sagt Eva Gerth, Vorsitzende der GEW in Sachsen-Anhalt. Angesichts dieser Zahlen müsse das Ministerium aber noch einige Hausaufgaben machen, sagt Gerth: "Im Moment kriegen sie eine Art Schnellbesohlung, einen vierwöchigen Kurs, bevor sie in die Schulen gehen oder sogar schon während sie in den Schulen sind. Hier muss mehr passieren. Seiteneisteigerinnen und Seiteneinsteiger brauchen eine vernünftige Perspektive in Sachsen-Anhalt, also auch Fortbildungsangebote und genügend Zeit für Fortbildung." 

Wie hoch der Seiteneinsteiger-Anteil unter den neu verpflichteten Lehrern am Ende sein wird, muss abgewartet werden. Aktuell werden die Bewerbungen geprüft. Zusagen sind noch nicht erteilt.

700 neue Lehrer pro Jahr notwendig

Aus der Opposition kommt Kritik am Bewerbungsverfahren. Das sei viel zu starr, sagt die Chefin des Bildungsausschusses im Landtag, Monika Hohmann, von den Linken: "Jetzt wäre unsere Idee, dass man eine Dauerausschreibung macht. Dass man den Bewerber im System lässt und so wie sich da was anbietet, ich dann als Schulamt auf diesen Bewerber zugehe: Hör zu, wir haben jetzt eine Stelle für dich. Möchtest du die Stelle?"

Klar ist, wer in dieser Ausschreibungsrunde keinen Platz bekommt, kann sich im Frühsommer wieder bewerben. Laut Bildungsministerium gibt es im Herbst dann mindestens noch eine weitere Ausschreibungsrunde. Nach Meinung von Experten muss Sachsen-Anhalt mindesten 700 Lehrer pro Jahr einstellen, um den Lehrermangel zu mildern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 14. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. März 2019, 05:00 Uhr

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9 Kommentare

15.03.2019 18:24 J, 9

"Auf die restlichen sind rund 10.000 Bewerbungen von über 1.000 Bewerbern beim Bildungsministerium eingegangen."
Interessant. Hat sich also jeder Zehnmal beworben.
Gehaltsstufe A 13 bzw. E 13 und Beamter, da kann man das schon mal machen.

15.03.2019 18:21 Uta 8

Kein Wunder, werden sie doch verbeamtet und bekommen mehr Geld als Polizisten im mittleren Dienst.

15.03.2019 17:48 Gerd Müller 7

> Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße es Wulst. < Zitat vom Nietzsche
wir Glücklichen haben im Mitteldeutschland Kunsthochschule Burg Giebichenstein und Optimisten glauben natürlich was objektive Medien berichten
da hörten wir auch das Grundgesetz geändert wurde und nun Geldsegen bzw. Geldregen Bund unsere Schulen modernisieren wird

15.03.2019 08:33 Michaela Kießwetter-Ranetbauer 6

Die Kunst - Lehrerin meines Sohnes(Gymnasium),die auch keine war,(aber immerhin gab es Kunst aber keine Wasserfarben,denn i.d.winzigen Containern, in dem die Fünftklässler f.die ersten 2-3 Jahre untergebracht sind,gibt es kein Wasser) ist also nun in Rente.Das wusste man ja nun schon lange und auf einmal,Huch! fällt der Unterricht eben weg.Wenn man sich dazu äußert,wird man angepöbelt als Eltern und darauf verwiesen, daß es eben für die Kinder kein Geld gibt.Wahnsinn.Kein Wunder das aus diesem Bundesland so viele wegziehen,ich bin wirklich einer,der eher bleibt und versucht was zu verbessern,aber das alles ist so entmutigend.Und das so plötzlich so viele Lehrer auftauchen,also ich glaub das erstmal nicht.Warum so plötzlich,man weiss schon lange, wann wer in Rente geht,warum keine Fachkräfte?Das Schulsystrm ist absolut überaltert, Frontalunterricht,wo man die Kinder nur zu Arbeitstieren und Konsumenten heranzieht.Jeden Tag m.Angst und Frust an einen Ort gehen,der sie nur konditioniert.

14.03.2019 18:02 Gerd Müller 5

wow - geht doch ^^ waren es die "Brandbriefe" oder sind zu viele Stunden ausgefallen - wichtig ist das wir unseren Nachwuchs bestmöglich fördern und ausbilden
sehr gut das Volksvertreter was fürs Volk machen und dies auch dort ankommt und Volk nicht populistischen Demagogen glauben und nachplappern

14.03.2019 12:58 Ureinwohner 4

Jetzt liegen die Ergebnisse der ersten Ausschreibungsrunde dieses Jahres vor. Bildungsminister Marco Tullner von der CDU hatte 900 Stellen ausgeschrieben. Woher dieser plötzliche Elan?

14.03.2019 11:59 Leser 3

Nach dem 2. Weltkrieg nannte man die Quereinsteiger übrigens Neulehrer. Also gab es das schon mal. Aber das war eine andere Zeit. Woher kommen auf einmal 1000 Bewerber? Gibt's da eine Übersicht? Wäre mal interessant, MDR.

14.03.2019 10:18 Baldur von Ascanien 2

"Warum stellt man nicht erst mal die Fachkräfte ein, bevor man auf Pseudolehrer zurück greift? Kopfschüttel...."

Weil es ungemein Kosten spart, Profitorientiert...

14.03.2019 09:00 Ossi 1

Mir ist es ein echtes Rätsel, wieso man Seiteneinsteiger benötigt, wo es doch immer noch tausende hochausgebildete LehrerInnen ohne Anstellung gibt?
Warum stellt man nicht erst mal die Fachkräfte ein, bevor man auf Pseudolehrer zurück greift? Kopfschüttel....