Frank Friebel unterrichtet im Weimarer Land
Viele Bewerber um eine freie Lehrerstelle in Sachsen sind im Ungewissen, wie es weiter geht. Bildrechte: MDR/Susan Minard

Bewerber in der Warteschleife Sachsen lässt Lehrer zappeln

In dieser Woche haben in Sachsen die Ferien begonnen. An den nächsten Schuljahresbeginn mögen die Schülerinnen und Schüler jetzt nicht denken – wohl aber diejenigen, die als Lehrerinnen und Lehrer erstmals vor einer Klasse stehen wollen. Für viele Bewerber ist noch immer nicht klar, ob sie eine Stelle in Sachsen bekommen haben.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL

Frank Friebel unterrichtet im Weimarer Land
Viele Bewerber um eine freie Lehrerstelle in Sachsen sind im Ungewissen, wie es weiter geht. Bildrechte: MDR/Susan Minard

Claudia Sachse ist 29 Jahre alt. Die ausgebildete Logopädin hat Sprechwissenschaft in Leipzig studiert und sich im März als pädagogische Fachkraft beworben. Pädagogische Fachkräfte unterstützen an Förderschulen Lehrer im Unterricht. "Ich habe auch direkt eine Bestätigungsmail bekommen, dass meine Bewerbung eingegangen ist. Seitdem habe ich aber nichts mehr gehört."

Im Mai hakte sie im Landesamt für Schule und Bildung, dem LASUB, telefonisch nach. Das Verfahren sei komplex und ziehe sich bis in den Juni, wurde ihr gesagt. Inzwischen ist Juli. Claudia Sachse hat bis heute weder eine Zu- noch Absage. Unzufrieden sind auch viele, die sich auf die 1.100 offenen Lehrerstellen beworben haben. Sie haben zwar Angebote bekommen, doch die passen oft nicht zu der Schulart oder der Stadt, in der sie arbeiten möchten. Zu viele wollen ans Gymnasium, fast alle nach Leipzig oder Dresden.

Bewerber in andere Angebote lenken oder Wünsche akzeptieren?

Der Pressesprecher des Landesamts für Schule und Bildung, Roman Schulz erklärt: "Wir haben das Problem, dass wir versuchen müssen, die Lehrer in eine andere Schulart und eine Region zu bringen. Das ist ein Prozess, wo wir viele Gespräche geführt haben. Es gab auch jetzt nochmal mit manchen, die am Anfang gesagt haben, das käme alles nicht in Frage, den Versuch, Angebote zu unterbreiten."

Das Einstellungsverfahren in diesem Sommer sei die Kernaufgabe des Landesamts, so Schulz. Alles, was an Personal zur Verfügung stehen kann, sei für diese Aufgabe aktuell unterwegs. Doch lohnt sich der Aufwand? Thomas Langer, Vorsitzender des Sächsischen Philologenverbandes, kritisiert die Strategie, die Wünsche der Bewerber zum großen Teil zu ignorieren. "Das führt dazu, dass die Bewerber Stellen am Gymnasium ablehnen, wo sie durchaus gebraucht werden, wo vielleicht sogar Unterricht ausfallen wird, wo die Bewerberinnen und Bewerber aus Sachsen weggehen oder eben nicht Lehrer werden."

Lehrerverband fordert mehr Stellen im Personalmanagement

Anders sieht das Jens Weichelt, der Vorsitzende des Sächsischen Lehrerverbandes. Er habe Respekt für die Arbeit des Landesamtes, aber: "Wir haben als Sächsischer Lehrerverband schon immer beklagt, dass es im Bereich der Schulverwaltung - gerade in den personalverwaltenden Stellen - viel zu wenige Mitarbeiter gibt. Dort müsste eine deutliche Aufstockung erfolgen."

Dass pädagogische Fachkräfte wie Claudia Sachse bis heute keine Zu- oder Absage erhalten haben, könne auch daran liegen, dass die Besetzung der Lehrerstellen derzeit im LASUB vorrangig bearbeitet werden. Claudia Sachse hat inzwischen ihre Konsequenz gezogen. "Das ist ärgerlich, wenn man immer wieder hört: Wir suchen Leute, wir finden keine. Ich habe mich anderweitig beworben, und jetzt eine Stelle bei einem freien Träger."

Er könne den Ärger einzelner verstehen, sagt Roman Schulz, der Sprecher des Landesamtes für Schule und Bildung. Das Landesamt müsse aber für rund 1.400 staatliche Schulen in Sachsen die Lehrerversorgung organisieren. Bilanz ziehen werde man aber erst im August, kurz vor Beginn des neuen Schuljahrs.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juli 2019 | 07:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2019, 12:53 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

12.07.2019 00:20 Markus 7

Am besten macht man gleichzeitig mehrere Bewerbungen in mehrere Bundesländer. Man geht dann dorthin, wo man schneller reagiert und wo man bessere Arbeitsbedingungen anbietet. Wenn das Sachsen wird, so geht man nach Sachsen. Arbeitsmarkt heißt nicht umsonst Arbeitsmarkt.

11.07.2019 20:08 Robert Paulson 6

11.07.2019 16:54 Michael Möller 5: "irgend wie Frage ich mich warum das Landesamt für Schule und Bildung nach den Wünschender Bewerber gehen sollte, ..."
Ernsthaft? Weil Studenten und Lehrer - Angestellte oder Beamte - kein Sklaven sind, sondern einen Arbeitsvertrag schließen bzw. einer Berufung zustimmen. Der DienstBEGINN ist freiwillig und wird vertraglich vereinbart.
Wenn Du Dich auf 16 Stellen bewirbst, von der Du weisst, dass sie ausgeschrieben ist und dringend jemand gesucht wird, der eine AG aber Dir nicht entgegenkommt, sondern im Gegenteil, sich herrisch, arrogant und selbstverliebt aufspielt, nicht einmal mit Dir ordentlich kommuniziert, der andere AG aber schon, gehst Du zu wem?

Szenario 1: LASUB behandelt die Bewerber aber sehr herablassend. Bewerber suchen sich was besseres. Neue Lehrer in Sachen: 0
Szenario 2: LASUB behandelt die Bewerber freundlich (!) und versucht, eine gemeinsame, für beide Seiten tragbare Lösung zu finden. Neue Lehrer in Sachsen: >0

11.07.2019 16:54 Michael Möller 5

irgend wie Frage ich mich warum das Landesamt für Schule und Bildung nach den Wünschender Bewerber gehen sollte, denn da wo diese zukünftigen Lehrer gebraucht werden sollte man Sie auch einsetzten, denn noch wird ihre Ausbildung vom Steuerzahler bezahlt . und wenn ich hier lesen muss in diesen Artikel das alle nach Leipzig oder Dresden wollen und zwar ins Gymnasium. Frage ich mich was ist mit den anderen Schulen wo auch Lehrer gebraucht werden für die Ausbildung der Kinder. genau wie hier wo alle nur in die Städte wollen haben wir das Problem bei Ärzten und andere Berufe , denn aufs Land will keine von den jungen Leute nur Stadt .

11.07.2019 15:35 Manuel 4

Der Witz an der Sache ist, es wurden keine Gespräche geführt. Einzig Pistole auf die Brust mit der Aussage: „Sie bekommen ein Angebot, wenn Sie das ausschlagen, dann gibt es keine Stelle für Sie“. Dies gepaart mit dem Hinweis, dass die, die einmal an einer Oberschule anfangen (wahrscheinlich) nie wieder ans Gymnasium können.

Selbst ein Entgegenkommen wird gänzlich ignoriert und was ganz anderes vorgeschlagen.

Konsequenz bleibt nur ein Wegzug in ein anderes Bundesland, welches die Lehrer mit Kusshand nimmt und teilweise „auf Halde“ einstellt. Warum kriegt Sachsen das nicht hin?

11.07.2019 13:50 Robert Paulson 3

Hm, grundlegendes Verständnisproblem auf einer Seite:
Der Freistaat Sachsen benötigt Lehrer (warum, ganz anderes Thema).
Es gibt Bewerber. Für offene Stellen. Dringend gesucht.
Und man lässt die Bewerber zappeln, die dann eben in eines der anderen 15 Länder gehen, die Bewerber suchen?

Das Verwaltungshandeln nicht immer logisch ist - geschenkt. Aber das hier mutiert zu Irrsinn!

PS: Und wenn die Leute alle nach DD oder L wollen, dann, Herrgott, macht die Schatzkiste auf und legt eine ordentliche Motivationsspritze drauf. Man darf z.B. als AG zwei Erfahrungsstufen überspringen. Oder eine Dienstwohnung als Zweitwohnung an der Schule im Wald oder sowas.
PPS: Seit 30 Jahren wird gepredigt, die AN müssen mobil sein, jetzt sind sie es! Wird Zeit, dass die AG mobil werden!

11.07.2019 13:03 Horst 2

Und im Wahlkampf geht es nur um AfD gegen alle und alle gegen die AfD.

Naja, ab September istzen dann andere Politiker im Landtag. Dann wird alles besser. *hüstel

11.07.2019 12:18 Manfred Müller 1

Warum wohl haben die dort ein Mangel an Lehrern?
Die, die jene dort haben sollen auch noch nach dessen Pfeife tanzen. Typisch Provinz Sachsen.