Demonstration gegen Lehrermangel
Mit den "schulscharfen Stellen" soll dem Lehrermangel vorgebeugt werden. Bislang klappt das nicht. Bildrechte: IMAGO

Lehrer in Sachsen Konzept "Wunschschule" hilft nicht bei Lehrermangel

In Sachsen bewerben sich zukünftige Lehrer normalerweise zentral beim Landesamt für Schule und Bildung auf eine Stelle. Doch durch späte Rückmeldungen und Unsicherheit, an welcher Schule man angenommen wird, entscheiden sich viele Bewerber dann für andere Bundesländer. Seit 2017 können sich Lehrer daher in Sachsen auch direkt an Schulen bewerben. Wie erfolgreich ist dieses Modell?

von Carolin Fröhlich, MDR AKTUELL

Demonstration gegen Lehrermangel
Mit den "schulscharfen Stellen" soll dem Lehrermangel vorgebeugt werden. Bislang klappt das nicht. Bildrechte: IMAGO

Christiane Brielmann strahlt, wenn sie von ihrem neuen Mathe- und Geschichtslehrer erzählt. Die Leiterin der Oberschule Ratzelstraße in Leipzig durfte im letzten Jahr eine sogenannte "schulscharfe Stelle" ausschreiben. Diese gibt es seit zwei Jahren an einer Auswahl von Schulen, die besonders große Personalnot haben. Die Lehrer können sich hier direkt an der Schule bewerben und bekommen die Zusage, noch bevor das Landesamt für Schule und Bildung zentral Stellen vergibt.

Mühe lohnt sich

Die Schule wird unmittelbar in den Auswahlprozess mit einbezogen, erzählt Christiane Brielmann. "Der Aufwand ist groß, weil mit jedem Bewerber ein Vorstellungs- und Eignungsgespräch geführt werden muss. [...] Aber der Aufwand lohnt sich durchaus." Denn Christiane Brielmann konnte so im letzten Jahr aus fünf Bewerbern den auswählen, der am besten ins Kollegium passte.

Mathe- und Geschichtslehrer Joel Wittowski zog für die Oberschule Ratzelstraße sogar von Trier nach Leipzig. Für Wittowksi kam nur eine direkte Bewerbung an einer Schule in Frage. "Ich habe im Referendariat die Erfahrung gemacht, einfach an einer Schule eingesetzt zu werden. Die Schule war toll, aber ich habe da nicht reingepasst. [...] Das hat mir klar gezeigt: Ich muss mir meine Schule unbedingt selber aussuchen." Das ist der Idealfall einer schulscharfen Stellenausschreibung.

Viele Stellen bleiben trotzdem leer

Auf manche Stellen bewirbt sich aber auch gar kein Kandidat. Im vergangenen August schrieb das Landesschulamt knapp 280 Stellen schulscharf aus, im Februar 150 Stellen. Davon konnten nur jeweils rund ein Drittel besetzt werden. Bei den aktuellen 150 Stellen, die für das kommende Schuljahr direkt ausgeschrieben sind, erhielten 44 Standorte überhaupt keine Bewerbungsanfrage.

Große Probleme habe man in Ostsachsen, im Erzgebirge und dem Raum Chemnitz, sagt Sachsen Kultusminister Christian Piwarz (CDU). "Die schulscharfen Bewerbungen sollen die jungen Leute sensibilisieren: Schaut euch auch die ländlichen Regionen an, wir haben da hervorragend sanierte Schulen mit guten Kolleginnen!" Piwarz meint, das habe sich "noch nicht so rumgesprochen". Deshalb will das Ministerium in Zukunft noch stärker für schulscharfe Stellen werben und die Anzahl dieser ausbauen.

Umfragen zeigen: Das Wohlbefinden an einer Schule ist größer, wenn sich Lehrer und Schule bewusst für einander entschieden haben. Das kann Lehrer Joel Wittowski bestätigen. "Es wird immer gesagt, Lehrer müssen im Team arbeiten. Das kann schwer funktionieren, wenn die Lehrer einfach zugeteilt werden, anstatt zu gucken, wer ins Team passt."

Bewerberzahlen stagnieren

Das Personalproblem an sächsischen Schulen löst sich durch die neue Möglichkeit aber erst einmal nicht. Die Bewerberzahlen haben sich nach Angaben des Ministeriums seit der Einführung der schulscharfen Bewerbung nicht wesentlich erhöht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. Juni 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

12.06.2019 20:14 Peter 10

@7: Tja Bürger, so ist das Leben. Ich frage mich immer noch, warum sich in Leipzig mehrere Bewerber, darunter solche aus dem tiefsten Westen, um eine Lehrerstelle bewerben, in Ostsachsen, im Erzgebirge oder in Chemnitz aber kein Lehrer tätig sein will.
Am Geld liegt´s nicht. Der Tarifvertrag gilt in gleicher Höhe in Leipzig wie in Görlitz. Und dann sind die Mieten in Leipzig auch noch höher als in Görlitz.
Es muss also noch weitere Kriterien geben. Auch in den MDR-Foren wird der Lehrerschaft immer wieder vorgeworfen, "rot-rot-grün-versifft" zu sein. Wenn ich Lehrer wäre, würde ich auch Gegenden meiden, wo solche Parolen weit verbreitet sind.
Die Suppe müssen dort die Kinder auslöffeln. Eingebrockt haben ihnen das andere.
Vielleicht haben Sie eine Lösung, wie man aus dem Dilemma rauskommt. Einen Hinweis gebe ich Ihnen: Denken Sie mal an die Eltern und Großeltern der betroffenen Kinder.

12.06.2019 18:34 Kattl 9

Völlig klar, dass sofort jemand mit Friday for Future anfängt. Seit Jahren interessiert der Unterrichtsausfall durch Lehrermangel nur marginal und keiner kümmert sich drum, wie die Kids die freie Zeit vertun. Aber wenn sie für ihre Zukunft auf die Straße gehen und sichtbar werden, da sind sie die ahnungslosen Infantilen. Das ist Arroganz, die wir uns nicht leisten können. Sind ein paar darunter, die das Klima nicht interessiert und die lieber frei haben? Sicher, aber die haben sicher nicht erst auf die Zukunftsfreitage gewartet, um zu schwänzen.

12.06.2019 14:03 frank d 8

@ 6 Peter, Das nennt sich in Fachkreisen Ironie, dass ich Ihnen unterstelle Xenophob zu sein, bestätigen sie doch grade wieder, Oder kennen sie etwa die Ostsachsen, Chemnitzer und Erzgebirgler? Was wollten sie denn so andeuten mit ihrem Post Nummer 2 In Berlin soll ja der Lehrermangel ganz besonders katastrophale Ausmaße angenommen haben, liegt also an den Berlinern? wie kommt es eigentlich das einige Bundesländer bei Bildungsvergleichen so dauerhaft schlecht abschneiden? Grade Vorbildländer die so toll profitieren sollten eigentlich. Was ist Los mit den Schülern die on the top noch Freitags selber frei nehmen? Frei Day or Future? Das wird gelobt, dann sollte der Lehrermangel auch als Klimaprotest etikettiert werden.

12.06.2019 13:50 Kritischer Bürger 7

@Peter 6: Machen Sie doch nicht solche poli. Spielerei nach dem Motto wer, wen meine ich und wo bin ich. In OSTSACHSEN (Also Dresden etc.) ist die AfD im Grunde genommen fast stärkste poli. Gruppierung und das im Osterzgebirge wie auch Chemnitz sind auch Einflussgebiete der poli. Rechten Szene. Das wollen Sie doch damit aussagen mit Ihren Worten: +... in Ostsachsen, dem Erzgebirge und Chemnitz jedoch nicht....+
Zu verständlich, wo Rechts zu viel auftritt will kein Lehrer hin. Das ist doch Ihr Grundtenor. Ob das aber stimmt, da fragt niemand danach. Vllt. liegt es auch am Geld, an den weniger komfortablen Schulen usw. Das damit aber wiederum die Gesellschaft mit solchen Worten, wie den Ihren, weiter gespalten wird werden nicht nur die angehenden Schüler mitbekommen. Lehrermangel kann viele Gründe haben. Muss NICHT IMMER poli. motiviert sein! Wirtschaftlich ist da unten im Südosten D ja auch keiner so sehr am poli. Geschehen interessiert aber Unternehmen bleiben trotzdem!

12.06.2019 08:52 Peter 6

@5 frank d: Im Beitrag steht aber nicht, dass sich die Lehrer lieber in NRW bewerben.
Eher umgekehrt. Ein Lehrer aus dem tiefen Westen unterrichtet nun in Leipzig. Einer von 5 Bewerbern.
Übrigens: Leipzig liegt immer noch in Ostdeutschland. Also bitte, warum unterstellen Sie mir "Ostdeutschenfeindlichkeit", wenn ich frage, warum sich Lehrer in Leipzig bewerben, in Ostsachsen, dem Erzgebirge und Chemnitz jedoch nicht.

11.06.2019 19:24 frank d 5

@2 Peter
na weil all die Lehrer sich an den Brennpunktschulen in den Großstädten in NRW bewerben. Aber sie können bestimmt erläutern warum die bösen Sachsen so weit vorn liegen beim Bildungsranking, vor den NRWlern und den Bremern und den Berlinern? Ich warte schon darauf das die Wirtschaft und der Tourismus in Köln in den Himmel wächst und in Sachsen einbricht wie sie doch unermüdlich herbeifabulieren. Bisher leider alles genau andersrum gekommen. Aber sie gefallen sich ja in ihren Populismen. und in ihrer Xenophoben Ostdeutschenfeindlichkeit, ohne das zu bemerken natürlich. Da bleibt nicht viel von der postulierten moralischen Überlegenheit übrig.

11.06.2019 19:16 frank d 4

Warum lässt man nicht die ganzen Fehlstunden Freitags auflaufen da ist doch Staatlich protektioniertes die eigene Bildung bestreiken der infantilen angesagt. Wenn noch mehr Lehrer fehlen könnte man doch auch die Frei Day or Future Bewegung der 22 Jährigen Teilzeitstudentinnen Kinder auf Donnerstags ausdehnen dann merkt keiner das Lehrer fehlen. und wenn das Klima dann noch nicht spurt dann von Montag bis Freitag dann brauchen wir gar keine Lehrer mehr dann könnten die alle in der Altenpflege oder den Kitas aushelfen. Schon speziell was in unserem Lande so los ist. Sapere aude

11.06.2019 16:21 Kritischer Bürger 3

Nun dann werden sich auch die zukünftigen Lehrer(innen) wohl die Schule aussuchen, an der die Schüler(innen) sicherlich auch noch etwas Vernunft mitbringen und die Schulstunden auch mehr zum Lernen nutzen, als zu eigenen Ränkespielen nach dem Motto, wer ist der Bessere: Lehrer oder Schüler. Trotz allem wird sich aber am Grundprinzip =Lehrermangel= NICHTS ändern!

11.06.2019 13:48 Peter 2

Keine Bewerbungen für Ostsachsen, das Erzgebirge und Chemnitz. Warum wohl?

11.06.2019 09:38 Mane 1

Es kann doch keinen Lehrer Mangel geben.Jeden Freitag ist keine Schule für das Gretchen. Na?