Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum.
In Sachsen sind Lehrer Mangelware. Das Land muss in diesem Jahr rund 1.000 Stellen neu besetzen. Bildrechte: dpa

1.000 freie Stellen Helfen die Maßnahmen gegen Lehrermangel in Sachsen?

Die Schulen im Freistaat sind top - doch Lehrer sind Mangelware. Das Land muss in diesem Jahr rund 1.000 Stellen neu besetzen. Ob das gelingt, ist noch nicht klar. Sachsen will den Beruf des Lehrers jetzt aufwerten: In den kommenden fünf Jahren sollen mehr als 1,7 Milliarden Euro für Schulen und Lehrer ausgeben werden.

von Thomas Matsche, MDR AKTUELL

Stühle stehen auf einer Schulbank in einem leeren Klassenraum.
In Sachsen sind Lehrer Mangelware. Das Land muss in diesem Jahr rund 1.000 Stellen neu besetzen. Bildrechte: dpa

Die ganze Oberschule in der sächsischen Kleinstadt Bernstadt auf dem Eigen ist frisch saniert: neue Schallschutztüren, Flure in rot-gelben Farben und Whiteboards an den Klassenwänden. Die Stadt will als Träger auch in Zukunft dafür sorgen, dass die Schule stets gut in Schuss ist, verspricht Bürgermeister Markus Weise. "Je nach unseren Haushaltsmitteln, die wir zur Verfügung haben." Tolle Lernbedingungen also für die rund 300 Schüler.

Bonus für Referendare im ländlichen Raum

Markus Weise, Bürgermeister von Bernstadt auf dem Eigen.
Markus Weise, Bürgermeister von Bernstadt auf dem Eigen, in der frisch sanierten Oberschule. Bildrechte: Thomas Matsche

Gut haben es natürlich auch die Lehrer, um die Bernstadt kämpfen muss. Denn der Schulbetrieb wird auch hier wie in vielen Teilen Sachsens inzwischen mit Quereinsteigern aufrechterhalten.

Deshalb findet Markus Weise es gut, dass die Landesregierung beschlossen hat, Lehrer ab 2019 zu verbeamten. Richtig findet er auch die Entscheidung, dass Referendare, die in eine ländliche Schule gehen, einen Zuschlag erhalten. Mit 2.500 Euro brutto im Monat würden sie dann zu den bestbezahlten Referendaren in Deutschland zählen.

Allerdings kämen diese Pläne für viele Nachwuchslehrer sicher zu spät, glaubt Markus Weise. Im Studium ergeben sich manchmal auch Lebenspartnerschaften, die sich wiederum auf andere Bundesländer orientierten. "Wenn da vorher nicht der Anreiz da ist, dass man sagt, ich will hier bleiben, dann wird es jetzt wirklich ganz schön eng."

Lehrersuche in Baden-Württemberg

Sachsen sucht deshalb auch in anderen Bundesländern nach Lehrern. Im Juni reisten Vertreter der sächsischen Arbeitsagenturen und Kommunalpolitiker nach Baden-Württemberg. Dort trafen sie auf arbeitslose Lehrer. Auch Markus Weise war dabei.

Doch wichtige Fragen der Lehrer hätten die Mitarbeiter der Arbeitsagenturen nicht beantworten können, ärgert sich Markus Weise. Zum Beispiel: "Welche Schule sucht denn Lehrer mit welchen Fachspezifika?" Die nötigen Zahlen seien nicht vorhanden gewesen.

Paket soll junge Lehrer in Sachsen halten

Es wirkt wie ein Abbild der ganzen Misere im Land. Es werden dringend Lehrer gesucht. Doch die Lösungen sind oft unausgegoren oder kommen zu spät. Über Jahre habe Sachsen viele junge Lehrer weggeschickt, sagt Michael Jung vom Sächsischen Lehrerverband. Die kommen selten wieder. Ältere Lehrer, die das System jahrelang am Laufen gehalten haben, werden nun von der Verbeamtung ausgeschlossen. Diese soll nur für Lehrer bis 42 Jahre möglich sein.

Das findet Michael Jung beschämend. Trotzdem begrüßt er das Maßnahmenpaket der Landesregierung. Denn erste Reaktionen von Nachwuchslehrern zeigten, dass es gut ankomme. Viele junge Leute seien der Meinung, dass der Freistaat Sachsen endlich etwas für sie tun müsse, sagt Jung. Er ist der Meinung, dass ein großer Teil dieser Leute auch in Sachsen gehalten werden könne. Noch ist das Bildungspaket nur ein Beschluss der Landesregierung. Es muss noch im Landtag Ende des Jahres im Rahmen des Doppelhaushalts  beschlossen werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2018 | 08:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2018, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

09.08.2018 09:47 Na so was 4

09.08.2018, 08:30 Uhr Kurznachrichten bei Radio MDR1, Sachsen. Es wurde ein Kurzbericht verlesen, was die Stadt Wilsdruff in letzter Zeit alles für die Vorbereitung des neuen Schuljahres getan hat. Absolute Spitze, kann ich da nur sagen ( ist so gemeint, wie ich es geschrieben habe). Warum aber Radio MDR1, Sachsen und MDR.DE wird nicht auch über die anderen Orte in Sachsen geschrieben bzw. berichtet, wo die Zeit schon lange stehen geblieben ist. Wo es nur noch heißt, "wir wollen, wir werden, wir müssen" usw. Wo allerdings die Bevölkerung weiß, dort passiert nichts in nächster Zeit. Um Arbeit zu vermeiden, hoffe ich, dass diejenigen, die im Herbst 2014 in den Landestag gewählt wurden, ihre damaligen Wahlwerbeplakate nicht vernichtet haben. Diese können nächstes Jahr, ohne an ihnen etwas zu verändern, an den entsprechenden Masten wieder befestigt werden.

09.08.2018 09:15 Lehrer 3

Es gibt nur 2 sinnvolle Indikatoren ob das Paket wirkt.
Wieviele Absolventen der Unis bleiben für das Referendariat in Sachsen? Wieviele Absolventen des Referendriats bleiben in Sachsen? Jeweils im Vergleich zu den letzten Jahren. Nur an diesen Zahlen kann man durch das Paket jetzt schon etwas ändern. Eventuell kommt der Effekt auch erst nächstes Jahr wenn die Verbeamtung richtig anglaufen ist. Diese 2 Zahlen sollten bei einer eventuellen Pressekonferenz erfragt werden!

09.08.2018 08:52 Michael Möller 2

nach meiner Meinung sollte überhaupt kein Lehrer Verbeamtet werden und zwar in keinen Bundesland, der Beamtenstatus sollte nur für Personen Gültigkeit haben die im Sicherheitssystem arbeiten, man sollte die Lehrer lieber seriös bezahlen und fest einstellen . wobei die Lehrer in den Ferienzeiten zur Lehrgang sollten um neuen Lehrstoff vermittelt zubekommen und evtl. alten der noch aktuell ist auf zu frischen. so wird ein schuh draus würde ich meinen.

09.08.2018 07:40 Na so was 1

Eigentlich ist es für Außenstehende unfaßbar. Da wird monatelang davon geredet, dass ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer im gesamten Bundesgebiet fehlen. Da wird der Versuch mit den Seiteneinsteigern gestartet, zu vergleichen für mich etwa, wenn man im Gesundheitsbereich einen Hilfspfleger in kürzester Zeit zu einem Chefarzt aufsteigen läßt. Dann hört man ab Juni 2018 fast nichts mehr vom Lehrermangel in den Schulen. Auf einmal, eine Woche vorm Schulbeging nach den Sommerferien, lassen die "Oberen, die Katze aus dem Sack". Auf einmal fehlen noch mehr qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer, können an manchen Schulen die Sanierungsaufgaben nicht rechtzeitig vor Schuljahresbeginn abgeschlossen werden, usw. Da fragt man sich als Außenstehender unweigerlich, was für "Experten" sitzen eigentlich auf den dafür zuständigen Posten bei der Bundesregierung bzw. den entsprechenden Landesregierungen und streichen Monatsgehälter ein, die uns alle erblassen lassen.