Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf in Sachsen.
Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf versorgt Leipzig mit Strom und Fernwärme. Bildrechte: imago/imagebroker

Kraftwerk Lippendorf Ausstieg Leipzigs aus der Braunkohle möglich

Derzeit bezieht Leipzig Strom und Fernwärme aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf. Am Mittwoch wird ein Gutachten zu einem möglichen Stopp der Lieferungen vorgestellt. Ein solcher Stopp hätte starke Signalwirkung.

Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf in Sachsen.
Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf versorgt Leipzig mit Strom und Fernwärme. Bildrechte: imago/imagebroker

Die Stadt Leipzig könnte künftig auf Fernwärmelieferungen aus dem Braunkohlekraftwerk Lippendorf verzichten. Das hat ein Prüfungsauftrag ergeben, der im Auftrag des Leipziger Stadtrates erstellt wurde. Oberbürgermeister Burkhard Jung will die Ergebnisse der Prüfung am Mittwoch vorstellen. Ein Ausstieg Leipzigs könnte weitreichende Folgen für das Kraftwerk und den angrenzenden Braunkohleabbau haben.

Ausstieg technisch möglich

Diskutiert wurde über ein Ende von Lieferungen aus Lippendorf im Stadtrat schon länger. Die Prüfung wurde schließlich im vergangenen Jahr auf Initiative von Linken und Grünen im Stadtrat beschlossen. Dadurch sollten Szenarien zum Ausstieg aus der Wärmeversorgung durch das Kraftwerk Lippendorf im Jahr 2023 beziehungsweise 2030 entwickelt werden.

Der Prüfauftrag hat nun ergeben, dass ein Ausstieg technisch möglich wäre. Leipzig könnte sich mit Strom und Fernwärme selbst versorgen, höhere Kosten für Verbraucher seien nicht zu erwarten. "Es wird nicht dunkel", heißt es. Um die Versorgung zu sichern, müssten bis zum Jahr 2022 in Leipzig allerdings neue Anlagen entstehen. Im Wesentlichen geht es um ein neues Gaskraftwerk.

Stadtrat entscheidet kommendes Jahr

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Bundesweit wird über die Zukunft der Braunkohle diskutiert. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Mit einem Ausstieg wäre Leipzig die erste Stadt, die mitten in einem Braunkohlegebiet liegt und trotzdem aus der Braunkohleversorgung aussteigt. Eine solche Entscheidung könnte Signalwirkung haben – auch auf die Kohlekommission, die ihre Entscheidung zum Kohleausstieg gerade erst auf kommendes Jahr verschoben hat.

Eigentlich hatte die sächsische Regierung wiederholt betont, dass erst über Strukturhilfen für die Kohlegebiete entschieden werden müsse. Erst danach solle ein Ausstiegstermin diskutiert werden.

Bis es tatsächlich zu einer Entscheidung für Leipzig kommt, wird es allerdings noch dauern. Der Stadtrat würde darüber erst im kommenden Jahr abstimmen, eine Mehrheit für den Ausstieg wäre wegen der politischen Sprengkraft des Themas keineswegs sicher. Zudem sind für einen solchen Fall Verhandlungen zwischen den Leipziger Stadtwerken und der LEAG zu erwarten.

*) Korrektur: In einer früheren Version des Artikels hatten wir berichtet, dass die Stadt Leipzig prüfen will, die Verträge mit dem Kohlekraftwerk Lippendorf zu Fernwärme und Strom zu kündigen. Nach inzwischen vorliegenden aktuellen Informationen haben die Stadtwerke Leipzig mit Lippendorf lediglich Verträge über eine Fernwärmeversorgung abgeschlossen. haben.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Dezember 2018 | 16:51 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 14:49 Uhr

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44 Kommentare

07.12.2018 08:58 INFO 44

Die Energiewende ist beschlossene Sache. Im Jahr 2050 ist es vorbei mit dem Strom aus Kern- und Kohlekraft. Sonne und Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme werden mindestens 80 Prozent des Stroms liefern. Bislang stammen nur zirka 30 Prozent unseres Stroms aus solchen erneuerbaren Energiequellen. Aus Angst vor der elektromagnetischen Strahlung wünschen sich viele Anwohner Erdkabel statt überirdischer Stromtrassen. Ihre Angst: Überirdische Stromleitungen könnten krank machen - sogar Krebs erregen. In Dunkeldeutschland eher psychisch. Energie aus erneuerbaren Quellen wie Wind-, Sonnenenergie und Wasserkraft macht nicht nur beim Transport durch Deutschland Probleme, sondern auch bei der Speicherung. Der Lithium Ionen-Akku wird das ändern. Energiespeicher der Zukunft: das Hybridkraftwerk. Dort wird Windstrom in Gas, in Form von Methan oder Wasserstoff, umwandelt.

06.12.2018 19:42 nasowasaberauch 43

Typisch Leipzig, typisch für Jung. Er möchte ja wiedergewählt werden und hofft darauf, dass sein Symbol-Aktionismus dabei hilft. Strombelieferung ja, aber Abnahme der dabei anfallenden Wärme nein. Stattdessen soll für Wärme ein anderer fossiler Energieträger (Gas) verwendet und extra dafür ein Heizkraftwerk gebaut werden. Abgesehen von dem energetischen Unsinn glaube ich nicht an die propagierte Preisstabilität. In Leipzig ist ein Produkt der Eigenwerke noch nie billiger geworden, dafür sind im Haushalt der Stadt zuviel Löcher zu stopfen.

06.12.2018 07:41 H.E. 42

@29 Klaus
Ich bin für einen sinnvollen, aber nicht überstürzten Ausstieg aus der Kohle, mit gleichzeitiger Ersatzbeschaffung der Arbeitsplätze, damit nicht ganze Regionen ausbluten.
Gestern kam ein interessanter Bericht im Fernsehen über den Energieverbrauch u. der Umweltbelastung durch den Flugverkehr. Hoffentl. haben den Bericht auch die über 20.000 Teilnehmer beim UN-Klimagipfel in Krakau sich angesehen. Ein Flugzeug für die Strecke Frankfurt - Shanghai benötigt eine Unmenge an Sprit, dafür könnte ein Autofahrer, der für 50 Euro WÖCHENTLICH tanken muß, über einhundert Jahre damit fahren. Und der Geschäftsführer der dt. Umwelthilfe besitzt eine GOLDENE LUFTHANSAKARTE, was auch bereits zu lesen war, um innerhalb D überall rechtzeitig zu sein. Eine Bahncard 100 würde es auch tun. Aber die Autofahrer, die nicht sich sofort ein neues Auto leisten können oder wollen, werden schikaniert.
Obwohl ich immer umweltbewußt gelebt habe u. lebe, nehme ich dieses ganze Getue nicht mehr ernst.

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05.12.2018 21:19 Eulenspiegel 41

Hallo 007 40
Ich dachte ich hätte mich deutlich ausgedrückt. Um es noch deutlicher zu sagen: Hie geht es nicht um einen völlig neuen Reaktortyp. Hier geht es um einen neuen Propaganderfeldzug für die Atomenergie. Dieser Reaktortyp hat sicher ein paar Verbesserungen gegenüber den heute üblichen Reaktoren. Aber ganz klar über 99 % der Gründe warum die heutigen Reaktoren abzulehnen sind treffen auch auf diesen Reaktortypen zu. Ich denke der Rahmen hier ist einfach viel zu klein darauf genauer einzugehen. Ich kann ihnen nur empfehlen sich mal differenziert und vor allem kritisch mit der Problematik der Atomenergie auseinander zu setzen.
Ich zitiere sie:“
„Ich maß mir nicht an Experte für Kernenergie zu sein.“
Ich denke das ist ihr Problem dabei. Sie haben gelesen was diese Professor geschrieben hat. Aber haben sie sich mal mit der anderen Seite vertraut gemacht? Wenn sie der Warheit auf der Spur kommen wollen dann müssen sie das schon.

05.12.2018 16:32 007 40

@ Eulenspiegel 34 ... Haben sie die Seite; Nukleria, (Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im kommerziellen Leistungsbetrieb) gelesen? Wenn sie diesen Fachbericht mal ehrlich sacken lassen, sagen auch sie, dass ist die Zukunft, eine echte Alternative zu den heutigen Kernreaktoren der 1. Generation. Und der Abfall dieser neuen Kraftwerke stahl nur schwach (100 Jahre) u keine 10 000 oder 20 000 wie der heutige Abfall. Außerdem ist der Wirkungsgrad der Kraftwerke um ein vielfaches höher. In diese Richtung sollte sich unsere künftige Energiepolitik bewegen. Diese Atommüll -Verwertungs- Kraftwerke hätten bei dem Weltweiten Abfall über Jahrzehnte Brot u für uns sauberen billigen Strom. Tja, die Russen machen"s vor wie"s geht. Und wir Deutschen? Wir drehen selbst am Rad, oder warten auf Wind + Sonne ...

05.12.2018 16:17 Eulenspiegel 39

Hallo 007 38
Also nach meiner Einschätzung ist dieser Schneller Reaktor BN-800 kein völlig neuer Reaktortyp. Es ist eine Weiterendwicklung. Diese Reaktortyp wird mit dem Brennmaterial aus ausgebrannten Brennelementen bestückt. Es wird aber nicht erwähnt das dadurch die Wiederaufbereitung nicht mehr benötigt wird. An diesem stak vereinfachten Grundschema ändert sich nichts. Und die Kritikpunkte an den Atomkraftwerken gelten auch für diesen Reaktortyp. Man kann die Reduzierung der Halbwertzeit des Atommülls als Vorteil ansehen. Aber wenn man bedenkt das Plutonium eine Halbwertzeit 24 000 Jahr hat was sagt das.

05.12.2018 12:34 007 38

@ Eulenspiegel 34 ... Ich maß mir nicht an Experte für Kernenergie zu sein. Aber sehen sie sich mal den interessanten Beitrag von Professor Dr. Blex zur deutschen Energiepolitik an. Dort spricht er dieses Thema an. In der deutschen Fachwelt ist dazu allerdings wenig wissenswertes zu finden.

Tipp; oder gehen sie bei Google auf,

- Strom aus Atommüll: Schneller Reaktor BN-800 im ... - Nuklearia

oder;

- Nuklearia e. V. ...

05.12.2018 11:31 Herbert 37

Wir leben in der BRD, zwei Gaskraftwerke bauen in 10 Jahren ohne Genehmigung und Vorplanung, wie soll das, denn gehen. Der 1. April ist ja noch ein bisschen hin.

05.12.2018 10:06 Horst 36

Ist schon traurig für Deutschland. Das war mal berühmt für seine Ingenieurkunst. Jetzt bekommt es nicht mal den Umstieg von der Braunkohle zu Gas bzw. Erneuerbare Energien hin. Wobei das mehr mit der Politik (Union, SPD und FDP) zu tun hat als mit unseren Ingenieuren.

05.12.2018 09:56 Klarheit 35

Ist dieser Beitrag Satire??

In Deutschland, Leipzig irgendetwas in 3 Jahren zu bauen - Kraftwerke ?

Ich lach mich tot , wenn es noch eines Beweises gefehlt hat das OB Jung , die Grünen etc. Lügner , Demagogen astreine Populisten sind hier ist er ....

Kraftwerk in Leipzig , hier kann kaum ein Meter neue Straße gebaut werden ohne das die öko-Terroristen dagegen sind......