Leipzig Ton bei Oberbürgermeisterwahl in Leipzig wird rauer

Sebastian Gemkow gegen Burkhard Jung - einer der beiden wird bei der Leipziger Oberbürgermeister-Wahl wohl das Rennen machen. Im ersten Wahlgang lag CDU-Mann Gemkow knapp vor SPD-Amtsinhaber Jung. Jetzt, gut zwei Wochen vor dem zweiten Wahlgang, geht der Wahlkampf in die heiße Phase. Und der Ton wird rauer. Grund dafür ist auch ein neues Plakat, das in der Stadt aufgestellt wurde.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

"Leipzig kippt nicht!"-Plakat in Südvorstadt
Dieses Plakat wurde nach dem ersten Wahlgang zur Leipziger Oberbürgermeisterwahl aufgestellt. Das gefällt nicht allen. Bildrechte: Andre Seifert

Leipzig, Südvorstadt. An einer viel befahrenen Straße zieht ein Wahlplakat viele Blicke auf sich. In großen, roten Buchstaben steht darauf "Leipzig kippt nicht". Zu sehen ist eine Zeichnung mit einem Mann, der ein Schnapsglas ablehnt. Ein Glas mit den Logos von AfD und CDU.

Eine Passantin ärgert sich: "Weil es die falsche Botschaft ist. Also das vermittelt ja, hier, der Gemkow ist wie Teufel und Alkohol, so kommt es für mich rüber."

Die Partei Die Linke hat das Plakat aufgestellt. Sie stellt sich damit gegen Sebastian Gemkow von der CDU und wirbt für den SPD-Mann Burkhard Jung. Die beabsichtigte Wirkung hat das Plakat bei der Passantin aber nicht. Sie meint, es tue der SPD keinen Gefallen. Und auch der Linkspartei nicht: "Das rückt ja wieder die Linken in die Ecke, die haben alle einen Knall, die sind ja radikal. Jedenfalls kommt das für mich bei dem Plakat rüber."

"Lagerwahlkampf" spaltet Leipzig

Das Plakat polarisiert: Nicht mehr nur Jung oder Gemkow, SPD oder CDU lautet nun offenbar die Frage. Es geht auch um Links oder Rechts. Leipzig erlebt einen Lagerwahlkampf. Das gefällt nicht allen. Der Leipziger Bürgerrechtler Uwe Schwabe schrieb in einem offenen Brief, er sei entsetzt. Die Stadtgesellschaft werde gespaltet. Er möchte "Stopp!" schreien.

Weniger kritisch sieht das Professor Hans Vorländer, Politologe an der TU Dresden. Er findet, ein Lagerwahlkampf könne die Wahlentscheidung erleichtern: "Weil Komplexität reduziert wird. Tatsächlich muss man aber darauf achten, dass die Auseinandersetzung sehr fair verläuft, wo es um unterschiedliche Köpfe und unterschiedliche Programme und Positionen geht."

Ist der Wahlkampf noch fair?

Doch ist der Wahlkampf noch fair? Darf Die Linke auf ihrem Plakat CDU und AfD gleichsetzen? Darf Amtsinhaber Burkhard Jung – wie er es gleich nach dem ersten Wahlgang tat – die Wähler vor die Frage stellen: "Bunte Stadt oder rechts gescheitelt?"

Andreas Raabe, Chefredakteur des Leipziger Stadtmagazins Kreuzer beobachtet den Wahlkampf seit Wochen – und findet: "Als unfair würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Es ist ja tatsächlich so, dass es jetzt, kombiniert mit der Wahl in Thüringen, sich wirklich gezeigt hat, dass es eine gewisse Gefahr gibt, was die CDU und die FDP angeht in puncto Zusammenarbeit mit der AfD. Ich glaub, das ist alles noch okay."

Linksliberal gegen Konservativ

Die Ministerpräsidentenwahl in Thüringen, bei der die CDU zusammen mit der AfD stimmte, hatte bundesweit für Entrüstung gesorgt. Nun überträgt sich das auch auf den Leipziger Wahlkampf, das glaubt auch Rainer Eckert, der Ex-Leiter des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig: "Zurzeit bin ich natürlich besonders sensibilisiert nach den Ereignissen in Erfurt, wo es im Grunde in die gleiche Richtung geht, eine Lagerbildung, ohne noch nach Inhalten zu fragen." Er habe den Eindruck, dass nun auch in Leipzig keine Inhalte mehr kommuniziert würden, sondern das linksliberale Lager gegen ein konservatives Lager stehe, sagt Eckert.

Dabei gäbe es genug Inhalte, über die man in Leipzig reden sollte, findet er: bezahlbares Wohnen, ein 365-Euro-Ticket für Bahnen oder Schulneubauten. Ein Lagerwahlkampf lenke von diesen Themen nur ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Februar 2020 | 07:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Februar 2020, 05:00 Uhr