Bademoden-Werbung im hamburger Bahnhof
Werbeplakat für Badewäsche in Hamburg. Dieser Fall ist laut Werberat nicht sexistisch. Bildrechte: dpa

Sexismus und Werbung Leipzig geht noch schärfer gegen frauenfeindliche Reklame vor

Leipzig will keine sexistische Werbung mehr zulassen. Der Stadtrat beschloss am Mittwoch entwürdigende und diskriminierende Inhalte auf öffentlichen Werbeanlagen zu untersagen. Wo gilt die Regelung, wen betrifft sie und was halten die Leipziger davon?

von Constanze Müller, MDR AKTUELL

Bademoden-Werbung im hamburger Bahnhof
Werbeplakat für Badewäsche in Hamburg. Dieser Fall ist laut Werberat nicht sexistisch. Bildrechte: dpa

Eine Frau isst liegend ein Stück Pizza. Entscheidend dabei: Sie trägt nur Unterwäsche und auf ihrem Körper steht "Hot&Spicy", also "heiß und scharf". Zu sexistisch für die Stadt Leipzig. Seit einem Jahr gilt bereits ein Verbot für derartige Plakatwerbung. Jetzt soll das auch auf Festen umgesetzt werden, wie dem Wasser- oder Stadtfest und bei Werbung an Laternenpfählen. Die Meinungen der Leipziger dazu sind gemischt.

"Das ist eine gute Initiative, weil eine gewisse Scham doch erhalten werden sollte", heißt es zum Beispiel. Oder auch: "Man könnte das auch mit Männern machen und dann gucken, wieviele dann noch kommen." Dagegen meint ein anderer: "Also ich finde diese ganze Sexismusdebatte an sich total albern." Auch zu hören ist: "Das ist doch eigentlich eher Negativwerbung für sich." Wieder ein anderer sagt: "Also ich finde das gut, aber wie definiert man sexistisch?".

Die Stadt hat dafür einen Kriterienkatalog entwickelt. Der wird nun vermehrt angewendet, erklärt der Leipziger Wirtschaftsrechtler Sandro Dittmann. "Der Stadtratsbeschluss wird Auswirkungen auf alle Werbeflächen haben, die genehmigungsbedürftig sind. Das sind im Regelfall alle Werbeflächen über einen Quadratmeter." Am Ende werde geprüft, ob eine Baugenehmigung erteilt werden kann.

Unternehmer findet Regeln ungerecht

Nur gibt es keine allgemeingültigen Regeln, was sexistisch ist und was nicht, kritisiert Thomas Kochmann. Der Hallenser ist Inhaber des Lieferdienstes UNO-Pizza und warb mit der halbnackten Frau für sein Unternehmen. Er empfindet die Ablehnung dieses Plakats als ungerecht. "Solange Motive vergleichbar sind mit Motiven, die beispielsweise die Unterwäschebranche für ihre Werbung verwendet, sehe ich keinen Anlass das Motiv als sexistisch zu bewerten."

Die Stadt hält dagegen. Sie orientiert sich am Werberat, der beispielsweise erklärt, dass eine Frau im Bikini nicht sexistisch ist, wenn sie den Bikini auch bewirbt, wohl aber, wenn sie auch vollkommen angezogen sein könnte, um das Produkt - wie in dem Fall die Pizza - zu essen, zu präsentieren und zu bewerben.

Gegen private Werbeträger ist Stadt offenbar machtlos

Das Plakat hing dann aber trotzdem in Leipzig. Denn gegen private Werbeträger könne die Stadt nichts machen, erklärt Katharina Kleinschmidt vom Gleichstellungsbeirat der Stadt. "Also das hatten wir ja zum Beispiel am Goerdelerring, an dem Hotel, das umgebaut wurde. Da lagen dann auf großen Plakaten Frauen in der Badewanne. Das können wir so nicht regulieren. Dafür bräuchte es eine Bundesgesetzgebung, die ja momentan nicht weiter verfolgt wird."

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft hat ein mögliches Bundesgesetz bisher immer vehement als Zensur abgelehnt. Katharina Kleinschmidt hofft dennoch, dass langfristig der Bund sexistische Werbung verbieten wird und so keine Ausweichmöglichkeiten mehr für Unternehmen bestehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Mai 2018 | 05:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2018, 07:41 Uhr

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43 Kommentare

20.05.2018 06:01 Räudiger Hund 43

Den Kulturmarxismus in seinem Lauf halten weder Ochs' noch Esel auf!

19.05.2018 19:08 Mediator an Antimon (41) 42

Seit wann beschließt ein Stadtrat Gesetze?
Da jeder Unternehmer der Webung betreibt dies im Regelfall an PROFIS delegiert sollten diese Profis auch in der Lage sein ihre Kampagne gemäß den Empfehlungen des Werberats bzw. den Regelungen der Stadt Leipzig einzuordnen. Wenn man dann trotzdem grenzwertige Kampagnen anstößt, dann muss man eben mit dem Risiko leben, dass diese nicht genehmigt werden.

Werbung muss auffallen, im Gedächtnis bleiben und ein Produkt von der Konkurrenz abheben. Braucht man dafür wirklich nackte Tatsachen oder kann man da nicht auch mit origninelleren Ideen punkten?

Mal ehrlich eine halbnackte Frau mit Proportionen die vielleicht 10% der Damen in unserem Land aufweisen ist doch heute kein Hinkucker mehr. Man darf sich getrost fragen, ob Frauen solche Werbung toll fühlen und was diese mit Männern macht, denen da ein verquertes Frauenbild präsentiert wird.

19.05.2018 14:28 Antimon 41

Typisch, ein Gesetz ohne klare Ansagen. Die Firmen müssen sich entweder selbst zensieren oder riskieren eine Strafe. Und klar, die Initiative wird den Frauen ganz bestimmt viel helfen. Tolle Aktion einer Stadt, in der Frauen nicht einmal alleine joggen sollen. Die Leipziger sind so (...)

19.05.2018 11:26 Endlich... 40

an 30 und 32:
Dann könnt Ihr Euch ja Pornohefte anschauen...
Nur - die kosten eben Geld.

19.05.2018 11:19 Konrad 39

@36 Vielen Dank für Ihren Beitrag! Sie sprechen mir aus dem Herzen!

19.05.2018 10:16 Mediator an Max W(33) 38

Entschuldigung, aber in diesem Artikel geht es nicht um die Bewältigung ihrer Traumata aus Universitätszeiten mit den Vertretern anderer Fakultäten sondern darum welche Grenzen beim Einsatz nackter Tatsachen in der Werbung angebracht sind.

Hier gibt es sicher keine durch ein Naturgesetz vorgegebene scharfe Grenze, aber sicherlich einen Zielkorridor, was man als angebracht und was man als sexistisch oder frauenverachtend ansieht.

Bei all ihrem intellektuellem Getue scheinen sie nicht einmal die simple Tatsache zu verstehen, dass es sich hier um einen neuen Ansatz der Stadt Leipzig handelt. Von welchem weltbewegenden Problem will die Stadt Leipzip denn bitte mit ihrer angeblichen "politischen Ersatz- und Übersprungshandlung" ablenken. Nur zu sie haben das Wort!

Ansonsten diesqualifizieren sie sich in meinen Augen dadurch, dass sie einen ganzen Berufszweig pauschal abqualifizieren. Warum noch einmal sind davon hunderte allein im Bereich der Stadt Leipzig beschäftigt?

19.05.2018 07:35 Max 37

Toll!
Endlich gibt es noch schärfere Werbung.

18.05.2018 23:12 Mediator an Arbeitende Rentnerin (18) 36

Liebe Rentnerin,

komisch dass man von ihnen immer nur im zusammenhang mit Hetze gegen Flüchtlinge liest.

Wem gegenüber ist die Stadt Leipzig denn angeblich im vorauseilendem Gehorsam ergeben? Sie trauen sich ja nicht einmal diesen Gedanken auszuformulieren mit dem sie gegen Menschen aus einem anderen Kulturkreis hetzen.

Die Diskussion um Sexismus in der Werbung ist übrigens schon etliche Jahrzehnte alt und selbstverständlich gibt es gute Gründe dafür, dass man nicht für jedes Produkt mit einem nackten Frauenkörper werben sollte. Auch Werbung prägt und beeinflusst unser gesellschaftliches Zusammenleben. Die Frau als eine auf ihr Aussehen reduzierte, sexuell ständig verfügbares und austauschbare Ware, ist sicher nicht das Frauenbild das wir in unserem Land ansreben. Warum es also in der Werbung unnötig propagieren?

18.05.2018 19:23 Klaus Schubert 35

Ihr habt Probleme!!Da sind wohl die Ehefrauen der Stadtverwaltungsmaennern auf die Barrikaten gegangen.

18.05.2018 18:03 Konrad 34

Mit dem, was ich bereits in Kommentar 5 geschrieben habe.

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