Der CDU-Politiker Friedrich Merz auf der CDU-Regionalkonferenz am 21.11.2018 in Seebach.
Für die CDU in Thüringen und Sachsen bleibt Friedrich Merz ein Hoffnungsträger. Doch der CDU-Politiker hat sich jetzt aus dem Wahlkampf zurückgezogen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen Merz verzichtet auf Wahlkampf im Osten

Nach der Wahlniederlage des kurzzeitigen CDU-Hoffnungsträgers hat Friedrich Merz beschlossen, keinerlei Wahlkampfauftritte mehr für seine Partei zu absolvieren. Auch nicht in Sachsen und Thüringen, wo für die CDU in diesem Jahr schwierige Landtagswahlen anstehen. In den mitteldeutschen Landesverbänden wird die Entscheidung von Merz bedauert.

von Sebastian Hesse, MDR AKTUELL

Der CDU-Politiker Friedrich Merz auf der CDU-Regionalkonferenz am 21.11.2018 in Seebach.
Für die CDU in Thüringen und Sachsen bleibt Friedrich Merz ein Hoffnungsträger. Doch der CDU-Politiker hat sich jetzt aus dem Wahlkampf zurückgezogen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wenn es nach der CDU-Thüringen ginge, dann wäre Friedrich Merz am kommenden Wochenende im Eichsfeld zu Gast, beim traditionellen Schlachte-Essen der Union. Merz' Absage an jegliche Wahlkampfauftritte bedauerte Raymond Walk, der Generalsekretär der CDU in Thüringen, gegenüber MDR AKTUELL. Es bliebe aber bei einer stehenden Einladung in den Freistaat, denn Merz sei immer ein gern gesehener Gast bei ihnen. Walk ergänzt, dass Merz bei vielen Mitgliedern und Bürgern großes Vertrauen genieße.

Klar ist aber auch: Über das ob und wie eines Einsatzes im Wahlkampf entscheidet er selbstverständlich allein. Das gilt es zu respektieren.

Raymond Walk | Generalsekretär CDU Thüringen

Öffentlicher Hilferuf

Thüringens CDU-Landeschef Mike Mohring, der im September den Linken Bodo Ramelow vom Thron stoßen möchte, hatte wiederholt öffentlich bei Friedrich Merz um Wahlkampfhilfe gebeten. Zuletzt in einem Interview mit dem NDR: "Mein Wunsch ist, dass er im Wahlkampf in Thüringen und auch in Sachsen, so hat es Michael Kretschmer formuliert, auch mit eingreift und dabei ist. Und da geht’s ja nicht darum, dass er den Wahlkampf führen soll. Sondern es geht darum, dass er auch mit Auftritten dabei ist, damit die Leute sehen: Für was steht diese CDU? Auch in diesen Bundesländern. Und für was steht die CDU insgesamt in Deutschland?"

Merz überzeugt mitteldeutsche Landesverbände

Beim Rennen um den CDU-Vorsitz war Friedrich Merz Favorit der mitteldeutschen Landesverbände. Auch aus den hiesigen Regionalkonferenzen war der Konservative als Gewinner hervorgegangen. Beeindruckt hatte offenbar seine unbekümmerte Angriffslust.

Und dann traue ich mir zu, die AfD mit ihren Wählerinnen und Wählern zu halbieren! Das geht!

Friedrich Merz | CDU

Rückgewinn von Wählern wichtig

"Wir überlassen den Osten des Landes nicht den Populisten von rechts und links", hatte er dann bei seiner Antrittsrede auf dem Hamburger Parteitag angekündigt. Das Rückgewinnen abtrünniger Konservativer sollte sein Projekt werden. Merz habe das Gefühl, dass sich immer mehr CDU-Wähler in nationalistischen, rechten Parteien besser aufgehoben fühlen als bei der CDU. Merz sehe aber ein, dass er sich nicht um alle bemühen kann, denn "manche sind unverbesserlich. Aber ein beachtlicher Teil müsste eigentlich zurückzugewinnen sein!"

Ein Bedürfnis nach Merz

Genau das hat sich die CDU-Sachsen vorgenommen, für die die AfD eine besondere Herausforderung darstellt. Die Rechtspopulisten waren bei der Bundestagswahl vor der Union stärkste Kraft geworden. Generalsekretär Alexander Dierks argumentierte kurz vor dem Jahreswechsel bei MDR AKTUELL, Merz stehe trotz seiner Niederlage in der Pflicht.

Wenn ich von circa 48 Prozent der Delegierten gewählt wurde, dann gibt es offensichtlich auch ein Bedürfnis nach einer Person, die so ist wie Friedrich Merz.

Alexander Dierks | Generalsekretär CDU Sachsen

Dass Merz dieses Bedürfnis in Sachsen nicht befriedigen wird, dazu wollte sich Dierks auf Anfrage ausdrücklich nicht öffentlich äußern.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Januar 2019 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2019, 06:05 Uhr

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47 Kommentare

26.01.2019 08:15 AUFSTEHEN 47

gestern Abend überzeugte Bodo Ramelow bei Riverboat ergo bliebe nur noch Sachsen für Merz und das wird er sich nicht antun König Kurt war anderes Kaliber

25.01.2019 22:03 Fritz an Stena (38) 46

Ergänzung zu Fritz Fortsetzung 1 (35)
"Das heißt wohl bei obigen Kommentatoren - CDU nach LINKS gerückt. Frau Merkel hat auch die Flüchtlinge nicht am Händchen selbst geholt, dafür gibt es andere Gründe. Die Außengrenzen der EU halten inzwischen. Das sind auch demokratische Werte, die die CDU verteidigt".

Zu Stena (38)
Mein Text beginnt mit Fritz (31), bitte lesen.
Ihre Antwort (38) kann ich nicht deuten.
Ich bin überzeugt, die CDU/SPD bleibt stark, die Zukunft weiterhin zu gestalten und die Flüchtlingsaufgabe wird im Lernprozess noch weiter im Sinne der Bundesrepublik und der 27 EU-Länder verbessert.
Im übrigen finden Sie im Erfurter Parteiprogramm der Partei Die LINKE Visionen Europa sozialistisch umzugestalten und auch mit Russland ...Hier sind mit der AFD- visionäre Ähnlichkeiten zu vermerken, die ich nicht unterstütze. Russland ist nicht demokratisch. Das stützt meinen Wunsch nach Stärkung der CDU als stabilen Pol im jetzt.

25.01.2019 15:17 Rademacher 45

Für mich als Wechselwähler wäre eine Merz-Union durchaus interessant gewesen. Eine AKK-Union scheint mir zu sehr auf dem Weiter so Tripp und kreativlos. Wirklich toll und überzeugend finde ich zurzeit keine Partei. Man muss von Wahl zu Wahl entscheiden. Auf Landesebene stehen andere Themen im Vordergrund als auf Bundesebene, die Kompetenzen und Aufgaben von Bund, Land, EU, Kommune sind auch verschieden. So ist die CDU auf Landesebene und für den Kreistag eventuell für mich wählbar, im Bund zurzeit definitiv nicht und zur Europawahl weiß ich gar nicht, wen ich wählen soll...Die SPD ist schon seit langem bei mir unten durch. Zu inkompetent, zu bürgerfern, zu sehr wie die Grünen, zu inhaltsleer.@Nr. 41: Die politischen Verhältnisse von Frankreich und GB wollen wir in Deutschland bestimmt nicht. Die taugen nicht als Vorbild.

25.01.2019 12:01 Generation 55+ 44

mit Angebot als MP in Sachsen-Anhalt würde Haseloff punkten, könnte als Sprungbrett AKK die Kanzlerschaft kosten und würde Postengeschacher auslösen.

25.01.2019 08:42 Bernd L. 43

Ein BlackRock Bänker wäre ohnehin nix für den Osten.

25.01.2019 08:25 Realist2014 42

Friedrich Merz wäre mit seinem Realismus, seiner Wirtschaftskompetenz und seiner Neigung, ohne Umschweife Tacheles zu reden, gut für Deutschland gewesen. Dass er der Richtige für die CDU gewesen wäre, zeigen allein schon die Hassparolen, die faktenlosen Vorwürfe und das wenig substantiierte Geschwätz („neoliberal“) sowohl aus dem linken Lager als auch von überzeugen AfD-Anhängern (die wissen, das Merz der AfD massiv Wähler abjagen könnte). Aber der Parteitag hat sich knapp gegen den liberal-konservativen Merz entschieden und Minister ist er auch nicht. Was bringt es, wenn Merz im Wahlkampf auftritt, gute Reden hält und wahre Worte spricht, aber doch nichts ändern kann? So gesehen ist er da nur konsequent!

25.01.2019 05:58 erfurter puffbohne 41

es ist schon bemerkenswert zu sehen, dass viele leute in deutschland sich wie kindergartenschuetzlinge verzweifelt an politikerpersonen klammern und diesen ungeahnte retterfunktion zuschreiben. da liegt das dilemma in deutschland. es ist schon fast wie personenkult. es fehlt nur noch das bild der retter in schulen und amtsstuben.
man schaue mal nach frankreich und uk, da gibt es sowas nicht.

24.01.2019 22:30 REXt 40

Merz braucht keinen Wahlkampf für die CDU machen, gerade im Focus gelesen, AKK beliebteste Politikerin Lt. Umfrage, noch vor Merkel, wer hätte das gedacht, da kann sich die CDU jeglichen Wahlkampf sparen, die Bürger fliegen alle auf AKK. Jetzt verliert auch die AFD noch den Osten in der Wählergunst.

24.01.2019 18:08 Demut 39

Merz hätte doch gar keine Zeit für einen Wahlkampf! Er hat doch bei Blackrock genug zu tun. Es gibt in D immer mehr Millionäre, die Multimillionäe werden wollen. Für solche Leute sind doch unsere CDU-ler gerne da!

24.01.2019 17:54 Stena an Fritz (35, 36, 37) 38

Ich habe mir doch tatsächlich Ihr Konvolut an Behauptungen durchgelesen.
Leider haben Sie anscheinend vergessen aufzuführen, das die AfD die DDR wiedererrichten will. Das ist doch so, oder?

Sind Sie eigentlich ein "besorgter" CDU-Bürger?