Hand mit Messer
Wenn bei einer Straftat eine Schusswaffe im Spiel ist, wird dies statistisch erfasst. Für Messer hingegen gilt das nicht. Einige Bundesländer wollen das nun ändern, andere zweifeln an der Sinnhaftigkeit einer Statistik über Messerangriffe. Bildrechte: Colourbox.de

Kriminalstatistik Thüringen erfasst Messerangriffe - Sachsen und Sachsen-Anhalt zögern

Die Forderung ist nicht ganz neu, denn schon Anfang des Jahres hatte die Gewerkschaft der Polizei sich zu Wort gemeldet: Eine belastbare Statistik zu Messerangriffen müsse her. In Nordrhein-Westfalen plant man nun die genaue Erfassung. Und in Thüringen hat der Innenminister seine Beamten angewiesen, Messerangriffe ab sofort immer genau zu vermerken. Wie sieht es in Sachsen und Sachsen-Anhalt aus?

von Anne-Marie Kriegel, MDR-AKTUELL-Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Hand mit Messer
Wenn bei einer Straftat eine Schusswaffe im Spiel ist, wird dies statistisch erfasst. Für Messer hingegen gilt das nicht. Einige Bundesländer wollen das nun ändern, andere zweifeln an der Sinnhaftigkeit einer Statistik über Messerangriffe. Bildrechte: Colourbox.de

Es ist September 2017, die letzte Unterrichtsstunde ist gerade vorbei, da sticht ein Gymnasiast aus Thüringen seinen Mitschüler nieder. Der Junge überlebt mit bleibenden Schäden. Gerade wurde der Täter zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Die Tatwaffe: ein Messer. Die Reihe der Vorfälle lässt sich mühelos fortschreiben, allein ein Blick in die Polizeimeldungen der letzten Tage genügt. Doch haben diese Angriffe tatsächlich in den letzten Monaten zugenommen? Bundesweit gibt es dafür bislang keine belastbare Statistik.  

Thüringens Innenminister will verlässliche Zahlen

Georg Maier, SPD, Innenminister Thüringen
Thüringens Innenminister Georg Maier. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Thüringen macht die Polizei seit 2012 einen Aktenvermerk bei Messerattacken. Die Zahl ist demnach seither deutlich gestiegen - innerhalb der vergangenen fünf Jahre von 225 auf 364 Fälle. Thüringens Innenminister Maier sieht Handlungsbedarf: "Das sind ganz gravierende Übergriffe, die da stattfinden. Insofern möchten wir dagegen vorgehen. Und wir müssen uns dazu aber natürlich ein genaueres Bild verschaffen: Wann kommen Waffen zum Einsatz, insbesondere Messer? Wie werden diese Messer geführt? Welche Art von Messern sind das? Da muss genau hingeschaut werden. Das haben wir aber bereits jetzt schon umgesetzt, also werden wir 2018 etwas dazu sagen können." Der Minister hat seine Beamten jetzt angewiesen, Messerattacken ab sofort immer genau zu vermerken. So sollen die Zahlen verlässlich werden.

Dresden verweist auf Innenministerkonferenz

Vergleiche zu anderen Bundesländern sind vorerst aber weiter nicht möglich. Denn dafür müssten sich alle 16 Bundesländer auf eine einheitliche Vorgehensweise einigen. Von einem Vorstoß wie aus Thüringen ist in Sachsen oder Sachsen-Anhalt nicht die Rede.

Auf Nachfrage von MDR AKTUELL heißt es aus dem Innenministerium in Dresden, man sei für eine Diskussion über eine geänderte Kriminalstatistik offen. Schriftlich heißt es weiter: "Mit dem Thema 'Bundesweit einheitliche und damit vergleichbare statistische Erfassung von Messerangriffen' wird sich auch die IMK [Innenministerkonferenz, Anm. d. Red.] auf ihrer Sitzung im Juni befassen. Den dort stattfindenden Austausch von Argumenten und die Abwägungen auch hinsichtlich der statistischen Möglichkeiten gilt es abzuwarten."

Stahlknecht bezweifelt Mehrwert

Innenminister Stahlknecht im Interview
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Den Vorsitz bei der Innenministerkonferenz führt momentan Sachsen-Anhalt. Innenminister Stahlknecht reagiert zögernd auf die Forderung, Messerangriffe gesondert in der polizeilichen Kriminalstatistik zu erfassen. Er habe seine Fachleute gebeten, das zu besprechen.

Im Gespräch mit MDR AKTUELL betont Stahlknecht, dem Thema gegenüber offen zu sein, trotzdem gibt er zu bedenken: "Man muss sich ja überlegen, wenn man das jetzt statistisch erfasst, was dann der Mehrwert einer solchen Erfassung ist. Wenn man dann sagen würde: Gut, wir brauchen strengere Regeln für den Besitz von Messern - die fallen ja teilweise eh schon unter waffenrechtliche Erlaubnisse. Und ich glaube nicht, dass jemand, der zu Hause ein Kartoffelschälmesser besitzt, möchte, dass er sich dafür eine waffenrechtliche Erlaubnis holen muss. Gleichwohl ist so ein Tatmittel auch einsetzbar."

Polizeigewerkschaft möchte Details

Die Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt würde eine genauere Registrierung von Messerangriffen begrüßen, auch wenn dies kompliziert sei. Wenn es in Zukunft eine Erfassung gebe, solle auch genau aufgeschrieben werden, ob ein Messer nur mitgeführt, die Gewalt mit einem Messer angedroht oder wirklich ausgeübt wurde. Denn eine Statistik, die nicht ausreichend unterscheide, helfe niemandem.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 11. April 2018 | 06:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. April 2018, 07:50 Uhr

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47 Kommentare

12.04.2018 22:12 Mediator an Dorfbewohner (42) 47

Argumente haben sie jetzt aber in ihrem Beitrag nicht gebracht!

Selbstverständlich bedeuten ansteigende Fallzahlen nicht automatisch steigende Kriminalität.

Beispiel Steuerbetrug:
Wenn in den Medien wieder von angekauften Steuer-CDs die Rede ist, dann steigt die Zahl der Selbstanzeigen und damit der registrierten Straftaten nach oben. Glauben sie, dass diese Leute vorher nicht auch Steuerstraftaten begangen haben?

Beispiel Verschärfung des Sexualstrafrechtes:
Trotz gleicher Zahl an "Pograpschern" hat man plötzlich eine steigende Zahl an Sexuastraftaten. Das hat schon die BY-Landesregierung durcheinandergebracht.

Beispiel #Metoo:
Weil sexuelle Übergriffe in den Medien thematisiert werden haben mehr Frauen den Mut solche Taten anzuzeigen. Selbst bei gleichbleibenden Übergriffen ergeben sich daraus steigende Fallzahlen.

Ist doch gar nicht so schwer und hat auch gar nichts mit Verharmlosung zu tun. Man muss sich ja nicht selbst belügen.

12.04.2018 21:08 Ritchi Freudenkinder 46

@ Janine 39

"@Ritchie(37): Vielleicht sollten sie einfach mal die Begleittexte der PKS lesen. Das ist erhellender, als rechten Spindoktoren hinterherzulaufen, die sich aus den tausenden von Einzelzahlen ein paar in ihr Konzept passende herausgesucht haben."

Ihr Schreibstil passt nicht zu sozial eingestellten und engagierten Menschen, sondern klingt eher wie der eines Undercover-Rechtspopulisten, der eine vernünftig denken und handelnde Gruppe in Misskredit bringen will. Ich engagiere mich mit anderen sozial Eingestellten in Flüchtlingsheimen für Flüchtlingskinder, niemand hat auch nur annähernd Ihre Wortwahl. Auch in den Foren der TS herrscht bei sozial eingestellten Kommentatoren ein angenehmer Umgangston.

Die von Ihnen geposteten Begleittexte kenne ich. Für mich ist weder Alter noch Geschlecht ein Entschuldigungsgrund für ein Verbrechen, und ich würde es sehr begrüßen, wenn Menschen, die hier Zuflucht suchen und finden dankbar sind und gar keine Verbrechen begehen.

12.04.2018 18:53 Mediator an Bernd L.(44) 45

Lieber Bernd,

wenn es so viele Beispiele für von Flüchtlingen gelegte Brände gibt, warum bringt ihresgleichen dann immer wieder die gleichen drei Beispiele?

Wenn in einem Haushalt ein Feuer ausbricht weil eine Leitung überlastet ist oder ein Topf auf dem Herd stehen gelassen wurde, dann nennt man dies übrigens nicht Brandanschlag sondern Haushaltsunfall.

Was man ihrer Meinung nach tun sollte und vergleichen kann ist übrigens völlig unerheblich, denn maßgeblich sind die Gesetze in unserem Land. Wenn sie Kinder für einen Ladendiebstahl auspeitschen wollen, dann besorgen sie sich politische Mehrheiten. Solange ihnen das nicht gelingt wird so ein Diebstahl sicher nicht als Kapitalverbrechen behandelt werden.

Ach ja: Glauben sie deutsche, insbesondere wenn sie jung und männlich sind, begehen nicht ebensolche Verbrechen wie sie sie gerne als sympthomatisch für Flüchtlinge darstellen? Sie müssen nicht antworten.

12.04.2018 18:00 Bernd L. 44

Janine 36:
Die von ihnen genannten Statistiken sagen nichts zum Problem. Wer will, findet Vergleichszahlen:
- Zu Bränden von Asylheimen gibt es Listen im Netz- Verursacher der meisten Brände sind Bewohner (etwa die 10 Millionen teure Halle in Düsseldorf), um die 10-15% wurden von außen gelegt.
- Zur Migrantenkriminalität hatte das sächs. Innenmin. nach AfD-Anfrage eine Liste veröffentlicht, die war sehr aussagefähig (z.B. 10
Tötungen).
Man kann kriminelle Handlungen von Migranten und Biodeutschen nicht vergleichen: wer in ein Land kommt, dort Schutz erhält, alimentiert wird und ein Delikt begeht (sei es nur ein Handydiebstahl), sollte sein Schutzrecht verlieren und sofort zurückgebracht werden.

12.04.2018 16:20 Fragender Rentner 43

In Hamburg hatte heute gegen Mittag auch jemand eine Frau und ein Kind erstochen, wie im Fernsehen kam. :-(

Er hätte sich auch der Polizei gestellt und es gemeldet.

12.04.2018 15:28 Dorfbewohner 42

@36

“...Die Statistik hat klare Grenzen und nicht jeder Anstieg von angezeigten Straftaten bedeutet einen Anstieg der Kriminalität…”,

genau, finden Sie noch einen Grund zur Verharmlosung?

Nur zu...

12.04.2018 14:22 martin 41

@38 Janine: Auch wenn (noch) keine seriöse Statistiken vorliegen: Sprechen Sie mal mit Rettungs-Sanitätern oder Notärzten, in deren Einsatzgebiet Flüchtlingseinrichtungen liegen. Durch Leugnen von Problemen oder kritische Äußerungen in die Hetzer-Ecke zu stellen, können die Probleme nicht gelöst werden. Aber der Populismus wird dadurch weiter befördert.

In diesen Einrichtungen sind die frustrierten jungen Männer deutlich überrepräsentiert. Aber auch bei frustrierten jungen deutschen Männern ist die Neigung Konflikte mit Gewalt lösen zu wollen, deutlich stärker ausgeprägt als im Querschnitt der Gesamtbevölkerung vom Baby bis zu den Hochbetagten.

Aber selbstverständlich spielen auch Faktoren wie die kulturelle Prägung und Sozialisation dabei eine erhebliche Rolle - meiner Meinung nach im Gegensatz zur konkreten Religion. Sozialisierungsunterschiede und dogmatisch bedingte Überlegenheitsvorstellungen haben wir übrigens herkunftsübergreifend auch bei den sog. "Biodeutschen".

12.04.2018 14:01 martin 40

@Max W.: Wenn Sie sich die Statistik genau anschauen, wird Ihnen auffallen, dass die Anzahl der Gewaltstraftaten insgesamt zurückgegangen ist. Die Wahrscheinlichkeit Opfer einer entsprechenden Straftat zu werden, ist mithin gesunken. Das ist die OBJEKTIVE Sicherheitslage.

Davon abweichend haben viele Menschen das Gefühl, dass das Risiko gestiegen ist, Opfer einer solchen Straftat zu werden. Ich mache diesen Menschen keinen Vorwurf daraus und es wäre gut, wenn diese Menschen ernster genommen und nicht immer als Spinner hingestellt würden. Aber das bleibt trotzdem deren SUBJEKTIVES Empfinden.

Von der Gesamtzahl abweichend ist der Anteil der Beteiligung von Messern als Waffe vermutlich angestiegen. Das Risiko Opfer einer Straftat mit Messerangriff zu werden ist auch vermutlich objektiv gestiegen. Doch den meisten Opfern dürfte es ziemlich schnuppe sein, ob sie mit einem Messer oder eine anderen Waffe angegriffen werden.

Von daher stellt sich der Sinn einer solchen Statistik.

12.04.2018 13:58 Janine 39

@Ritchie(37): Vielleicht sollten sie einfach mal die Begleittexte der PKS lesen. Das ist erhellender, als rechten Spindoktoren hinterherzulaufen, die sich aus den tausenden von Einzelzahlen ein paar in ihr Konzept passende herausgesucht haben.

Ich zitiere mal aus der PKS:

"Reelle Tatverdächtigenbelastungszahlen können für die nichtdeutschen Tatverdächtigen nicht errechnet werden, weil in der Einwohnerstatistik die amtlich nicht gemeldeten Ausländer fehlen, die sich hier erlaubt (..) oder unerlaubt aufhalten. Außerdem sind die Fortschreibungszahlen für die amtlich gemeldete ausländische
Wohnbevölkerung erfahrungsgemäß äußerst unzuverlässig."

oder

"Die Kriminalitätsbelastung der Deutschen und Nichtdeutschen ist zudem aufgrund der unterschiedlichen strukturellen Zusammensetzung (Alters-, Geschlechts- und Sozialstruktur) nicht vergleichbar."

Wer Äpfel mit Birnen vergleicht ist entweder dumm oder verfolgt damit ein bestimmtes Ziel. Suchen sie sich etwas aus.

12.04.2018 10:25 Janine 38

@Max W (33):
Hetze gegen Ausländer bleibt Hetze, egal ob ich pauschal behaupte, dass die kriminell sind aufgrund:
- ihrer Rasse
- ihrer Religion
- ihrer Sozialisierung

Benennen sie doch einmal einen Wissenschaftler, der ihre pauschale Aussage so bestätigt.

Was ist den in der Sozialisation von uns ostdeutschen in die Hose gegangen? Ist es der Atheismus oder der gescheiterte Sozialismus, der uns im Vergleich zu westdeutschen überproportional oft zu fremdenfeindlichen Brandstiftern, Terroristen oder schlicht rechten Gewalttätern macht?

Sie können ihre Vorurteile zwar in schöne Worte kleiden, aber am Ende bleiben es ganz krude fremdenfeindliche Vorurteile. Da könnten sie auch gleich sagen: ** Der Araber ist ein Messerstecher und deshalb sollten wir die alle raus hauen aus unserem Lande **.

Sorry, aber bricht man die schönen Worte weg bleibt dies das Niveau der rechtspopulistischen Diskussion.