Messer mit feststehender Klinge
Für Schusswaffen gibt es eine Statistik. Wenn es aber um die Frage geht, wie oft Messer bei Straftaten zum Einsatz kommen, fehlt der Überblick über die Zahlen. Muss sich das ändern? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Forderung der Gewerkschaft der Polizei Brauchen wir eine Statistik über Messerangriffe?

In Lünen in Nordrhein-Westfalen wird ein 14-jähriger Schüler erstochen – mutmaßlich von einem Mitschüler. Das ist nur einer von vielen Fällen der letzten Monate, bei denen ein Messer zur Tatwaffe wurde. Deshalb fordert Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, eine aussagekräftige Statistik zu Messerangriffen. Eine gute Idee?

von Christine Reißing, MDR AKTUELL

Messer mit feststehender Klinge
Für Schusswaffen gibt es eine Statistik. Wenn es aber um die Frage geht, wie oft Messer bei Straftaten zum Einsatz kommen, fehlt der Überblick über die Zahlen. Muss sich das ändern? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gefühlt kommen Messerangriffe häufiger vor als früher. Diesen Eindruck teilt auch Uwe Petermann. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Sachsen-Anhalt beobachtet, dass Messer oft gezückt würden – und sei es nur beim kleinsten Konflikt: "Das ist auch meine Einschätzung, dass das deutlich mehr geworden ist. Auch die Verwendung von Schreckschusswaffen und Ähnlichem, das nimmt schon zu, dass man sich ein Stück weit 'bewaffnet'."

Der Polizei fehlt ein Überblick

Auch Petermann wünscht sich, dass Messerangriffe in der polizeilichen Kriminalstatistik extra erfasst werden. So könnte der gefühlte Anstieg untermauert werden. Bisher geht das noch nicht, erklärt Andreas von Koß, Sprecher des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt: "Das hat im Grunde genommen den Hintergrund, dass die statistische Erfassung: 'Wann hat ein Täter ein Messer benutzt?' kein Pflichtfeld ist, wenn die Beamten das statistisch erheben."

Für Schusswaffen gibt es bei Gewalttaten ein solches Feld bereits. Für Messer aber liegen keine aussagekräftigen Zahlen vor. Für Rüdiger Erben, innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt, ist das eine unnötige Lücke: "Messer sind gefährliche Gegenstände. Und die Polizei hat jetzt nicht wirklich einen Überblick, wo welche Straftaten mit Messern begangen werden."

Prävention statt immer neue Statistiken

Die Entscheidung über die Statistik trifft die Innenministerkonferenz. Deren Vorsitzender Holger Stahlknecht von der CDU in Sachsen-Anhalt wollte sich dazu aber nicht äußern. Für Chris Schulenburg, den innenpolitischen Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, sind allerdings Zahlen nicht die Lösung: "Ich bin grundsätzlich kein Freund davon, ständig neue Statistiken einzuführen. Denn mit solch einer Statistik erfasst man das sogenannte Hellfeld, also das, was tatsächlich angezeigt wurde."

Am Dunkelfeld – also jenen Fällen, von denen die Polizei nichts erfährt - ändert eine Statistik Schulenburg zufolge aber nichts. Stattdessen schlägt er Prävention und Schwerpunktkontrollen vor, maßgeblich an Schulen. Denn dort seien nicht nur Messer zum Problem geworden, meint er:

Ob nun Schraubenzieher oder eine abgebrochene Flasche oder ein Messer oder eine Schusswaffe: Es ist letztendlich ein gefährlicher Gegenstand – egal, wie ich den statistisch erfasse.

Chris Schulenburg, CDU Sachsen-Anhalt

Für mehr Kontrollen fehlt Personal

Das sieht auch Uwe Petermann von der GdP Sachsen-Anhalt so. Eine Messerstatistik ist ihm zufolge zwar nützlich, um einen Überblick zu bekommen, wichtiger aber sei, dass gar nicht erst so viele Messer in der Öffentlichkeit herumgetragen werden: "Das ist, glaube ich, das größere Problem. Und die größere Aufgabe, die auch die Polizei hat: auf solche Entwicklungen sozusagen schon im Vorfeld einzuwirken. Etwa bei Kontrollen vor Diskotheken und dergleichen schon ein Auge darauf zu haben." Für mehr Kontrollen, so Petermann, fehle der Polizei im Moment allerdings das Personal.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2018 | 04:48 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2018, 09:34 Uhr

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20 Kommentare

30.01.2018 21:25 konstanze 20

es wollte ja keiner wahrhaben: "mit messerattacken" "IS ruft "totalen krieg" gegen alle europäer aus (06.10.2016) - ....jeder, der ein messer besitze, könne demnach im sinne des IS einen terroranschlag verüben - in kleinen gassen, im wald oder auch am strand." (quelle: krone.at) sie schreien es euch ins gesicht, doch ihr wollt es einfach nicht hören !

30.01.2018 17:42 jochen 19

Wie tönte die Merkel vor kurzem ?
"Rückführung, Rückführung und nochmal Rückführung".
Was ist davon geworden ?

Nichts.

29.01.2018 17:13 Querdenker 18

siehe „phoenix Thema: Wahl 2017 Innere Sicherheit youtube“

Ein langjähriger Polizist in Berlin Neukölln ab Minute 38 im Video Zitat: „... Es gibt ja bei uns leider eine Vielzahl vom Messerangriffen. Immer wieder jeden Tag möchte ich sagen, gibt es hier drei, vier Messerattacken, wo also die Opfer in der Regel schwer verletzt werden und der Täter nach 4 Stunden wieder entlassen wird, weil er eben einen festen Wohnsitz hat und weil dieses Delikt „gefährliche KV“ ja bloß ein Vergehen ist. Aus meiner Sicht wäre es wichtig, dass man als Politiker jetzt auch mal konsequent sagt: Die „gefährliche KV“ wird zum Verbrechenstatbestand hochgehoben wie zum Beispiel der Wohnungseinbruch. ...“

gefährliche KV = gefährlichen Körperverletzung

Ein Skandal in unserem Land! Ich habe es noch in den Ohren „Wir tun alles Mögliche, um die Bürger zu beschützen“

Alles nur Gelaber und Beruhigungspillen für die Bevölkerung!

29.01.2018 15:20 Fragender Rentner 17

Wie soll mal ein englischer Politiker gesagt haben, traue nur dieser Statistik, die du selber gefälscht hast.

29.01.2018 13:40 Atheist aus Mangel an Beweisen 16

Ich muss mich schon sehr wundern, seit es in den Schulen wieder Religion gibt, seit die Schulen nicht mehr Wilhelm—Pick sondern Schule ggen Rassimus heißen, bringen die Schüler nicht ihren Pionierausweis sondern Messer mit.
Ich wollte 89 das es mal meinen Kindern besser geht und nicht das meine Enkel in der Schule bedroht wird.

29.01.2018 13:20 Brennabor 15

Das ist nur eine Forderung der Gewerkschaft der
Polizei und so etwas muss grundsätzlich nicht
eingelöst werden. Außerdem wäre so eine
Statistik völlig nutzlos !!!!

29.01.2018 13:03 Atze 14

@D.o.M. 11:

Mit Ihrem Beitrag bin ich einverstanden.MfG

29.01.2018 12:15 Max W. 13

Brauchen wir eine Statistik über Messerangriffe?

Ja - und zwar mit Erfassung der Ethnie des Täters.

29.01.2018 12:10 REXt-M.i.a.E.,R.! 12

Da der erste Kommentar für die Tonne war! Solange man die Täter nicht so benennt, wie es sich gehört( mit Nationalität), solange lohnt sich auch keine Statistik, den die würde auch nur wieder „verschönt“ u. seit die Tore seit 2015 offen stehen, seit dem gibt immer mehr Messerattacken! Zufall?

29.01.2018 11:32 D.o.M. 11

Ich beantworte die Frage aus der Überschrift: Nein! Wir brauchen eine konsequente und prophylaktische Abschiebung der Messerträger statt einer krankhaft überzogenen Willkomenskultur.