Wohnungsmarkt Mietendeckel – sinnvoll für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt?

Wohnen wird in Deutschland immer teurer. Vor allem in Großstädten wie Hamburg, Berlin und München. In Berlin soll der Mietendeckel Abhilfe schaffen und die Mieter schützen. Dieser wird allerdings vor dem Bundesverfassungsgericht beklagt. Der Deutsche Mieterbund fordert nun einen bundesweiten Mietendeckel, der nur mit der Inflation steigt. Kommt der für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen infrage?

Rotes Aushängeschild "Wohnung zu vermieten" vor einem Mietshaus.
Wäre ein Mietendeckel sinnvoll in Mitteldeutschland? Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Wer mit dem Rad durch die Magdeburger Altstadt fährt, kann viele Neubauten bestaunen. Hochpreisige Wohnungen sind hier in den vergangenen Jahren entstanden – ein Stück weiter flusswärts am Alten Elbbahnhof ein ganzes Quartier.

Mietenstopp in Sachsen-Anhalt und Sachsen "kein Thema"

Trotzdem liegen die Mieten in Sachsen-Anhalt so niedrig, dass ein Mietenstopp hier überhaupt kein Thema sei, teilt der zuständige Minister Thomas Webel von der CDU mit. Hierzulande gebe es genug bezahlbaren Wohnraum für alle, 190.000 Wohnungen stünden leer. Die durchschnittliche Miete pro Quadratmeter liege in Sachsen-Anhalt bei 4,90 Euro. In Berlin oder Hamburg bekäme man dagegen die billigste Sozialwohnung ab 6,50 pro Quadratmeter, heißt es weiter aus dem Ministerium.

Ein ähnliches Bild auch in Sachsen. Hier ist CDU-Mann Thomas Schmidt Minister für Regionalentwicklung und zuständig für Bauen und Wohnen. Ein pauschaler Ansatz, wie ihn der Mieterbund fordert, sei falsch. "Ganz im Gegenteil. Wir müssen individuelle Lösungen finden. Und nur dort, wo es notwendig ist, denn es ist ein sehr starker Eingriff in Vertragsgestaltung und wenn ich in große Teile Sachsens schaue, wo die Mieten nicht so stark steigen, oder auf einem tiefen Niveau sind, wo sie durchaus auch steigen könnten, dann wäre so ein Ansatz völlig falsch."

Eigentümer sehen Mietendeckel skeptisch

Auch bei beim Eigentümer-Verband Haus und Grund lehnt man den Mietenstopp ab. In seinem Verband seien vor allem Kleinsteigentümer mit einer, zwei oder drei Eigentumswohnungen, so der Präsident des sächsischen Landesverbandes René Hobusch. Einzelne Mitglieder hätten auch mal ein ganzes Mietshaus für die Altersvorsorge.

"Auch wenn es nicht zu solchen Mietdeckelungen kommt, allein die Debatte führt dazu, dass sich unsere Mitglieder verunsichert fühlen, ihre Wohnungen verkaufen, ihre Wohnhäuser verkaufen. Und die, die sie dann in der Regel kaufen sind dann institutionelle Anleger und das führt dazu, dass dann dort Sanierungen stattfinden, und Mietsteigerungen stattfinden, die mit privaten kleinen Vermietern in der Weise nicht stattgefunden hätten."

Erfurt und Jena setzen auf Mietpreisbremse

Zwar gebe es in einigen wenigen Städten in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen eine gewisse Knappheit auf dem Wohnungsmarkt, aber es gebe keine völlig angespannten Wohnungsmärkte. Die Diskussion sei fehl am Platz.

Das sieht der Linke Benjamin-Immanuel Hoff anders. Thüringens Infrastruktur und Landwirtschaftsminister sagt, ein Mietenstopp sei ein durchaus unterstützenswertes Anliegen, die Diskussion sei immer richtig. "Wir haben die Mietpreisbremse in Erfurt, auch in Jena. Und insofern arbeiten wir mit Instrumenten. Und ich würde die Aufforderung des Mieterbundes jetzt eher dazu nutzen auch mit dem Thüringer Mieterbund das Gespräch darüber zu führen, welche Verbesserungsnotwendigkeiten der Mieterbund hier in Thüringen sieht."

In den verschiedenen Regionen Deutschlands sei die Mietsituation sehr unterschiedlich, sagt aber auch Hoff und stimmt in diesem Punkt mit seinen Kollegen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt überein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. Juli 2020 | 06:17 Uhr

13 Kommentare

Paule vor 4 Wochen

@ Peter, gerade in Berlin und Umland springen gerade die Investoren reihenweise ab. Es gibt genügend geplante Neubauprojekte, welche jetzt erst einmal auf Eis liegen und nicht verwirklicht werden. Das ist die Nebenwirkung des Mieterdeckels. Damit werden natürlich auch weniger Bestandsimmobilien frei. Was passiert, wenn es weniger Wohnungen gibt Und der Zuzug nicht nachlässt? Die Preise steigen. Ich kenne tatsächlich einige kleine, private Vermieter im Raum Jena, Weimar, Erfurt, die ihre Wohnungen heute lieber leer stehen lassen. DIe gibt es vermehrt auch in anderen Städten und Großstädten.

Paule vor 4 Wochen

@ Chrizzle: Versuche mal heute eine Wohnung über einem Makler zu mieten? Die wenigsten bieten noch Miet-Wohnungen an. Maximal, wenn ein Investor eine Wohnung bei dem Makler gekauft hat und der Makler diese eben gleich mit kostenlos als Mietobjekt vermittelt. Die Arbeit und der Aufwand des Maklers für eine Mietwohnung ist identisch der, einer Kaufwohnung. Nur bei einer Kaufwohnung verdient er am Ende keine 2 Monatsnettokaltmieten, sondern 5-6% des Kaufpreises. Kleine private Makler stecken sich die gesamte Courtage an, Makler von großen deutschlandweiten oder weltweiten Anbietern, bekommen dann auch nur 15-20 % von den 5-6 %.

Wie gesagt, nicht der Makler ist für die Verteuerung von Miet- oder Kaufpreisen verantwortlich, sondern die Eigentümer, die den Hals nicht voll genug bekommen. Ist dem Eigentümer der realistisch ermittelte Preis des Maklers zu wenig, geht er zum nächsten Makler (Maklercasting).

Paule vor 4 Wochen

@ Crizzle: Lese mal das Bestellerprinzip. Der Makler muss für den Kunden auf die Suche nach einer passenden Wohnung gehen. Nur dann erfüllt er den Vertrag. Er könnte dir ja ansonsten eine Wohnung von einem Vermieter anbieten. Das untersagt das Bestellerprinzip.

Wie kommt denn ein Makler an eine Immobilie? Egal ob Miete oder Kauf? Mit Kaltaquise. Er muss Türklinken putzen, Werbung verteilen und Kontakte knüpfen. Nur in den seltensten Fällen kommt die Immobilie zum Makler und das ist auch die Hauptaufgabe eines Maklers. Die Besichtigung und der Abschluss ist dann die Belohnung für die ganze Vorarbeit. Manchmal arbeitet ein Makler mehrere Jahre an einer Immobilie, eher er sie in die Vermarktung bekommt. Wenn ein Makler nichts akquiriert, hat er auch nichts zu vermarkten.
Nur früher konnte er bei der Vermietung eine Wohnung auch anderen Interessenten anbieten. Das darf er nach dem Bestellerprinzip heute nicht mehr. Hat er die Wohnung im Portfolio, muß der Interessent ihn nicht bezahlen.