Verkehr Gera will die Zukunft der Mobilität erforschen

Anfang März hatte Bundesverkehrsminister Scheuer ein Mobilitätszentrum der Zukunft mit Sitz in München angekündigt. Eine halbe Milliarde Euro soll es vom Bund geben, um zu erforschen, wie sich Menschen in Zukunft fortbewegen oder wie Waren transportiert werden. Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat nun Gera als möglichen Standort ins Spiel gebracht. Und so aussichtlos scheint dieser Vorschlag gar nicht.

Gera: Anja Siegesmund (Grüne),  Umweltministerin von Thüringen, steht mit Mund- und Nasenschutz vor dem Klima-Pavillon.
Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund, hier vor dem Klima-Pavillon in Gera, hofft, dass der Fortschritt der Mobilität nicht nur in München, sondern auch in der Thüringischen Zukunftsschmiede gestaltet wird. Bildrechte: dpa

Als Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hörte, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer entschieden hatte, München sei der beste Standort für das "Deutsche Zentrum Mobilität der Zukunft", schrieb sie ihm kurzerhand einen Brief. Darin listete sie all die Vorteile auf, die Gera zu bieten hat und bat Scheuer, seine Standortentscheidung für das 500-Millionen-Euro-Projekt noch einmal zu überdenken.

Scheuer: Thüringen als innovative Akteurslandschaft bekannt

Scheuers Antwort stimmt die Grünen-Politikerin zuversichtlich: Scheuer habe geschrieben, dass die Arbeit eines Zentrums für nachhaltige Mobilität nicht allein auf den Standort München beschränkt sein soll. Das sei der entscheidende Schritt, sagt Siegesmund: "Die Tür steht jetzt auf. Die Tür steht auf für Gera und die Region Ostthüringen, hier zum Zug zu kommen. Dafür wollen wir uns einsetzen. Herr Scheuer schreibt, dass es an anderen Standorten Anwender- und Erprobungsstandorte geben soll."

In dem Brief, der MDR AKTUELL vorliegt, schreibt der Bundesverkehrsminister außerdem:

Andreas Scheuer
Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister Bildrechte: imago/Chris Emil Janßen

Die Aktivitäten in Thüringen zum Thema autonomes Fahren und vernetztes Fahren, u.a. mit dem Kompetenzzentrum Gera, sind mir bekannt. In Thüringen hat sich in der Tat in den letzten Jahren eine interessante und innovative Akteurslandschaft entwickelt. Vor diesem Hintergrund sollten wir gemeinsam überlegen, in welcher Form wir diese Akteurslandschaft verknüpfen können.

Andreas Scheuer, Bundesverkehrsminister

Gemeinsam mit Geras Oberbürgermeister möchte sich Siegesmund jetzt zum Gespräch mit Scheuer treffen – gern direkt in Gera.

Hochschulstandort mit Fokus auf Technik

Unterstützung kommt auch von Unternehmern aus der Region. Der Studenten-Förderverein Gera hat über 200 Mitglieder – Unternehmen wie Privatpersonen – die den Hochschulstandort Gera stärken wollen. Der Vorsitzende des Vereins, Heiko Wendrich, zählt auf, was aus seiner Sicht für ein Mobilitätszentrum der Zukunft in Gera spricht. Neben dem Kompetenzzentrum für autonomes Fahren nennt er die duale Hochschule Gera-Eisenach: "Diese Hochschule hat eine relativ starke Techniksparte, gerade in Richtung Elektrotechnik, Elektronik und Informatik. Dort wäre also auch ein kompetenter Partner für so ein Zentrum vorhanden, der auch enorm praxisnah ist." Ein weiterer Vorteil sei die enge Vernetzung der dualen Hochschule mit der Wirtschaft.

Gera verspricht bezahlbare Flächen und Infrastruktur

Anders als in München gebe es in Geras Zentrum außerdem bezahlbare Flächen, auf denen ein Mobilitätszentrum angesiedelt werden könnte, sagt Wendrich. Mehrere Automobilhersteller und -zulieferer befänden sich in unmittelbarer Nähe, außerdem mehrere Technische Universitäten und ein Flugplatz, der nicht im Linienbetrieb ist. Dort könne Forschung betrieben werden.

Neben Geras parteilosem Oberbürgermeister Julian Vonarb und der grünen Umweltministerin Siegesmund setzen sich auch SPD- und CDU-Bundestagsabgeordnete für die Stadt ein. Der Vorsitzende der CDU-Landesgruppe Thüringen im Bundestag, Manfred Grund, schreibt MDR AKTUELL:

Dass die Standort-Entscheidung pro München ausgefallen ist, war für die Thüringer CDU-Abgeordneten enttäuschend, da sie (…) dem erklärten Ziel der Bundesregierung widerspricht, neue Bundeseinrichtungen, dazu zählen auch Institute und Forschungseinrichtungen, vorrangig in den neuen Bundesländern anzusiedeln.

Manfred Grund, Vorsitzender CDU-Landesgruppe Thüringen

Auch Manfred Grund wurde vom Bundesverkehrsministerium versichert, dass sich die künftige Arbeit des Zentrums nicht allein auf den Standort München beschränken werde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2020 | 05:00 Uhr

9 Kommentare

Eulenspiegel vor 10 Wochen

Hallo Katacrypticus
Ich denke an ihrer Kritik ist sicherlich was dran. Aber wieso beziehen sie sich da nur auf den Osten? Ich denke die Bevorzugung Bayern betrifft doch auch die anderen Bundesländer im Westen.

katacrypticus vor 10 Wochen

Ich bin auch jemand, der vieles kritisch sieht. Aber dieses Engagement finde ich wirklich gut. Was mir jedoch ernste Bedenken bereitet, ist die Antwort von Herrn Scheuer! Zitat aus dem Artikel: “Scheuer habe geschrieben, dass die Arbeit eines Zentrums für nachhaltige Mobilität nicht allein auf den Standort München beschränkt sein soll. [...] Herr Scheuer schreibt, dass es an anderen Standorten Anwender- und Erprobungsstandorte geben soll."
Das ist doch wieder mal westdeutsches Politiker-Floskel-Blabla, womit Ostdeutschland gern abspeist wird. Für mich bedeutet diese Aussage, dass das Kompetenzzentrum und die Arbeitsplätze in München angesiedelt werden und Gera erhält vielleicht eine Teststrecke, die von 1 oder 2 Mitarbeitern aus München betreut wird, welche dafür ab und zu mal nach Gera gerutscht kommen.
Ich hoffe echt, dass ich mit dieser Beurteilung falsch liege und dass sich dieses Engagement wirklich auszahlt. Dafür viel Erfolg ... und ja nicht locker lassen!!!

Atheist vor 10 Wochen

Lach, 5,2 % als Erfolg zu bezeichnen ist schon mehr als lachhaft, und von welcher Zukunft sprechen Sie? Meine und Ihre wird es mit Sicherheit nicht sein.