Schlosspark Moritzburg in Zeitz
Schlosspark Moritzburg in Zeitz Bildrechte: MDR/Oliver Jueterbock

Nach der Braunkohle Ein Zukunftsinstitut für Zeitz?

Was kommt nach der Braunkohle? Die Frage stellt sich nun wirklich konkret. Spätestens 2038 wird Schluss sein mit der Kohle, so hat es die zuständige Kommission empfohlen. Aber was stattdessen? Wo und in welchen Branchen sollen Ersatz-Arbeitsplätze entstehen? In Sachsen-Anhalts Innenministerium denkt man da ganz groß. Jedenfalls die Staatssekretärin Tamara Zieschang von der CDU tut das. Sie schlägt vor, etwa die Region um Zeitz zu einer Smart-Region samt Zukunftsinstitut aufzubauen.

von Anne-Marie Kriegel, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt

Schlosspark Moritzburg in Zeitz
Schlosspark Moritzburg in Zeitz Bildrechte: MDR/Oliver Jueterbock

Zeitz ganz im Süden von Sachsen-Anhalt. Knapp 24.000 Einwohner. Bekannt für Knusperflocken, Braunkohle, den hohen Leerstand in der Stadt. Ganz langsam siedeln sich Kunstschaffende an und nutzen den Freiraum und die Nähe zu Leipzig.

Modellregion für die digitale Welt

Zu ihnen sollte auch ein Zukunftsinstitut kommen, ist Tamara Zieschang überzeugt. Die Staatssekretärin des Inneren will dafür einen großen Wurf wagen.

Tamara Zieschang
Tamara Zieschang Bildrechte: Tamara Zieschang

"Zeitz oder die Ecke um Zeitz, Naumburg und Leipzig soll zu einer echten Modellregion für die digitale Welt von morgen werden. Das heißt, Menschen sollen die Gelegenheit haben, ihre Ideen auch konkret vor Ort anzuwenden."

Mit einer Stiftung und 500 Millionen Euro will Zieschang internationale Wissenschaftler für die Region interessieren, ganz vorn mitspielen. Selbstfahrende Autos, Roboter, die sich um die Gesundheitsversorgung kümmern oder unterrichten. Alles denkbar, alles vage. Wie viele Menschen sollen im Institut arbeiten, wo genau soll es stehen? Das alles lässt die vierseitige Ideenskizze offen.

Oberbürgermeister freut die Idee

Trotzdem freut sich der Zeitzer Oberbürgermeister Christian Thieme. In seinem Büro sitzt er in einem schweren Ledersessel. Grübelt, während der Kaffee in seiner Tasse kalt wird. "Ein Zukunftsinstitut wäre mehr, als man sich je zu erträumen wagte. Ich stehe dem Ganzen sehr offen gegenüber, weil es die große Chance wäre. Es würde sich perfekt einfügen in eine Entwicklung, die die Stadt nehmen wird hin zu einer Künstler- oder Kreativmetropole. Das sind Entwicklungen, die sich gegenseitig befruchten werden."

Wirtschaftsminister: Erstklassige Chance

Auch im Wirtschaftsministerium ist man auf den Vorschlag aus dem Innenressort aufmerksam geworden. Wirtschaftsminister Armin Willingmann erklärt schriftlich, man begrüße alle Vorschläge zur Stärkung des Wissenschaftsstandorts und dessen Ausbau: "Dies gilt insbesondere in Halle und Magdeburg, wo durch die Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstitute eine erstklassige Chance zur Anbindung von Wissenschaft auf internationalem Niveau besteht. Eine stärkere Orientierung darauf ist für die Zukunftssicherung Sachsen-Anhalts unerlässlich." 

Wissenschaft eher skeptisch

Leise Kritik aus dem Ministerium formuliert Joachim Weimann von der Otto-von-Guericke Universität viel deutlicher. Ein Zukunftsinstitut brauche weltweit führende Wissenschaftler, sagt der Professor für Volkswirtschaft. "Das bedeutet, dass sie als Zeitz konkurrieren mit Standorten wie München, wie San Francisco, die University of Berkeley oder mit Berlin. Die ganz großen Nummern. Im Vergleich mit denen haben sie als Newcomer, als ein Nobody, der mit 500 Millionen ausgestattet auf der grünen Wiese versucht, etwas zu etablieren, null Chance."

Auch ifo-Institut nicht überzeugt

Auch Joachim Ragnitz, Vize-Chef vom Dresdner ifo-Institut, sieht den Vorschlag kritisch. "Da hilft es nichts, wenn man jetzt visionäre Zukunftskonzepte für so eine Region am grünen Tisch irgendwo auf der übergeordneten politischen Ebene entwickelt. Die Ideen müssen eigentlich in der Region selber entwickelt werden." Was Staat und Politik bleibe, sei Investitionen zu fördern, Straßen und Bahnstrecken zu bauen und schnelles Internet in die Region zu bringen. Dann werde sie attraktiv für die Wirtschaft, sagt Ragnitz.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2019 | 05:19 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 05:00 Uhr

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21 Kommentare

29.01.2019 15:39 Fragender Rentner 21

Wird das dann so wie in Dessau mit einer Bundesbehörde verlaufen?

29.01.2019 12:35 J. Hirsch 20

Grundsätzlich eine gute Idee, aber rechnet nicht mit Hilfe und dem Verständnis der Eingeborenen, sondern bringt neue Leute mit bzw. macht es mit denen die seit kurzem dort sind.
Zu viele gebrochene Biografien und Menschen, die Jahr für Jahr mit ansehen mussten, wie die Jugend und Energie aus der Region entweicht, gibt es dort, als dass sie sich für derart unkonkrete Visionen aufraffen könnten.

29.01.2019 11:11 Tim 19

Vielleicht könnte mir endlich mal jemand erklären, gerne der MDR,
wo der Strom herkommen soll!!!
Bis 2038, ca. 50% weniger durch Abschaltung Kernkraft, Braunkohle, Steinkohle! Dazu wird 20% mehr für Elektroautos benötigt. Und kommen Sie mir nicht mit den Phrasen...durch Erneuerbare! Das ist nicht machbar und nicht speicherbar.

29.01.2019 10:53 kleinerfrontkaempfer 18

Westimport Zieschang plant wohl schon die nächste Karrierestufe.
Elitearbeitsplätze müssen her. Das hat dann Folgen für andere bodenständige Arbeitsplätze für die gebeutelten Kohlekumpel. Überhaupt: Wann werden noch wieviele Kumpel gebraucht? Wieviele werden den Endtermin noch "Glück Auf" mitmachen? Planung ist alles oder wirkt das Gesetz des Marktes?!

29.01.2019 10:53 Horst 17

An die ganzen Kritiker hier: Was sind denn Ihre Vorschläge / Alternativen? Die Braunkohleförderung endet in Sachsen-Anhalt auch ohne vorzeitigen Kohleausstieg 2035. Es steht also auch so ein Strukturwandel an. Bzw. darum hätten sich die Landespolitiker längst kümmern nüssen.

29.01.2019 10:52 Uborner 16

Träumen ist nichts schlimmes, und ohne Träume wird gar nichts. Jeder Fortschritt hat mit einem Traum begonnen. Arm dran sind die Nichtträumer und ewigen Pessimisten, das sind auch die die nichts auf die Reihe kriegen außer alles zu zertreten.
Also träumt weiter und wenn am Ende ein klein bisschen wahr geworden ist dann hat es sich glelohnt.

29.01.2019 10:51 Sr.Raul 15

Die Idee ist gut. Erst einmal ein Feldversuch im Kleinen, bevor man diesen Zinnober auf die Allgemeinheit los lässt. Dafür!

29.01.2019 10:22 Ekkehard Kohfeld 14

@ Mane 11 Ihr seit Träumer? Was die Merkels alles machen wollen.Nur Blauer Dunst.Deutschland wird noch ein armes Land werden.Die Regierung schafft das . Hilfe !##
Teilweise sind wir schon die Armen in Europa,wir können aber noch tiefer.

"Vermögensschock: Die Deutschen sind die armen Würstchen der EU
Der Welt-Reichtums-Report zeigt, wie arm die meisten Deutschen wirklich sind. Von den Ländern der alten EU liegt nur Portugal hinter Deutschland. In den meisten Ländern besitzen die Bürger mehr als doppelt so viel Vermögen wie hierzulande. Weiterlesen auf stern.de"

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29.01.2019 10:01 Rico 13

Warum nicht. Zeitz hat Geschichte siehe Otto Baensch Erbauer Nord Ostsee Kanal . Zeitzer Drahtseilbahn die erste die es in Deutschland gab. Ich drücke meiner Heimatstadt die Daumen . In den 90 Jahren hatte Zeitz ein Unfähigen Bürgermeister der 16 Jahre mit seiner Privaten Einstellung die Stadt fasst Ruiniert hat.

29.01.2019 09:51 Ekkehard Kohfeld 12

Lars 7 Die ehemaligen Kumpel können doch in der Solarindustrie arbeiten,das ist ein innovativer Industriezweig,für den sich die Landesregierung von Sachsen-Anhalt so immens eingesetzt hat,##

Der Zug ist weg da hat China das Monopol inzwischen drauf.
##
um ihn zu erhalten,auch bei Schiess in Aschersleben gibt es gute Arbeitsplätze,einen Maschienenbaubetrieb der weltweit die größten Werkzeugmaschinen herstellt.##

Erst mal umschulen und dann die rausschmeißen die derzeit die Arbeitsplätze inne haben.