Luftaufnahme Rechtsrockfestival Themar
Luftaufnahme des Rechtsrockfestivals in Themar im Sommer 2017. Über 6.000 Rechtsextreme reisten zu dem Event an. Bildrechte: Landespolizeidirektion Erfurt

Innenministerium Thüringen rechnet 2018 mit mehr Neonazi-Großveranstaltungen

Thüringen war im Jahr 2017 das beliebteste Reiseziel von Neonazis. Mit 6.200 Rechtsextremen war die Stadt Themar im Sommer Schauplatz eines beispiellosen Rechtsrock-Events. Über 200.000 Euro haben die Veranstalter damit eingenommen. Das lockt Nachahmer an, und so wird Thüringen wohl auch im kommenden Sommer wieder mit seinem Ruf als Neonazi-Mekka zu kämpfen haben.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL Landeskorrespondent Thüringen

Luftaufnahme Rechtsrockfestival Themar
Luftaufnahme des Rechtsrockfestivals in Themar im Sommer 2017. Über 6.000 Rechtsextreme reisten zu dem Event an. Bildrechte: Landespolizeidirektion Erfurt

Dutzendweise Hitlergrüße, dazu grölende Männerkehlen: "Heil! Heil! Heil!" - das war das prägende Bild des großen Neonazi-Events in Themar. Von diesem Treffen im Juli ist aber weit mehr geblieben, meint Thüringens Innenminister Georg Maier: "Weil die Szene sich noch mal besser vernetzt, Strukturen geschaffen und auch wirtschaftlich offensichtlich ganz erfolgreich agiert hat. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass es im nächsten Jahr noch mal richtig bitter wird, was die Rechtsrock-Szene anbelangt."

Hitlers Geburtstag als "Saisonauftakt"

2018 werde schlimmer als 2017 – zu dieser Einschätzung führt der ultrarechte Veranstaltungskalender. Auftakt, pünktlich zu Hitlers Geburtstag, ist das "Schild & Schwert"-Festival in Ostsachsen, organisiert von Thüringens NPD-Chef Thorsten Heise. Einen Monat später kommen die Neonazis dann zu Tausenden nach Thüringen, genauer nach Arnstadt, sagt Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer: "Entweder 26. Mai oder 2. Juni – eine Großveranstaltung mit 5.000 Teilnehmern. Ich denke, dahinter verbirgt sich auch eine politische Aussage, nämlich die: Wir kommen jetzt vom Land in die Stadt, wir rücken näher an Erfurt heran."

Dann, wieder einen Monat später, steht das südthüringische Themar erneut im Fokus - Rechtsrock im Juni, veranstaltet vom Berliner Sebastian Schmidtke. An Thüringen kommt 2018 ganz offensichtlich kein Neonazi vorbei. Der Verfassungsschutzpräsident stellt fest: "Dass hier Gruppen der rechtsextremistischen Szene einen gemeinsamen Nenner gefunden haben, eine gemeinsame Party gefunden haben, die früher nicht mal miteinander gesprochen beziehungsweise die eher in Konkurrenz zueinander gestanden haben."

Verbindungen zur russischen Szene

Schaltzentrale der neuen Kameradschaftlichkeit ist der Gasthof "Goldener Löwe" in Südthüringen, betrieben von Tommy Frenck. Seine neue Thekenkraft brachte die guten Kontakte zur NPD mit. Obendrauf besteht nun eine Geschäftsverbindung zum russischen Neonazi Denis Nikitin. Nikitin organisiert unter seinem Label "White Rex" brutale Kampfveranstaltungen aus dem Bereich Mixed Martial Arts. Das hat er schon in Skandinavien und der Schweiz gemacht, 2018 dann eben auch in Thüringen.

Innenminister will einschreiten

Wie kann das alles sein, wenn Innenminister Maier doch sagt, er mache eine "Politik der Null-Toleranz"? Die Krux liegt im Versammlungsrecht. Wenn zwischen den Rechtsrockbands ein paar Redner sprechen, sind die Events als politische Versammlung zu genehmigen. Innenminister Maier will das nicht länger hinnehmen: "Es wird ja als Versammlung im Sinne des Versammlungsrechts angemeldet, aber trotzdem werden erhebliche Eintrittsgelder genommen. 35 Euro Eintritt zu einer politischen Versammlung – da weiß man schon, wohin der Hase läuft."

Juristen des Landes Thüringen beraten jetzt Kommunen. Hoffnung, Neonazi-Events verhindern zu können, machen die Juristen den Bürgermeistern aber kaum. Und so meint beispielsweise Hubert Böse, der ehrenamtliche Bürgermeister von Themar, recht frustriert: Er könne nicht verstehen, wieso das Grundgesetz hier etwas schütze, was aus seiner Sicht nicht schützenswert sei.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Dezember 2017 | 06:07 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2017, 06:46 Uhr

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14 Kommentare

23.12.2017 21:56 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 14

Solange sich Thüringen nicht anstrengt, solche "politischen Veranstaltungen mit primär kommerziellem Interesse" zu verhindern, werden sich die Neonazis immer wieder anstrengen, solche Veranstaltungen anzumelden und durchzuführen.

Und mit jedem erfolgreichen "Nazi-Festival" werden sich die Jungs sagen: "Weiter so! Es klappt ja - und macht sich auch noch bezahlt!"

Herzlichen Glückwunsch, Thüringen, zu dem neuen 'Geschäftsfeld'!

23.12.2017 16:03 Ex - Thüringerin 13

Ah, da ist sie ja wieder - die schöne Schrift vom (erst gewünschten und dann verworfenen) sächs. Panzer-Logo - die Rechtsexis könnten sich doch das Leben leichter machen und Sachsen beglücken. - sicher sind dort auch nicht alle Arme für sie geöffnet, aber mehr als in Thür. schon...

23.12.2017 12:34 martin 12

@6 Blumenfreund: Na ja, solange sich Musik und Text im rechtlich zulässigen Rahmen bewegen, darf sie gern als Konzert / Party vorgetragen werden. Da habe ich dann nichts dagegen.

Aber dann sollen die Kameraden die Veranstaltung auch als Konzert / Party anmelden.

22.12.2017 19:42 Sabine Sonntag 11

Wie in der DDR: Die Linke unterdrückt - und damit wird etwas erst richtig populär.

22.12.2017 18:35 Pfingstrose 10

Warum wird nichts dagegen unternommen?

22.12.2017 18:27 Frauke Garstig 9

Hier könnte doch die AFD mit einem Infostand um Höcke, Poggenburg und Tillschneider für ihr Verständnis der deutschen Demokratie und Leitkultur werben, anstatt in Magdeburg auf der "Meile der Demokratie" sich als Opfer der Gesellschaft skandalisieren zu müssen?

22.12.2017 15:11 sir-charles 8

@22.12.201713:18 Blumenfreund 6
„Jeder hat das Recht seine Musik zu hören und Konzerte zu besuchen. Schließlich leben wir nicht mehr im Faschismus. Oder doch? °

Wenn in der Nachbarschaft orientalische Klänge ertönen, hagelt es von denen auch überwältigende Toleranz ?

22.12.2017 14:02 emil 7

lasst die jungs rechtsrock hören und macht sie nicht schlechter als sie sind. wer hier ein schlechtes gewissen vermittelt, das scheint mir sehr stark ihr zu sein.

22.12.2017 13:18 Blumenfreund 6

Jeder hat das Recht seine Musik zu hören und Konzerte zu besuchen. Schließlich leben wir nicht mehr im Faschismus. Oder doch?

22.12.2017 11:38 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 5

@ 3. Räudiger Hund:
... und wenn ich die Neonazis frei gewähren lasse, feiern sie ihre Veranstaltungen als Erfolg und planen die nächste noch größer, mit mehr Teilnehmern, die noch mehr 'latent drohende Ausgrenzung' begehen.

Wieso meinst Du, daß man nur die Wahl habe, die eine ODER die andere Problematik zu bearbeiten? Man muß 'latent drohender Gewalt' genauso begegnen wie 'latent drohender Ausgrenzung': man muß sie unterbinden.

Schau Dir die PMK-Statistiken an! Dann weißt Du auch, warum gegen 'rechte PMK' intensiver vorgegangen wird: weil sie das größere Problem ist.