Ausbildung Neues Berufsschulnetz für Sachsen

Wer eine Berufsausbildung macht, muss oft lange fahren. Denn es gibt nur noch wenige Berufsschulen, die quer übers Land verteilt sind. Fünfzig Kilometer Schulweg mit dem Bus gelten für einen Azubi inzwischen als völlig normal. Vor allem auf dem Land sind deshalb viele Handwerksbetriebe unzufrieden mit der Situation. Nun plant Sachsen gerade sein Berufsschulnetz neu. Unternehmen und Kammern werden intensiv in die Planung einbezogen. Werden die Wege am Ende wieder kürzer?

von Ralf Geißler, MDR AKTUELL

Ein leeres Klassenzimmer in der Staatlichen Berufsbildenden Schule in Sonneberg.
Um in die Berufsschule zu kommen, müssen Azubis oft lange Wege zurücklegen. Bildrechte: dpa

Wenn Matthias Forßbohm Bewerbungsgespräche führt, sitzen oft die Eltern des Bewerbers mit am Tisch. Forßbohm ist Bauunternehmer und seine angehenden Azubis sind oft erst 15 Jahre alt. Und dann muss Forßbohm die unbequeme Wahrheit sagen. Die praktische Ausbildung könne auf Baustellen in und um Leipzig stattfinden. Aber die Berufsschule fürs Maurerhandwerk ist bei Eilenburg – fast 40 Kilometer entfernt.

Langer Schulweg

"Also der eine Bus fährt sechs Uhr früh los, damit sie pünktlich halb acht in Eilenburg sind. Der fährt direkt. Aber da muss man sich befleißigen, dass man sechs Uhr am Hauptbahnhof steht", erklärt Eilenburg. So manche Mutter schaut dann erschrocken. Und der Sohn lernt doch etwas anderes. Forßbohm hat deshalb einen Wunsch:

Wir als Betrieb würden natürlich sehr begrüßen, wenn wir wieder wohnortnah oder betriebsnah eine Beschulung hätten.

Matthias Forßbohm, Bauunternehmer

Was das neue Berufsschulnetz verspricht

Das gab es mal. Doch das Netz der Berufsschulen wurde stark ausgedünnt, die Klassen wurden stärker auf bestimmte Berufe spezialisiert. Viele Jahre legten die Städte und Landkreise die Standorte der Berufsschulen selbst fest. Nun erstellt Sachsen erstmals einen langfristigen Plan fürs gesamte Land, sagt Kultusminister Christian Piwarz.

Christian Piwarz
Sachsens Kultusminister Christian Piwarz. Bildrechte: dpa

"Also wir haben ja jetzt eine Struktur, wo wir ungefähr 60 Berufsschulen haben, mit nochmal der gleichen Anzahl und von Außenstellen. Unser Bestreben ist es schon, diese Standorte generell zu erhalten, dass wir wirklich eine flächendeckende Struktur an berufsschulischer Ausbildung im Freistaat haben. Aber die Details, das ist jetzt die Aufgabe, vor der wir im Moment stehen."

Wege bleiben lang

Dass die Wege für viele Azubis kürzer werden, ist dabei unwahrscheinlich. Für wenig gefragte Berufe könnte es auch nur noch einen Berufsschulstandort in Sachsen geben, sagt Piwarz. Das Land fördere aber den Bau von Internaten zum Übernachten. In einer Umfrage ließ der Minister ermitteln, was den Unternehmen besonders wichtig ist.

Tenor: Die Qualität der Ausbildung. "Für eine gute und stabil angebotene Ausbildung wären die Unternehmen auch durchaus bereit zu akzeptieren, dass die Auszubildenden etwas höhere und längere Fahrtstrecken haben." Die Auszubildenden wurden dazu allerdings nicht gefragt.

Wenig Interesse an Berufsausbildung

In den kommenden Monaten will das Kultusministerium mit Kammern, Unternehmen und Politikern das neue Berufsschulnetz planen. Das Kernproblem werde man nicht lösen, sagt Oliver Klaus von der Handwerkskammer zu Leipzig. Es gebe einfach zu wenig Jugendliche, die sich für eine Berufsausbildung interessieren.

"Nach unserer Ansicht im Handwerk ist es ein Problem, wenn man wie hier in Leipzig 70 Prozent der Schüler am Gymnasium findet und die gehen dann an die Uni. Und dann stellt sich heraus, dass 35 Prozent dieser Studenten ihren Abschluss nicht machen. Und uns fehlen diese jungen Leute für die duale Berufsausbildung. Und das wird die große gesamtgesellschaftliche Aufgabe werden, die Attraktivität dieser dualen Berufsausbildung aufzuzeigen."

Mehr Azubis würden wieder mehr Berufsschulen möglich machen. Mehr Berufsschulen würden die Wege verkürzen. Kürzere Wege würden die Attraktivität von Ausbildung erhöhen. Doch das sind viele Konjunktive. Die Kammern hoffen, dass das Geburtenwachstum der vergangenen Jahre auch einmal der Berufsausbildung zugute kommt. Bis dahin, sagt Klaus, sollte das Netz der Berufsschulen wenigstens nicht noch dünner werden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Februar 2020 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2020, 05:00 Uhr

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