Julian Vonarb (parteilos), Oberbürgermeister von Gera, gibt bei einem Pressetermin ein Interview.
Julian Vonarb ist Oberbürgermeister von Gera. Seit einem Jahr im Amt schauen wir, was er in der Stadt verändert hat. Bildrechte: dpa

Ein Jahr im Amt Geras Oberbürgermeister Vonarb - Was tut er für die Stadt?

Seit etwas mehr als einem Jahr hat Gera einen neuen Oberbürgermeister. Julian Vonarb heißt er. Um gegen die damals amtierende Bürgermeisterin antreten zu können, ist er aus der CDU ausgetreten und als parteiloser Kandidat ins Rennen gegangen. Was hat sich seit seiner Wahl in der Stadt getan?

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Julian Vonarb (parteilos), Oberbürgermeister von Gera, gibt bei einem Pressetermin ein Interview.
Julian Vonarb ist Oberbürgermeister von Gera. Seit einem Jahr im Amt schauen wir, was er in der Stadt verändert hat. Bildrechte: dpa

Julian Vonarb hat wenig Zeit. Sein sechster oder siebter Termin an diesem Tag wartet auf ihn. Der 47-Jährige ist sich nicht ganz sicher. Es ist kurz vor halb zwei. Kaum aus der Tür des Rathauses getreten, zündet sich Vonarb eine Zigarette an und läuft los. Erschöpft sei er aber nicht, sagt er. "Ich schlafe in der Regel sehr gut, wenn die 12 bis 14-Stunden Tage zu Ende gehen. Aber alles gut. Es macht Spaß."

Plaudern mit Jubilarin

Nur wenige Meter vom Rathaus entfernt, wird Vonarb schon erwartet. In einer Pflegeeinrichtung direkt am Markt gratuliert er Frau Maschewsky zu ihrem 100. Geburtstag. Eine halbe Stunde nimmt sich Vonarb Zeit, trinkt ein Glas Sekt, plaudert mit dem Geburtstagskind und ihrem Besuch.

Geras Oberbürgermeister Vonarb
Oberbürgermeister Julian Vonarb in seinem Büro im Rathaus von Gera. Bildrechte: MDR/Lily Meyer

Dann zurück ins Rathaus, wieder Zeit für ein paar Fragen. Was hat sich in Gera verändert, seitdem Vonarb Oberbürgermeister geworden ist? "Was im ersten Jahr schon gelungen ist", erklärt er, "ist tatsächlich einen Stimmungswechsel in der Stadt mit zu entfachen. Und eine andere Art des Dialoges mit der Landesregierung zu etablieren. Nämlich nach vorne gerichtet. Mit Konzepten, mit Plänen für die Zukunft und nicht immer nur, wenn ein Problem auftaucht."

Hohe Verschuldung

Probleme bereitet Gera seit Langem vor allem das Geld: Vor fünf Jahren mussten die Stadtwerke Insolvenz anmelden. 2017 kamen auf jeden Bürger Geras statistisch gesehen knapp 1.500 Euro Schulden. Damit war die Pro-Kopf-Verschuldung fast acht Mal so hoch wie in Jena.

Blick über den Hofwiesenpark auf die Geraer Innenstadt.
Die Stadt Gera ist hoch verschuldet. Statistisch gesehen kommen auf jeden Bürger knapp 1.500 Euro. Bildrechte: dpa

Um aus den Schulden rauszukommen, will der Diplom-Betriebswirt Vonarb auch dafür sorgen, dass sich mehr Wirtschaft in Gera ansiedelt. Er erklärt: "Das heißt viel Energie wende ich auf, damit wir mit dem Industriegebiet in Cretzschwitz gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft in die Vermarktung kommen." Mit der Hälfte der Fläche sei man schon sehr weit. Diese Themen wirkten auch mittel- und langfristig. "Wenn ich in den nächsten Jahren Geld zum Investieren brauche, muss ich ja erstmal schauen, wo kommt es her. Und das sind in der Regel natürlich zu großen Teilen die Gewerbesteuerzahler."

Ausgeglichener Haushalt

Das erste Mal seit 2012 hat Gera unter Vonarb wieder einen ausgeglichenen Haushalt. Und trotzdem wird in der Stadt so viel gebaut, wie noch nie, sagt der ehemalige Banker: "Das heißt, wir kommen jetzt endlich mal dahin, wo wir hin müssen dringend als Stadt. Dass wir die Defizite in der Infrastruktur, die bestehen, dass wir ein Schlagloch nicht nur flicken, sondern dass wir Straßen auch mal richtig machen oder eine Brücke."

Mehr Ausbildungs- und Arbeitsplätze, mittelfristig eine zusätzliche Hochschule, Vonarb hat sich viel vorgenommen. Bei vielen Bürgern Geras scheint der engagierte Oberbürgermeister gut anzukommen, wie eine Umfrage zeigt:

Nur wenige meinen, dass sich in der Stadt nichts verändert hat. Die einzige halbwegs kritische Stimme kommt von einer jungen Frau, die findet, dass am Wochenende die Busse öfter in die Außenbezirke fahren könnten.

Vertrauen in Parteien fehlt

Unterm Strich scheint Vonarb aber einiges richtig zu machen. Und trotzdem wurde die AfD bei den Stadtratswahlen im Mai stärkste Kraft. Sie holte knapp 29 Prozent der Stimmen. Für den parteilosen Vonarb ein Zeichen dafür, dass die Wähler den anderen Parteien nicht mehr so vertrauen würden. Der Oberbürgermeister meint: "Es ist jetzt gemeinsam eine Aufgabe, dass ich meinen Weg weitergehe in meiner Funktion. Aber dass die Parteien, die bisher mehr Stimmen hatten, auch zeigen, dass sie wieder mehr Stimmen verdient haben."

Das sagt Vonarb, der Oberbürgermeister von Gera, der parteiunabhängig bleiben möchte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. August 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 05:00 Uhr

20 Kommentare

Fuerst Myschkin vor 3 Wochen

Hallo Mediator, zuerst zu ihrer Frage, wo waren die AFD Politiker, vor 30 Jahren und später? In der CDU alten Typus, lieber Mediator! Fast alle, jedenfalls hier in Gera. Herr Vonarb lebt seit 16 Jahren im Osten. Na und? Von mir aus hätte er und seine Familie im schönen Westen bleiben können. Ich hätte ihn und Anhang nicht vermisst. Sicherlich war sein Umzug nicht uneigennützig und er hat hier satt partizipiert . Ob Herr Vonrarb DDR spezifisches Sonderwissen hat, wollen Sie wissen? Bisher hat er eine Qualifikation in dieser Hinsicht vermissen lassen. Aber auch wenn dieser Mann solches Wissen besäße, ist mir dies egal. Ich lehne Herrn Vonarb ab, wie ich alle Personen seiner Coleur ablehne. Von welchem Verbesserungen in Gera reden Sie eigentlich? In Gera, einer niedergehenden Stadt im Osten, gibt es keine. Welch positiven Pressespiegel für den Geraer OB kennen Sie? Könnte es sich da um konforme Hofberichterstattung ala Schund & Schmutz handeln? Obwoh;l so wichtig ist Vonarb nicht!

Mediator vor 3 Wochen

Ich nehme einmal an ihr Beitrag galt mir. Kleiner Tip: Die Antwortfunktion würde dies klarer machen. Ich hoffe sie fühlen sich deswegen nicht belehrt!

Was die bösen "Altparteien" betrifft um bei ihrem AfD-Jargon zu bleiben: Diese haben seit mehr als 30 Jahren Verantwortung in den Kommunen übernommen. Wieder ein Tip: Schauen sie sich mal alte Bilder an und entscheiden sie selbst, ob sie keine positive Veränderung erkennen! Wo nochmal waren die heutigen AfD Politiker damals?

Ansonsten ist es doch für sie sehr beschämend, wenn sie Herrn Vonarb als Wessi abqualifizieren wollen. Der Mann arbeitet immerhin seit 16 Jahren im "Osten" und lebt mit seiner Familie dort. Welches DDR spezifische Sonderwissen fehlt denn ihrer Meinung nach Herrn Vonarb?

Was ist denn ihr Meßgerät mit dem sie im Namen von "man" Verbesserungen detektieren? Das gute alte Bauchgefühl, oder die Spatzen die es angeblich von den Dächern pfeifen? Der Pressespiegel zum OB ist übrigens überwiegend positiv.

MDR-Team vor 3 Wochen

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