Wahlkampf in Leipzig Parteien treten bei OB-Wahlen in den Hintergrund

Dass ein Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten auf die Person der Kandidatin oder des Kandidaten zugeschnitten ist, liegt in der Natur der Sache. Aber sollte die Partei, für die diese Person steht, ganz in den Hintergrund treten? In einer Woche wählt Leipzig ein neues Stadtoberhaupt.

Drei Wahlplakate stehen nebeneinander auf einer Wiese und zeigen die Kandidaten der CDU, SPD und Grüne.
Großflächige Wahlplakate wie diese sind derzeit in ganz Leipzig zu finden. Bildrechte: MDR/Andreas Sandig

Das Riesen-Plakat bedeckt den halben Giebel des Zwölfgeschossers an der Prager Straße - überlebensgroß darauf das Gesicht des Mannes, der der neue Oberbürgermeister von Leipzig werden will. In gelben Buchstaben auf blauem Grund steht da "Neue Kraft für Leipzig". Oben rechts in weiß: Gemkow 2020. Und wo steht die Partei?

Tilo Schumann aus dem "Team Gemkow" erklärt: "Die steht ganz unten links. Da ist ganz klar ersichtlich, dass es ein Plakat der Leipziger Union ist. Leipziger Union ist ja ein Begriff, den wir als CDU in Leipzig ganz häufig nutzen, ähnlich wie das auch der Landesverband macht."

Wahlplakat Gemkow, Baustelle Technisches Rathaus Leipizg
Sebastian Gemkow von der CDU möchte neuer Leipziger Oberbürgermeister werden. Bildrechte: CDU Leipzig

Sebastian Gemkow, früherer Justiz - jetzt Wissenschaftsminister will der erste CDU-Oberbürgermeister von Leipzig werden. Aber das C ist nirgends zu sehen und werde auch mit Absicht nicht mehr so offensiv genutzt, sagt Schumann: "Gerade in den aktuellen Zeiten finden wir den Gedanken der Union - dem U in unserem Kürzel - ganz spannend. Die Union, das war ja auch der Gründungsgedanke, steht dafür, verschiedene Bevölkerungsgruppen zusammenzubringen."

Burkhard Jung mit Bonus

Burkhard Jung dagegen setzt auf den Amtsinhaber-Bonus. Sein Gesicht kennt man. Das SPD-Logo sei als Wasserzeichen auf die Plakate gedruckt worden, scherzen die Leipziger. Tatsächlich ist der weiße SPD-Schriftzug nicht wie üblich in ein rotes Quadrat eingebettet, sondern wird von einer zarten roten Linie umrandet, ist also kaum zu sehen.

Christopher Zenker, Regionalgeschäftsführer des SPD-Landesverband Sachsen: "Man muss auch ehrlicherweise sagen, das zeigen auch die aktuellen Umfragewerte zur Beliebtheit von Burkhard Jung, dass er weit über die klassische SPD-Wähler-Klientel bekannt und beliebt ist. Man kann sogar sagen, die Partei steht hinter dem Kandidaten, der Name steht ja quasi ein Stück halb vor dem SPD Logo."

Grüne wollen eigene Positionen hervorheben

Eine Kosten-Nutzen-Abwägung, die bei den Grünen anders ausfällt. Deren Kandidatin Katharina Krefft liegt in den Umfragen an Platz drei. Matthias Jobke, Vorstandssprecher der Grünen in Leipzig, erklärt, eine OB-Wahl sei natürlich eine Personen-Wahl. Deshalb sei Katharina Krefft immer zu sehen. Genauso wichtig seien aber die grünen Positionen, die seine Partei vertrete. Lieblingsplakat des Grünen-Sprechers Jobke ist "das zur Mobilitätswende, dass wir uns für mehr Fuß- und Radverkehr einsetzen".

Aber auch der SPD-Oberbürgermeister Jung wirbt für ein Jahresticket für den ÖPNV. Der CDU-Kandidat Gemkow wird auf dem Fahrrad präsentiert. Doch die Grüne – das machen Farben und Logo auf den Plakaten ganz deutlich – ist Katharina Krefft.

Persönlichkeit wichtiger als Programm

Dass die Personen bei Oberbürgermeisterwahlen im Vordergrund stehen, habe durchaus eine Berechtigung, erläutert Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing. Normalerweise spiele die Programmatik auf der kommunalen Ebene doch eine kleine Rolle, im Vergleich zur Persönlichkeit.

Ob eine Kommune wirtschaftsfreundlich handele oder nicht, ob jemand Konflikte aus dem Weg räume und etwas bewegen könne, hänge schon ganz stark von den Amtsinhabern ab. Die Rolle der Partei sei es, eine geeignete Person in ihren Reihen zu finden und zu nominieren. 

In Leipzig stehen am kommenden Sonntag acht Bewerber zur Wahl, neben den genannten auch Franziska Riekewald von den Linken, Ute Gabelmann von den Piraten, Katharina Subat von der Partei, Christoph Neumann von der AfD und Marcus Viefeld von der FDP.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2020 | 05:00 Uhr