Im Bild (v.l.): Moderatorin Wiebke Binder, Bodo Ramelow, Vinzenz Wyss, MDR-Intendantin Karola Wille, Reiner Haseloff und Oliver Schenk
In Leipzig tauschte sich MDR-Intendantin Karola Wille am Montag mit Politikern und einem Wissenschaftler über die Rolle der Medien in der Demokratie aus. Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Diskussion zum Auftakt des Programmjahres "Ohne Journalismus keine Demokratie"

Das Programmjahr 2019 steht beim MDR ganz im Zeichen der Demokratie. Zum Auftakt diskutierte MDR-Intendantin Karola Wille mit Politikern und Wissenschaftlern über die Rolle der Medien und vor allem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Zu Gast waren Thüringens Ministerpräsident Ramelow, Sachsen-Anhalts Regierungschef Haseloff, der Leiter der sächsischen Staatskanzlei Schenk und der Medienwissenschaftler Professor Wyss von der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaft.

Im Bild (v.l.): Moderatorin Wiebke Binder, Bodo Ramelow, Vinzenz Wyss, MDR-Intendantin Karola Wille, Reiner Haseloff und Oliver Schenk
In Leipzig tauschte sich MDR-Intendantin Karola Wille am Montag mit Politikern und einem Wissenschaftler über die Rolle der Medien in der Demokratie aus. Bildrechte: MDR/Marco Prosch

Für Bodo Ramelow ist der Zusammenhang dabei ganz klar: "Ich kann mir Demokratie ohne den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht  vorstellen." Wie die gesamte Gesellschaft müssten sich die klassischen Medien noch klarer mit den Herausforderungen der digitalen Welt auseinandersetzen, so Ramelow: "Wenn die Medien die vierte Gewalt sind, sind die Algorithmen der digitalen Welt die fünfte Gewalt." Hier müsse die Politik auch mit Regulierung eingreifen, um Missbrauch zu verhindern. Dabei ginge es nicht um Verbote oder Zensur: "Jeder kann bei uns alles sagen, muss dann aber auch die Verantwortung dafür übernehmen."

Unabhängige Medien als Garant für Pluralität

Reiner Haseloff plädierte für eine Mischung von privaten und öffentlich-rechtlichen Medien. "Wir brauchen vor allem unabhängige Medien, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk müsse sich dabei schlanker aufstellen und auch seiner Verpflichtung zur Binnenpluralität gerecht werden: "Kommen wirklich alle politischen Meinungen vor?", fragte Haseloff. Die Vollständigkeit und Wahrhaftigkeit der Informationen müsse dabei immer vor der persönlichen Haltung der Journalistinnen und Journalisten stehen: "Nur Haltung zu haben, führt in die Hölle - das ist die Vorstufe zur Diktatur", spitzte Haseloff zu.

Der MDR sehe sich hier klar in der Pflicht als "Qualitätsanbieter" für die Menschen in Mitteldeutschland, sagt Karola Wille: "Die Menschen wollen sich austauschen und wir müssen das anbieten. Wir brauchen mehr Dialog und müssen auch besser zuhören." Der neue ARD-Slogan "Wir sind deins" sei daher "auch ein Versprechen an die Menschen in Mitteldeutschland", so die MDR-Intendantin.

Vincent Wyss riet den Programmmachern dazu, sich und ihre Arbeit noch besser dem Publikum zu erklären: "Alle Medienhäuser müssen das tun. Das hat man in den vergangenen Jahren sträflich vernachlässigt." Dabei komme es weniger auf zusätzliche Angebote an. "Man sollte die Menschen und ihre Fragen stärker einbinden und gleich im Programm selber einen Beipackzettel mitliefern, warum man wie vorgeht", so Wyss.

So könne man zum Beispiel direkt in der Sendung erklären, warum zu einem bestimmten Thema dieser oder jener Experte zu Wort kommt. "Das geschieht noch viel zu wenig", sagte Wyss, sei aber entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Journalismus. "Ohne Journalismus gibt es keine Demokratie. Das ist eine knallharte Wahrheit, die wir verteidigen müssen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 21. Januar 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 17:04 Uhr

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29 Kommentare

24.01.2019 19:40 Bernd L. 29

Ich denke, die Glaubwürdigkeit unserer Leitmedien wie ARD und ZDF (von Frau Wagenknecht leibevoll "Staatsfunk" genannt) hat gewaltig gelitten. Ich selbst glaube Wetter, Fussballergebnisse sofort- bei pol. Ereignissen informiere ich mich immer zusätzlich anderswo (mit Vorliebe Schweizer Zeitungen).
Es ist wie im Privatleben: Eine Rückgewinnung verlorener Glaubwürdigkeit ist nur schwer möglich- sie würde nur mit neuen integren Personen gehen, also ohne Restle, Kleber,Will, Gensing und Co.

24.01.2019 15:09 Werner 28

@Kathi 22:"Was der MDR... oft ...zensiert.." Ganz so "oft" ist es nicht. Der MDR ist gegenüber anderen Medien sehr liberal, und spricht Dinge an, die woanders ein Tabu sind. Das ist ein Lob. Zum "Dank" gibts Unterstellungen von "Kommentatoren" und "-Innen". Andere große Medien zensieren nachweislich, machen bei heiklen Themen die Kommentare dicht, und löschen Nachts bis zur Hälfte raus, was das Zeug hält. In letzter Zeit gibts aber auch bei "Welt" usw. fast nur noch "Feuer", und Kommentare, die vor paar Jahren unmöglich waren. Es hängt vom Moderator ab, und wie er/sie mit heiklen Texten umgehen kann. Manchmal kommt nach Stunden nichts, und manchmal schaltet man grenzwertig-überspitzt-freche Kommentare frei, bei denen ich es niemals erwartet hätte. Meine "3" ist auch nicht gerade das, was man sich in leitender Position gern hinter den Spiegel steckt. Aber das prallt wahrscheinlich ab.

24.01.2019 14:08 Helge 27

@14 (konstanze): Nagel auf den Kopf getroffen!

Statt sich laufen selbst zu feiern, sollten sich die deutschen Medien (einschließlich des MDR) mal kräftig an die eigene Nase packen und sich mal selbstkritisch damit auseinandersetzen, was "Meinungsvielfalt" bedeutet!!! Was "Meinungsvielfalt" zur Zeit in diesem Land bedeutet, bleibt dem kritischen Beobachter nicht verborgen: Jedes Murren in jedem kleinen Erzgebirgsdorf gegen die von obrigkeitswegen rangekarrten Morgenländer wird reflexartig vom MDR an die Tagesschauhomepage weitergeschickt, wo es dann unter Schlagzeilen wie "(Wieder) Ausländerfeindliche Übergriffe in Sachsen" bundesweit zum Schüren von Sachsenhass benutzt wird. Mehrere Angehörige der Bundesregierung, einschließlich Angela, werfen dem Sachsen im Allgemeinen und dem Chemnitzer im Speziellen pauschal "Hetzjagden" etc. vor, für die die Polizei bis heute keine Beweise. Wo war da die Meinungsfreiheit, lieber MDR?

[Lieber Helge,
die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Das Grundrecht der Meinungsfreiheit gemäß Art. 5 Abs. 1 S. 1 GG begründet allerdings keinen Rechtsanspruch darauf, bestimmte Medien für die Verbreitung ihrer Ansichten in Anspruch nehmen zu können. Vielmehr ist und bleibt es Sache der Medien, selbst darüber zu entscheiden, ob und ggf. unter welchen Voraussetzungen Nutzermeinungen veröffentlicht und verbreitet werden. Außerdem hört die Meinungsfreiheit da auf, wo andere Menschen bedroht, diffamiert oder sogar angegriffen werden.
Die Meinungsvielfalt ist dem MDR wichtig und sie ist ausdrücklich erwünscht. Auf den Seiten des MDR bildet die Netiquette den Rahmen der Diskussion. Gelöscht wird, was gegen unsere Netiquette verstößt, nicht mehr und nicht weniger.
Die Menschen, die in der Causa Chemnitz von Hetzjagden sprachen, nutzten die Meinungsfreiheit. Die Menschen, die sagten, dass es keine Hetzjagden gab, nutzten ebenso die Meinungsfreiheit. Vielleicht haben wir in Deutschland ja gar kein Problem mit der Meinungsfreiheit, sondern eher mit der Akzeptanz von anderen, gegensätzlichen Meinungen und einer gesitteten Diskussion darüber? Seien Sie sich gewiss, dass wir uns seit langem selbstkritisch damit auseinandersetzen.

Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 09:56 Pittiplatsch, der Liebe 26

@14 zu spät ?: 2016 verließ eine der wohl beliebtesten Moderatorinnen den MDR, Katrin Huß. Wenn man sich ihre Beweggründe einmal in Ruhe anhört, die sie in einem Gespräch am 25.11.2018 darlegte [Quelle: YouTube], dann kann man durchaus zu dem Schluss gelangen, dass es in den Chefetagen des MDR wohl vor allem um Political Correctness geht. Der MDR ist ein durch Rundfunkgebühren finanzierter, öffentlich-rechtlicher Sender. Das sollten die Verantwortlichen nicht vergessen werden. Die Konkurenz, gerade aus dem Berich der digitalen Medien wird weiter zunehmen und ist heute schon eine ernstzunehmende Konkurenz. Wenn man aber in einer solchen Situation, eine der wohl beliebtesten MDR Moderatorinnen ziehen läßt, nur weil man vielleicht der Meinung ist, eine ganz bestimmte Haltung vertreten zu müssen, aus welchen Gründen auch immer, ist das schon ein fatales Zeichen. Wenn Frau Wille es wirklich ernst mit ihren Worten meint, sollte sie vielleicht einmal ein Gespräch mit Frau Huß ins Auge fassen.

[Katrin Huß hatte 2016 die Zusammenarbeit mit dem MDR aus persönlichen Gründen beendet. Als Kollegin, Moderatorin und Journalistin wurde sie sehr geschätzt, sodass ihre Entscheidung mit Bedauern aber natürlich auch mit größtem Respekt entgegengenommen wurde.

Die Vorwürfe, die Frau Huß in ihrem Buch und verschiedenen Interviews dem MDR gegenüber äußert, wurden sorgsam geprüft. Frau Huß bezieht sich auf ein vertrauliches Vier-Augen-Gespräch mit ihrem damaligen Chefredakteur. Ein Interview „im Sinne des MDR“ zu führen bedeutet ein professionelles, journalistisch sauberes, glaubwürdiges und leidenschaftlich gutes Programm zu machen. Keinesfalls steht es für politisch gelenkte Arbeit oder gar Zensur. Dieser Vorwurf wird klar zurückgewiesen.

Die Meinungsvielfalt ist dem MDR wichtig und sie ist ausdrücklich erwünscht. Wenn die Auftritte von Frau Huß einen demokratischen Diskurs und einen konstruktiven Meinungsaustausch über den Journalismus und die gesellschaftliche Stimmung in Deutschland anregen, dann können wir diese nur befürworten.

Viele Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 06:16 Gerd Müller 25

FREIE FAHRT FÜR FREIE BÜRGER - ODER - VERNÜNFTIG UND ENTSPANNT MIT MAX. 130
78 Prozent der Bundesautobahnstrecken in Mitteldeutschland haben keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Das ergab eine Auswertung der Daten der Verkehrsministerien von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

24.01.2019 04:54 CDU Wählerin 24

offensichtliche Blase, da unliebsame Kommentare weggelassen [kommentarlos nie veröffentlicht werden] und 'AutorIn' nicht benachrichtigt wird. wird eMail zum Datensammeln missbraucht?

[Nicht "unliebsame" Kommentare werden weggelassen sondern Kommentare die gegen die Netiquette verstoßen. Bei der Vielzahl an Kommentaren ist es nicht möglich, jeden Nutzer über die Gründe der Nichtveröffentlichung zu informieren oder gar darüber zu diskutieren. Uns ist dieses Problem aber bekannt und darüber wird intern auch diskutiert. ]

24.01.2019 02:08 Kathi 23

Wie hübscht der MDR seine Einstellung zu Meinungsvielfalt auf? Siehe MDR-Antwort im Kommentar unten: „Wir wünschen uns eine respektvolle Diskussion im Rahmen unserer Netiquette.“ – Nur dumm, daß das mit der „Netiquette“ eine gar subjektive Angelegenheit ist… was nett is und was nicht, hängt hochgradig vom Horizont und der Laune des Kommentar-klassifizierenden Praktikanten ab… Wenn dem MDR Meinungen und deren Kundtun in Leserkommentare nicht passen, dann KÖNNTE der MDR diese Kommentare auch einfach entsprechend kennzeichnen (und trotzdem veröffentlichen) oder auf einer separaten Seite veröffentlichen. Aber wie behandelt der MDR ihm nicht passende Leserkommentare? Er läßt sie einfach nicht zu, er entfernt sie einfach aus der ihm gefälligen „Meinungsvielfalt“… Und der MDR will wirklich behaupten, daß diese Zensur die Vielfalt von öffentlich äußerbaren Meinungen nicht stark einschränkt? Im Ernst jetzt, MDR?

[Liebe Kathi,
Sie verwechseln ein "es passt dem MDR nicht", mit "es verstößt gegen die Netiquette". In puncto Transparenz können wir uns weiterhin verbessern, da haben Sie recht. Aktuell ist es uns leider bei der Fülle von Kommentaren nicht möglich, jeden Einzelnen über die genauen Gründe zu informieren, warum wir Kommentare nicht freigeschaltet haben. Leider fällt es einigen Menschen schwer, ihre Meinung ohne Pauschalisierungen, Beleidigungen oder Verunglimpfungen zu äußern. Dies sind häufig die ersten, die "Zensur" schreien. Die Bezeichnung "Kommentar-klassifizierender Praktikant" ist beispielsweise eine Beleidigung und Herabwürdigung der Arbeit eines ausgebildeten Redakteurs und verstößt damit gegen die Netiquette. Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

24.01.2019 01:55 Kathi 22

@MDR: GAAANZ tolle Schlagzeile: "Ohne Journalismus keine Demokratie" - nach der ganz und gar objektiven und vollkommen fairen und differenzierten Berichterstattung über Chemnitz im Herbst 2018, muß jeder mit gesundem Menschenverstand aber auch feststellen: "MIT Journalismus ABER AUCH KEINE Demokratie"... hey, ihr Journalisten-Schreiberlinge fördert mit Eurer Schreiberei sicherlich nicht die Meinungsvielfalt in diesem Land... wenn irgendwas unverhofftes passiert, wird stattdessen aus sämtlichen Rohren in HAARgenau die gleiche Richtung (und auch noch im etwa gleichen Takt) gefeuert. Meinungsvielfalt zugestehen, auch über unpopuläre Meinungen schreiben? Absolutes Fremdwort... Relotius läßt grüssen... Was der MDR von Meinungsvielfalt hält, merkt man sehr deutlich, wie er oft Leserkommentare zensiert... einfach nicht veröffentlicht... nur das, was gefällt, wird gedruckt. Das, was nicht gefällt, wird verschwiegen... Postmahlzeit, MDR!

[Liebe Kathi,
den Vorwurf der Zensur weisen wir klar zurück. Gelöscht wird, was gegen unsere Netiquette verstößt, nicht mehr und nicht weniger. Die Meinungsvielfalt ist dem MDR wichtig und sie ist ausdrücklich erwünscht. Beim Blick in die Kommentarspalten unserer Seite werden Sie bei genauerem Hinsehen zahlreiche konträre Meinungen und auch Kritik an uns finden. Bestes Beispiel: Ihr Kommentar. Freundliche Grüße aus der MDR.de-Redaktion]

23.01.2019 17:21 Eulenspiegel 21

Hallo Werner 19
Also verstehen sie mich nicht falsch. Aber was wollen sie damit beweisen? Also ich sehe da Verdachtsmomente denen man genauer nachgehen sollte. In einem gebe ich ihnen Recht das gerade die privatwirtschaftlichen Medien sehr undurchschaubar sind.

23.01.2019 16:28 Jens 20

Ich würde mich ja freuen wenn die Journalisten der großen Medien endlich wieder ihrer Verantwortung nachkommen und die Regierung kritisch begleiten und nicht nur die kritische Opposition rechts von der Mitte! Solange dem nicht der Fall ist, solange ist dies einseitig und schlicht antidemokratisch!