Eine Frau geht an leerstehenden Häusern in Dresden vorüber.
Ein leerstehender Laden in Dresden. Bildrechte: imago/Sven Ellger

Wirtschaftsinstitut Ifo: Bevölkerungsschwund im Osten unumkehrbar

Die Bevölkerungszahl in Ostdeutschland ist heute so niedrig wie seit 1905 nicht mehr. Besonders betroffen: der ländliche Raum. Er müsse mit Geld ausgestattet werden, meint das ifo-Institut für Wirtschaftsforschung.

Eine Frau geht an leerstehenden Häusern in Dresden vorüber.
Ein leerstehender Laden in Dresden. Bildrechte: imago/Sven Ellger

Die ostdeutschen Länder werden dem Westen bei der Bevölkerungsentwicklung auch in Zukunft hinterher hinken. Einer der Autoren der Dresdner Ifo-Studie, Felix Rösel, sagte MDR AKTUELL, die Fluchtbewegungen nach dem Mauerbau und dem Mauerfall ließen sich nicht einfach rückgängig machen. Man müsse versuchen, mit den Konsequenzen umzugehen.

So hätten wegen der Abwanderung im Osten Geschäfte schließen müssen. Auch sei die Stimmung nicht mehr so, wie sie früher einmal gewesen sei. Diese realen Auswirkungen würden derzeit fast nur Ostdeutschland treffen.

Ifo: Ländliche Regionen brauchen Geld

Felix Rösel, Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung Dresden.
Ifo-Experte Felix Rösel Bildrechte: Felix Rösel

Rösel plädierte dafür, den ländlichen Raum zu stärken. Gemeinden und Kommunen müssten mit Geld ausgestattet werden, um den Strukturwandel zu bewältigen. Er sehe die Situation anders als das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das hatte im Dezember dafür plädiert, die Förderung vor allem auf die Städte zu konzentrieren.

Ifo-Experte Rösel sagte dagegen bei MDR AKTUELL, den ländlichen Raum zu vernachlässigen, wäre "quasi eine doppelte Bestrafung" für vom Bevölkerungsschwund betroffenen Regionen. Sie finanziell zu unterstützen, sei auch mit Blick auf den sozialen Zusammenhalt sehr wichtig.

Bevölkerungszahl so niedrig wie 1945

Die in dieser Woche veröffentlichte Studie der Dresdner Niederlassung des Ifo-Instituts hatte ergeben, dass in den ostdeutschen Ländern heute in etwa so viele Menschen leben wie 1905. Im Westen hat sich dagegen die Bevölkerungszahl seitdem verdoppelt. Als Ursachen für den Bevölkerungsschwund nennen die Forscher die Massenflucht nach 1949 und die Abwanderung nach dem Ende der DDR.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juni 2019 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2019, 13:50 Uhr