Porträt der Bürgermeisterin von Ostritz Zwischen Neonazi-Festival und Friedensfest

Ostritz in der Oberlausitz sorgt immer wieder wegen Neonazi-Treffen für Schlagzeilen. So ist für Samstag ein Rechtsrock-Konzert geplant. Unwidersprochen bleibt das aber nicht. Bereits zum dritten Mal veranstaltet Ostritz parallel ein Friedensfest als Zeichen gegen Rechtsextremismus. Das Fest wurde mit einem Demokratiepreis ausgezeichnet. Ganz so begeistert sind in Ostritz aber längst nicht alle – diese Erfahrung hat Marion Prange, die Bürgermeisterin von Ostritz, gemacht.

von Christine Reißing, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen

Marion Prange hat ihr ganzes Leben in der Oberlausitz verbracht. Zu DDR-Zeiten hat sie im Braunkohlekraftwerk in Hagenwerder die Inventur gemacht - Schrauben, Dübel und Glühbirnen nummeriert. "Das war eine sehr stupide Arbeit für mich. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich war da nicht ausgelastet. Ich bin eher der kreative und aktive Mensch. Und ja, ich bin froh, dass ich die Entscheidung damals so getroffen habe. Also ich habe das nie bereut."

Vom Reisebüro ins Bürgermeisteramt

Pranges Geschichte klingt wie aus dem Bilderbuch. Nach dem Mauerfall fuhr die damals 24-Jährige direkt zu Neckermann nach Berlin und machte sich mit einem Ableger des Reisebüros in Ostritz selbstständig.

Marion Prange, die Bürgermeisterin der Stadt Ostritz, spricht auf einer Pressekonferenz vor dem dortigen Friedensfest, mit dem sich die Kommune ab heute einem Rechtsrock-Konzert im Ort entgegen stellen will
Marion Prange organisiert bereits zum dritten Mal das Ostritzer Friedensfest. Bildrechte: dpa

Die Leute waren viele Jahre im Reisen eingeschränkt. Es hat einfach Spaß gemacht, wenn die Leute früh vorm Reisebüro gestanden haben, wenn die neuen Kataloge angekündigt wurden. Und man den Menschen hier vor Ort die schönsten Tage im Jahr vermitteln konnte.

Marion Prange Ehemalige Besitzerin eines Reisebüros

Getan hat sie das 20 Jahre lang und sich nebenbei in Vereinen engagiert. 2008 wurde die Parteilose erste Bürgermeisterin - in Ostritz ist das ein Ehrenamt. Hauptberuflich leitet Prange die Stadtgesellschaften für Bau, Wasser und Strom – eine Frau für alles quasi. "Es kommt schon manchmal vor, dass man so einen 14- bis 16-Stunden-Tag hat. Aber es gibt auch Tage oder Wochen, in denen das Arbeitspensum dann nicht so hoch ist und man genügend Zeit hat, auch mal pünktlich Feierabend zu machen", erklärt Prange.

Ostritzer Friedensfest findet zum dritten Mal statt

Dieser Tage wird daraus wohl nichts. Ostritz veranstaltet erneut das Friedenfest. Seinen Ursprung hat es im April 2018, als Neonazis in der Stadt Hitlers Geburtstag feierten. Das habe Ostritz nicht unkommentiert stehen lassen dürfen, so Prange: "Und das zweite Anliegen ist natürlich gewesen, dass wir uns Gedanken darüber gemacht haben: Was kann denn für die Stadt Ostritz für ein Imageschaden dadurch entstehen?"

Einen solchen Schaden will die 54-Jährige unbedingt vermeiden. Unter Leitung des katholischen Bildungswerks und mit vielen Freiwilligen organisiert sie das Fest für Weltoffenheit zum dritten Mal. Von manchen Bürgern erfährt sie dafür auch Gegenwind.

Prange erklärt: "Ich sag mal, wir haben hier nicht die rosarote Brille auf. Wir werden nicht alle Menschen dafür begeistern können. Das ist uns bewusst und das ist auch nie unser Ansporn gewesen. Das ist eben auch Ausfluss einer gelebten Demokratie. Das muss man einfach auch aushalten können."

Friedensfest trifft auch Gegenwind

Die Befürworter würden allerdings langsam mehr, meint Prange. Mittlerweile sponsern Firmen wie Fit und Landskron sogar extra Produkte für das Fest. Die Hauptarbeit aber liegt beim Organisationsteam. Und genau wegen dem hänge sich Prange so rein. Sie sagt: "Wenn die Arbeit Spaß macht und wenn man Menschen um sich hat, die da an einem Strang ziehen, dann wächst man manchmal vielleicht auch über sich hinaus. Das ist ganz einfach so."

Ähnlich sei das beim Hochwasser gewesen, erinnert sie sich. Damit hatte Prange 2010 und 2013 gleich zweimal zu kämpfen.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels lautete die Überschrift "Ostritzer Friedensfest erntet Gegenwind in der Bevölkerung". Diese Formulierung bezieht sich nur auf einen Teilaspekt des Porträts. So konnte ein falscher Eindruck vom Inhalt des Artikels entstehen. Die Überschrift lautet nun so wie die, unter der der zugehörige Radiobeitrag erarbeitet und gesendet wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. März 2019 | 08:18 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. März 2019, 11:00 Uhr

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24 Kommentare

25.03.2019 11:22 Thomad 24

Freunde aber keine Angst Uhr Friedensfestfreunde in Ostritz, werdet noch vier mal dieses Jahr Euer Fest feiern dürfen.Wir haben noch 4 Rechtsrockkonzert dieses Jahr in Istritz angemeldet.

25.03.2019 09:58 Gerd Müller 23

Es beruhigt Demokraten das niemand Rechtsextreme regieren lassen will und in Sachsen den meisten Zuspruch Rot-Rot-Grün hat. Stimme voll und ganz @Peter 16 > ...nd wenn ich dann noch die Kommentare von AfD Fans in diesem Forum lese, dann hoffe ich, dass sich noch viel mehr Leute vom rechten Rand abwenden. < zu!

25.03.2019 09:55 Thomad 22

Ich bin bekennender Nationalist.Ich war natürlich auch in Ostritz,wie jedesmal.Es geht auf der Rechten Veranstaltung ruhig zu.Wenn die sogenannten Friedensfestlinken nicht da wären, hätte man garnicht bemerkt,dass da was ist.So ein Friedensfest interessiert da niemanden und ist nur Stress für die Anwohner in der Stadt.Wir Nazis feiern außerhalb.

25.03.2019 09:50 Jimmy 21

@ Neumann 11, Sie schreiben: "Ich nehme mal an, nähere Details dazu warum ein Großteil der Einwohner von Ostritz eine negative Einstellung zum sogenannten Friedensfest hat, könnte bei Teilen der Bevölkerung zu Verunsicherung führen?"

Da dürften Sie wohl recht behalten. Man muss nur die Sächsische Zeitung der letzten Wochen lesen und kann einen Aspekt des Unmutes der heimischen Bevölkerung kennenlernen. Dort erfährt man, dass sich die Einwohner von der verfügbaren Polizei "über die Woche" nicht mehr geschützt fühlen. Hohe unaufgeklärte Einbruchraten in Nebengelasse, Garagen, Grundstücke und Häuser. Ein normales Landleben kaum möglich. Soll jeder jetzt eine Trutzburg aus seinem Anwesen machen was rund um die Uhr besetzt sein muss?
Vorne auf dem Markt drei Tage ein buntes Friedensfest mit Musik und Ministerin aus Berlin, ein wenig kürzeres rechtes Konzert am Rande der Stadt und von hinten kommen die Langfinger, allerdings schon Wochen und Monate ...

23.03.2019 22:31 Peter 20

Prange erklärt: "Ich sag mal, wir haben hier nicht die rosarote Brille auf. Wir werden nicht alle Menschen dafür begeistern können.

Ich habe dies live beim letzen Mal beobachten können. Einheimische habe ich weder beim Aufbau, noch später in nennenswerter Zahl gesehen (außer die örtlichen Behördenangestellten usw.). Im Gegenteil, es lungerten frühzeitig viele bunt-ökologisch aussehende Gestalten überall rum.

Solche "Aktionen" mit Hochwasserkatastrophen gleich zu setzen, ist in meinen Augen eine üble Frechheit!

23.03.2019 16:12 Peter 19

@Peter (11.30): Die LVZ ist ein SPD-Blatt und IM Field ein unbedeutendes Umfrageinstitut. Nie im Leben verliert die AfD aber auch die CDU ausgerechnet an die Grünen. Schon gar nicht in Sachsen! Der Wahltag wird es beweisen. Und wenn schon, dann lesen Sie sich bitte auch die Einschätzung des Umfrageforschers zu diesen Zahlen durch. Dieser zweifelt nämlich auch diese Zahlen in Hinblick auf den Wahltag an, gerade für die Grünen und die AfD.

23.03.2019 12:45 Wachtmeister Dimpfelmoser 18

Interessenspolitik. V o n Interessensgruppen f ü r Interessensgruppen.

23.03.2019 12:28 Mai 74 17

In den letzten 40 Jahren ist bei mir nur eines in Bezug auf Frieden tiefgründig hängen geblieben. Hunderttausende Westdeutsche sind freiwillig in den Achtziger gegen den Nato Doppelbeschluss auf die Straße gegangen. Hat mich damals schwer beeindruckt.

23.03.2019 11:30 Peter 16

@10 Gerd Müller: Ich lese in dem Artikel nichts über die AfD. Es wird von Neonazis berichtet und dem Protest der Zivilgesellschaft dagegen.
Wieso kommen Sie in diesem Zusammenhang auf die AfD? Sie wollen doch damit nicht sagen, dass Sie die Neonazis, alle Rechten und auch die AfD in einen Topf werfen.
Noch ne kurze Bemerkung von wegen der "Fichte": Mir scheint eher, dass die Menschen in Sachsen die Umtriebe ob von Neonazis, ob von Rechten oder der AfD inzwischen so was von satt haben. Dies bestätigt die heute in der LVZ veröffentliche Umfrage zu den Landtagswahlen.
Und wenn ich dann noch die Kommentare von AfD Fans in diesem Forum lese, dann hoffe ich, dass sich noch viel mehr Leute vom rechten Rand abwenden.

23.03.2019 11:02 Fragender Rentner 15

Frage: Wenn man nicht immer so einen Rummel darum machen würde, wüßte ich nicht mal wo der Ort liegt oder das da welche etwas vorhaben?