Britta Hoffmann, Hebamme (m), Kristin Langkopf (l), und Mandy Mangler, Ärztin üben im Auguste-Viktoria-Klinikum bei einem Simulationstraining eine Notfallsituation bei einer Geburt.
Wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt, ist Oxytocin für viele Ärzte ein unverzichtbares Medikament. Bildrechte: dpa

Oxytocin Wichtiges Kreißsaal-Medikament ist knapp

Blutungen während oder nach der Geburt sind eine der häufigsten Todesursachen bei jungen Müttern. Im Kreißsaal setzen Ärzte deshalb oft das Medikament Oxytocin ein, das die Blutungen stoppt. Doch Oxytocin ist seit Wochen knapp. Seit Montag ist der Engpass nun auch offiziell: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat ihn amtlich gemacht – und damit eine Ausnahmeregelung für die Beschaffung ermöglicht.

von Marc Zimmer, MDR AKTUELL

Britta Hoffmann, Hebamme (m), Kristin Langkopf (l), und Mandy Mangler, Ärztin üben im Auguste-Viktoria-Klinikum bei einem Simulationstraining eine Notfallsituation bei einer Geburt.
Wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt, ist Oxytocin für viele Ärzte ein unverzichtbares Medikament. Bildrechte: dpa

Holger Knoth leitet die Apotheke der Dresdner Uniklinik. Den Oxytocin-Engpass hat er selbst schon gespürt: "Wir haben auch im Ausland eine bestimmte Menge bestellt, damit wir unseren Ärzten immer eine Alternative anbieten können, damit sie die Blutungen stillen können."

Ein wichtiges Medikament

Oxytocin ist die Pharmakopie eines körpereigenen Hormons. Es regt die Gebärmutter zur Kontraktion an, sodass sich die Gefäße zusammenziehen. So könne eine Blutung während oder nach der Geburt gestoppt werden, sagt Krankenhausapotheker Knoth.

Das ist ein absoluter medizinischer Notfall. Den kann man ohne Oxytocin nur ganz schwer beherrschen. Das ist auf jeden Fall ein Basis-Arzneimittel.

Holger Knoth, Apotheker Uniklinik Dresden

Versorgungsmangel auch in Sachsen?

Knoth ist auch Vorsitzender des Landesverbands der sächsischen Krankenhausapotheker. Er sagt: Viele seiner Kollegen hatten bereits Probleme gehabt, Oxytocin zu bekommen. Mehrere sächsische Kliniken bestätigen das auf Anfrage von MDR AKTUELL. Am Städtischen Klinikum Dresden habe man zwischenzeitlich auf Importe zurückgegriffen.

Auch das Klinikum Chemnitz und die Uniklinik Leipzig mussten nach eigenen Angaben umdisponieren. Die Oberlausitz-Kliniken aus Bautzen schreiben, dass sie den Engpass bereits seit Ende Januar spüren. Die Vorräte reichen dort laut Krankenhaus-Apotheke noch für zwei bis drei Wochen.

Das sächsische Ministerium für Soziales und Verbraucherschutz teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL dagegen schriftlich mit: "Bisher liegen uns weder von den Kliniken noch von der Landesdirektion Hinweise auf einen Versorgungsmangel in Sachsen vor. Wir wissen aber, dass der Engpass bundesweit ein Thema ist. Die Landesdirektion fragt derzeit die krankenhausversorgenden Apotheken und Krankenhausapotheken ab."

Problem liegt bei Herstellern

Doch wie konnte es überhaupt zu dem Engpass kommen? Der Großteil der Oxytocin-Produkte stammt von zwei Herstellern: Die Firma Rotexmedica aus Schleswig-Holstein meldete Ende Dezember erstmals Lieferprobleme. Der andere Hersteller, Hexal, produziert zwar normal, kann den Bedarf allerdings allein nicht decken. Hinzu kommt laut Hexal, dass man einige bereits produzierte Chargen nicht ausliefern kann. Es fehle ein Siegel und ein Code auf der Verpackung, die nach einer neuen EU-Richtlinie gegen Medikamentenfälschung seit Februar Pflicht sind.

Spahn macht Versorgungsmangel offiziell

Trotz der Lieferschwierigkeiten – das versichern alle angefragten Krankenhäuser in Sachsen – war die ausreichende Versorgung der Patientinnen bislang aber stets gewährleistet. Allerdings nur durch einen erheblichen Mehraufwand, sagt Klinikapotheker Knoth aus Dresden. Zum einen müsse man für die Arzneimittel deutlich mehr Geld ausgeben, zum anderen sei der Dokumentationsaufwand deutlich höher, wenn das Arzneimittel aus dem Ausland kommt.

Das soll sich nun ändern: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat gemäß § 79 des Arzneimittelgesetzes einen amtlichen "Versorgungsmangel" erklärt. Damit dürfen die Kliniken nun auch im EU-Ausland ohne großen bürokratischen Aufwand Oxytocin bestellen – solange, bis der Engpass beendet ist. Das soll nach Angaben des Herstellers Rotexmedica in Kürze der Fall sein. Das Unternehmen teilte MDR AKTUELL schriftlich mit, die nächsten Chargen seien ab dem 5. April lieferbar.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. März 2019 | 05:22 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 05:00 Uhr

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8 Kommentare

27.03.2019 11:46 Sabrina 8

Entschuldigung

Oxytocin ist ein Hormon, das der menschliche Körper selbst produziert.

Was ist denn das für eine Medizin, die überall herummanipuliert?

Darf man heute nicht einmal natürlich gebären?

27.03.2019 10:04 CDU Wählerin 7

Kuschelhormon Oxytocin: ZITAT:

Jahrzehnte war es als Wehen- oder Stillhormon nur in der Geburtshilfe bekannt. Dann zeigten Versuche den Botenstoff, mit einem Nasenspray verabreicht, dass es zudem das soziale Miteinander außerhalb von Mutter-Kind-Beziehungen beeinflusst und Stress oder Angst reduziert. Bei der Paarung etwa wird Oxytocin im Gehirn aktiviert, fördert die Paarbindung und die Partnererkennung, vermindert gleichzeitig das generelle Angstverhalten, legt Stresssysteme ruhig und steigert das allgemeine Wohlbefinden.

26.03.2019 14:30 Wachtmeister Dimpfelmoser 6

Irgendwann ist es dann beim Insulin soweit. Weil es beispielsweise nicht mit Elektroautos antransportiert worden ist.

26.03.2019 13:48 Rumsdibums 5

Zur Bekämpfung des Oxytocinmangels könnte vielleicht der venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó eine Hilfslieferung mit Medikamenten nach Deutschland umleiten..?

26.03.2019 11:57 Sonja 4

Deutschl. ist zum größten Saustall geworden aller zeiten, schlimm aber wahr.

26.03.2019 11:28 Rumsdibums 3

Entsprechend der Informationen aus dem Artikel ist das Medikament nicht "knapp"
Der Auslieferung stehen vielmehr die, in einem Büro extra dafür, von Menschen ausgedachten Probleme entgegen.

26.03.2019 09:36 Bürokrat 2

Es ist unglaublich daßHexal produzierte Chargen nicht ausliefern darf,weil ein Siegel und ein Code auf der Verpackung fehlt.Hier könnte durch Bürokraten ausgeholfen werden,stattdessen werden unsichere Medikamente im Ausland bestellt,Bananenrepublik eben.

26.03.2019 05:39 Auf zum letzten Gefecht! 1

warum wundert mich das nicht?

"Seit Montag ist der Engpass nun auch offiziell: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat ihn amtlich gemacht – und damit eine Ausnahmeregelung für die Beschaffung ermöglicht. "

dann benennen sie mal aus welchen Quellen das "beschafft" werden kann.

Ein weiterer unglaublicher Vorgang.