Demo in Chemnitz Polizisten versuchen in der Chemnitzer Innenstadt in Höhe des Karl Marx Monuments Rechte und linke Aufmärsche zu trennen.
Bild vom Polizeieinsatz am Montag (27. August) in Chemnitz Bildrechte: IMAGO

Polizeieinsatz in Chemnitz Innenministerium weist Pannen-Vorwurf zurück

Das sächsische Innenministerium hat am Montag bei der falschen Dienststelle nach Bundespolizisten verlangt. So schreibt es die Zeitung "Welt am Sonntag". Die Verstärkung sei dringend nötig gewesen, um Zusammenstöße unter Demonstranten zu verhindern. Diese Darstellung haben die Behörden nun zurückgewiesen.

Demo in Chemnitz Polizisten versuchen in der Chemnitzer Innenstadt in Höhe des Karl Marx Monuments Rechte und linke Aufmärsche zu trennen.
Bild vom Polizeieinsatz am Montag (27. August) in Chemnitz Bildrechte: IMAGO

Die Bundespolizei und das sächsische Innenministerium haben einen Bericht dementiert, wonach es am Montag bei der Anforderung von Polizeikräften für Chemnitz eine Panne gegeben haben soll. Ein Ministeriumssprecher in Dresdsen sagte, das Lagezentrum habe darauf verzichtet, über das Bundespolizeipräsidium in Potsdam zusätzliche Kräfte zu aktivieren. Sie wären erst kurz vor Mitternacht vor Ort gewesen.

Die Bundespolizei in Pirna bestätigte, dass das Ministerium zunächst dort nach zusätzlichen Kräften gefragt habe. Diese seien aber bereits im Einsatz gewesen. Eine Anfrage in Potsdam sei wegen der zeitlichen Verzögerungen verworfen worden.

Die "Welt am Sonntag" hatte den Ablauf als fehlerhaft beschrieben. Die Zeitung schreibt von einer folgenschwere Übermittlungspanne. Dem Bericht zufolge hatte die Chemnitzer Polizei am Montagabend einen Hilferuf nach mehr Einsatzkräften an das Lagezentrum des sächsischen Innenministeriums gesendet. Das Dresdner Ministerium habe jedoch seine Anfrage an die untergeordnete Einsatzzentrale in Pirna geschickt, statt an das zuständige Bundespolizeipräsidium in Potsdam.

Bericht: Potsdam hätte Verstärkung schicken können

Das sächsische Innenministerium hatte in den vergangenen Tagen erklärt, die Direktion in Pirna habe die Kräfteanfrage negativ beschieden. Wäre die Anfrage aber an Potsdam gegangen, schreibt die Zeitung, wäre die Bundespolizei durchaus in der Lage gewesen, mehrere Hundertschaften nach Chemnitz zu schicken, bei Bedarf auch mit Hubschraubern. Die Direktion Pirna habe Dresden sogar empfohlen sich an das Bundespolizeipräsidium in Potsdam zu wenden. Dort sei der Hinweis aber "schlicht nicht beachtet" worden, schreibt das Blatt.

Verletzte bei Ausschreitungen

Am Montag waren rund 6.000 Menschen dem Aufruf der rechtsgerichteten Initiative "Pro Chemnitz" gefolgt. Ihnen standen rund 1.500 Gegendemonstranten gegenüber. Bei Zusammenstößen zwischen beiden Lagern wurden 20 Menschen verletzt. Rund 600 Polizisten waren im Einsatz, darunter auch rund 60 Bundespolizisten, die aber vor allem den Hauptbahnhof bewacht hatten. Auslöser der Proteste war der tödliche Messerangriff auf einen Mann am Sonntag. Ein Syrer und ein Iraker werden als Täter verdächtigt und sitzen in Untersuchungshaft. Für den heutigen Samstag sind erneut Proteste geplant.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. September 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2018, 15:54 Uhr