Eine Person wirft einen Wahlzettel in eine Wahlurne.
Am 26. Mai wird in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt unter anderem der Stadtrat gewählt. Bildrechte: imago/epd

Kommunalwahlen Wahlkandidaten in Thüringen: Nur ein Viertel sind Frauen

Am Sonntag ist Wahltag. Frauen werden dabei genauso an die Wahlurnen gebeten wie Männer. Das ist mittlerweile selbstverständlich. Zur Wahl stehen aber immer noch deutlich mehr Männer als Frauen. Bei den Kommunalwahlen in Thüringen zum Beispiel liegt der Anteil der Bewerberinnen laut Statistischem Landesamt bei 27 Prozent. Woran liegt das?

von Lily Meyer, Landeskorrespondentin Thüringen MDR AKTUELL

Eine Person wirft einen Wahlzettel in eine Wahlurne.
Am 26. Mai wird in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt unter anderem der Stadtrat gewählt. Bildrechte: imago/epd

Dorothea Marx hätte lieber über die Liste der SPD für die Stadtratswahl in Sondershausen gesprochen, vielleicht sogar ein bisschen angegeben: Darauf stehen nämlich mehr Frauen als Männer.

Auf der Bewerberliste der SPD für den Kreistag im Kyffhäuserkreis sieht das anders aus. Die ersten 26 Plätze der Liste sind zwar paritätisch besetzt, also Männer und Frauen abwechselnd. Insgesamt kandidieren aber 27 Männer und 13 Frauen. Eine davon ist Marx, die bereits im Kreistag sitzt, genauso wie im Stadtrat von Sondershausen.

Frauen in der Kommunalpolitik

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion Dorothea Marx
Dorothea Marx kandidiert für die SPD auf Listenplatz 3. Bildrechte: dpa

Für die Stadtratsliste sei es einfacher, Frauen zu gewinnen, meint Marx: "Hier haben wir natürlich viel mehr Möglichkeiten, Frauen anzusprechen, die auch sonst aktiv sind, ob sie nicht im Stadtrat für unsere Partei ein Mandat anstreben wollen. Und da hat man einfach kurze Wege, kurze Diskussionszusammenhänge und auch die Möglichkeit, die Leute anzusprechen, die man aus der Arbeit von Vereinen und Initiativen kennt."

Kürzere Wege also, sowohl was die Sitzungsorte als auch die Kommunikation betrifft. Ein Paritätsgesetz für die Kommunalwahlen würde dazu führen, dass die Parteien sich verstärkt um Frauen bemühen müssten. Davon ist Marx überzeugt, die auch für die SPD im Landtag sitzt. Für die Listen bei den Landtagswahlen wird bereits an einem Paritätsgesetz gearbeitet, das dann als Vorbild dienen könnte, meint Marx.

Kritik von der CDU

Stefan Schard, der Vorsitzende der CDU im Kyffhäuser Kreis, würde sich zwar mehr Frauen in seiner Partei wünschen, von einer Quotierung hält er aber nichts: "Wenn man dieses Gesetz wirklich so umsetzen würde, würde das dazu führen, dass wir wirklich Frauen in Parteien zwängen. Und das hat mit unserer freiheitlichen Gesellschaft nichts zu tun. Es soll Interesse sein und es soll freiwillig sein."

Die Kyffhäuser-CDU hat jeden dritten Platz auf der Liste mit einer Frau besetzt. Das entspreche auch ungefähr dem Anteil der Frauen in seinem Kreisverband, sagt Schard. Der SPD und der Linken wirft er vor, "Wasser zu predigen und Wein zu saufen". Denn auf deren Listen finden sich nicht mehr Frauen als bei der CDU. Bei der Linken ist es sogar eine weniger.

Was sich ändern soll

Zwölf Frauen treten für die Linke im Kyffhäuser Kreis an, Angela Trommer kandidiert auf Platz neun. Sie glaubt, dass weniger Frauen sich für einen Platz im Kreistag bewerben liegt auch daran, "dass eine Frau sich länger überlegt, ob sie das alles schafft. Ob sie dem allen Rechnung tragen kann und dass sie die Erwartungen erfüllt. Also eine Frau hinterfragt stärker, ob sie das bewältigen kann."

Frauen bräuchten mehr Mut, meint auch Mario Merten, der für die Freien Wähler im Kyffhäuser Kreis kandidiert. Auf deren Liste finden sich zwei Frauen bei insgesamt 12 Plätzen. Statt auf Quoten sollte man lieber auf weibliche Vorbilder setzen, findet Merten. "Wir haben ja auch eine Frau an der Spitze des Kreises. Und da zeigt sich ja schon, dass es eben eine Powerfrau ist, dass sie was bewegt. Und das ist dann auch Ansporn für andere Frauen, dass die auch mitmachen und mitgestalten können."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Mai 2019 | 06:08 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 05:00 Uhr

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12 Kommentare

23.05.2019 21:28 Bronko 12

Ich kenne viele Frauen und Männer im unmittelbaren Umfeld. Wärend Männer sich über Politik unterhalten, bremsen Frauen und meinen, heute mal nicht mit dieser Politik. Also wieso gibts nur 1/4 Frauen und dann nur solche Exemplare wie Frau Marx??? Kann man sich selbst beantworten...Genau solche Exemplare tragen zur Gegenmeinung bei und das nicht zu knapp. Man sollte sich eigentlich dort bedanken.

23.05.2019 14:44 winfried 11

>>Wahlkandidaten in Thüringen: Nur ein Viertel sind Frauen<< ... und die "divers", wo bleiben die ?!

23.05.2019 14:38 Gerd Müller 10

Wenn es nach dem Wissen gehen würde, dann wären die meisten Bänke im Landtag leer.
Bei der SPD kommt es am meisten zum Vorschein, abgebrochene Ausbildung bzw. Studium, kein Facharbeiter oder Qualifikation.
Mir ist es vollkommen egal, ob Frau oder Mann, das was man im Kopf hat zählt und nicht nur Phrasendreschereien.

23.05.2019 11:11 Dresdener Bürger 9

Wie unten schon bemerkt, bitte den Unterschied zwischen
"gut ein Viertel" und "knapp ein Viertel" recherchieren und den Artikel entsprechend korrigieren!!!

Ansonsten einfache Antwort auf eine einfache Frage: "Woran liegt das?" "Willens- und Handlungsfreiheit"

23.05.2019 09:47 annerose will 8

So eine sinnlose Diskussion ! Wahlkandidaten sollten etwas auf dem Kasten haben und unabhängig ehrlich ihr Gewissen vertreten. Da ist mir doch völlig egal ob Männlein oder Weiblein. Mir ist keine offizielle oder inoffizielle Regel in dem Land bekannt, welche Frauen das kandidieren verbietet. Hier werden wieder Probleme diskutiert, die keine Probleme sind, das Land hat wahrlich andere ! Es sollte lieber in anderen Ländern für Frauenrechte gekämpft werden als bei uns.

23.05.2019 09:30 Blumenfreund 7

Frauen haben ja auch viel höhere Aufgaben, als ihre Zeit in irgendwelchen Parlamenten abzusitzen.

23.05.2019 09:23 Wachtmeister Dimpfelmoser 6

100 Prozent Kompetenz, Sachverstand und Loyalität sind wichtiger als 50 Prozent Frauenquote. Ergibt sich das eine durch das andere ist alles gut; dann dürfen es gerne auch zwei Drittel oder noch mehr sein. Ansonsten ist sie von untergeordneter Bedeutung.

23.05.2019 09:16 Ludwig 5

Warum das wohl so ist, dass nur knapp ein Viertel der Kandidaten Frauen sind? Vielleicht einfach nur fehlendes Interesse an politischen Themen?
Ein Beispiel: Meine Frau belegte vor nicht langer Zeit einen Kurs in der Volkshochschule Dresden, der ganz überwiegend von Frauen besucht war. Als sie in Pausengesprächen politische Fragen anschnitt, waren die Reaktionen aller anderen Damen eindeutig ablehnend. Wie man sich als Frau denn für Politik interessieren könne, erstaunte die meisten der Anderen sogar. Lieber redete man über das vorabendliche Fernsehprogramm, über Friseur, Kosmetik oder Prommis ...
Klingt komisch ? Ist aber so !

23.05.2019 08:05 frank d 4

Holla was nun? In der Grundschule meiner Tochter gab ein 100% Frauen. Sollen die jetzt jede neue ablehnen und in den nächsten Jahren nur Männer einstellen um den MDR Redaktionellen den Herzenswunsch zu erfüllen? Wie sieht es eigentlich beim MDR aus? alles 50/50 oder gibt's im eigenen Laden auch Ergebnisungleichheiten? Warum nicht jeden Arbeitsplatz doppelt besetzen immer ein Mann eine Frau? aber was ist dann mit den Diversen? Kann es sein das Kompetenz als einziges Kriterium nicht doch sachdienlicher Wäre werte MDR schaffende? Kann es eventuell sein das ihr Quotenfetisch sogar eindeutig sexistisch ist?

23.05.2019 07:35 Karl 3

Soso, auf Platz 1 der Freien Wähler kandidiert also eine Powerfrau? Das wird den dort gelisteten Bürgermeister aus Sondershausen aber freuen. Wann erfolgt die geschlechtsanpassende Operation?