Plakate für Workshops in einem Jugendtreff
Jugendclubs sind ein wichtiger Zulaufsort für viele Jugendliche. Oft werden verschiedene Gruppentreffs und Workshops angeboten. Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt Petition fordert drei Millionen Euro mehr für Jugendarbeit

Jugendclubs sind Teil der offenen Jugendarbeit - als Treffpunkte für Jugendliche, ohne dass diese vorher zwangsläufig einen Beitrag zahlen müssen. Doch die Lage der Jugendclubs in Sachsen-Anhalt ist angespannt, die Bedingungen für ihre Mitarbeiter sind schlecht. In einer Petition fordern Kinder- und Jugendring, Kirche und Gewerkschaften nun mehr Geld für Jugendarbeit.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt MDR AKTUELL

Plakate für Workshops in einem Jugendtreff
Jugendclubs sind ein wichtiger Zulaufsort für viele Jugendliche. Oft werden verschiedene Gruppentreffs und Workshops angeboten. Bildrechte: dpa

Einer von zwei Jugendclubs von der Arbeiterwohlfahrt in Schönebeck ist seit dem Sommer zu – trotz aller Mühe, Demos und vielen Gesprächen. Ines Grimm-Hübner ist seit drei Jahren die Geschäftsführerin der AWO in Schönebeck. Sie hat den Eindruck, dass die Jugendarbeit keinen großen Stellenwert habe.

Probleme gibt es schon seit Jahren

Grimm-Hübner sagt, sie könne nur auf die letzten drei Jahre zurückschauen, aber da sie mit vielen Einrichtungsleitern und Trägern gesprochen habe, wisse sie, dass es eigentlich "seit gut zehn Jahren Probleme gibt".

Im Laufe der Zeit ist aus zwei Landesprogrammen eins geworden. 7,6 Millionen Euro hat das Land in die Förderung der Jugendarbeit in diesem Jahr gesteckt. 1998 waren es insgesamt noch 11,5 Millionen Euro. Nach der Schließung eines der beiden eingangs erwähnten Clubs trifft Grimm-Hübner die Jugendlichen aus dem Club nun manchmal auf der Straße, an der Bushaltestelle oder vor dem Einkaufszentrum.

Wichtiger Zulaufsort

Im benachbarten Barby ist auch noch ein Jugendclub, den Katrin Weingarte leitet. Für ihre Jugendlichen sei der Club wichtig, denn sonst hätten die keinen Zulaufsort mehr, sagt Weingarte. "Die Jugendlichen wollen auch einfach mal nicht von ihren Eltern dirigiert werden, weil sie auch einfach mal abschalten und nicht immer nur Aufgaben bekommen wollen."

Niklas Maurice Lehmann war selbst lange Club-Gänger in Barby. Heute ist der 20-Jährige fast mit seiner Ausbildung zum Erzieher fertig. Er will der Jugendarbeit treu bleiben – und Barby auch.

Auch in politischen Fragen wichtig

So ein Jugendclub sei nicht nur zum Abhängen wichtig, sagt Lehmann. Auch wenn es an politische Fragen und die Suche nach einer politischen Einstellung ginge, dürften Jugendliche nicht alleine gelassen werden. Wenn so etwas nicht pädagogisch vermittelt werde, seien die Jugendlichen auf sich allein gestellt und könnten schneller in Randgruppen "mit hineingezogen" werden – wo es gefährlich werden könne.

Dann könne auch "der Rechtsextremismus immer weiter zunehmen", sagt Lehmann. "Und das wollen wir ja dementsprechend verhindern." Dass Jugendclubs auch helfen könnten, davon ist Lehmann überzeugt.

Jugendarbeit braucht mehr finanzielle Förderung

Beim Kinder- und Jugendring arbeitet der Vorsitzende Fabian Pfister für eine größere Wertschätzung der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Er hat dafür mit Kirche und Gewerkschaften zusammen eine Petition für die bessere Ausstattung der Jugendarbeit organisiert. Seine Forderung: drei Millionen Euro mehr.

Vor allem die Arbeitsbedingungen seien schwierig, sagt Pfister: "Teilzeitbeschäftigung, geringer Tarif, befristete Arbeitsverhältnisse, teilweise halbjährliche Befristungen, Kettenbefristungen". Man habe auch festgestellt, dass man nicht alles mit Geld lösen könne, sagt Pfister. Aber Geld sei ein wesentlicher Schritt. Danach müsse man über Fachinhalte und die Steuerungsverantwortung von Land und Landkreisen sprechen.

Kaum Geld im Haushalt dafür

Sozialministerin Petra Grimm-Benne ist klar, dass die offene Jugendarbeit wichtig sei und dass es ohne Hilfe vom Land nicht gehe. Aber wenn es um die Forderungen aus der Petition geht, sagt sie: "Wenn die Petition allen Fraktionen so wichtig ist, dann muss man gucken, wie man den Haushalt so umschichtet, dass da nochmal eine Möglichkeit ist, drei Millionen 'lockerzumachen'." Sie halte diese Forderung angesichts der laufenden Haushaltsberatungen jedoch für unrealistisch.

Im Dezember will sich der Petitionsausschuss im Landtag mit der Petition zur Unterstützung der offenen Kinder- und Jugendarbeit befassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. November 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. November 2019, 05:00 Uhr