Pödelwitz
Könnte erhalten bleiben: Pödelwitz im Südraum Leipzigs. Bildrechte: imago/Tim Wagner

Mitteldeutsches Braunkohlerevier Plötzliche Zukunft für Pödelwitz?

Seit Jahren wehren sich die Pödelwitzer dagegen, dass ihr Ort dem Braunkohletagebau geopfert wird. Die mögliche schwarz-rot-grüne Regierung in Sachsen will den Ort nun erhalten. Pödelwitz hofft nun auf Zukunft.

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Pödelwitz
Könnte erhalten bleiben: Pödelwitz im Südraum Leipzigs. Bildrechte: imago/Tim Wagner

Jens Hausner wirkt erstaunlich gefasst. Der Landwirt führt die Bürgerinitiative "Pro Pödelwitz" an. Diese stemmt sich seit Jahren gegen die Pläne der Mibrag, den rund 700 Jahre alten Ort wegzubaggern.

Koalitionsvertrag abwarten

Seit Donnerstagnachmittag wisse er, dass die möglichen Regierungspartner in Sachsen seine Heimat erhalten wollten, sagt Hausner MDR AKTUELL: "Für mich ist das ein ganz wichtiger Schritt und sehr positiv, ich könnte schon Sektkorken knallen lassen, aber diese Sondierungseckpunkte müssen ja jetzt erst noch in einen Koalitionsvertrag gepackt werden."

Und auch dann sei noch jede Menge politische, juristische und wirtschaftliche Arbeit nötig, meint der Pödelwitzer Landwirt: "Das heißt, ich muss den Landesentwicklungsplan anpacken, muss Vorbehaltsgebiete aus den Braunkohleplänen löschen, muss auch in die Regionalplanung eingreifen." Das werde dauern, so Hausner.

Bedarfsanalyse: Kohle unter Pödelwitz nicht gebraucht

Dass man die Kohle unter Pödelwitz nicht braucht, um das nahe gelegene Kraftwerk Lippendorf zu versorgen, sei für Hausner und seine Mitstreiter längst klar gewesen.

Jens Hausner
Landwirt Jens Hausner Bildrechte: MDR/Ralf Geißler

Nun hätten offenbar auch die sächsischen Politiker genauer in die Bedarfsanalyen geschaut. Hausner führt an: "Wir haben hier einen Tagebau, der ist genehmigt bis 2040 für dieses Kraftwerk." Pödelwitz sei nicht zur Inanspruchnahme vorgesehen gewesen, der Kohleausstieg sei auf 2038 terminiert: "Warum soll sich eine zukünftige Landesregierung also nicht festlegen, dass man Pödelwitz erhalten kann, wenn man die Kohle sowieso nicht braucht unter dem Ort?", fragt Hausner.

Ort hat gute Chancen

Einem Ort, in dem einst 130 Menschen lebten. Fast alle zogen weg, die meisten nach Groitzsch. Bürgermeister Maik Kunze hat beim morgendlichen Kaffee mit seiner Frau über die neue Entwicklung gesprochen. Hat Pödelwitz aus seiner Sicht nun gute Chancen, wiederbelebt zu werden?

Kunze sagt: "Ich gehe davon aus, dass die Nähe zu Leipzig auch für Pödelwitz positive Auswirkungen hat und wenn sich alle drei Partner zusammenfinden würden - die Stadt Groitzsch, der Freistaat Sachsen und die MIBRAG, die ja jetzt mehrheitlich Eigentümer vieler Flächen dort ist - dann denke ich, kann Pödelwitz auch eine sehr gute Zukunft haben." 

Das Dorf Pödelwitz liegt nur wenige hundert Meter neben dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain und in Sichtweite des Kraftwerks Lippendorf.
Das Dorf Pödelwitz liegt nur wenige hundert Meter neben dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain und in Sichtweite des Kraftwerks Lippendorf. Bildrechte: dpa

Bundesweite Aufmerksamkeit

Rund 30 Menschen leben aktuell noch dort. Die, die blieben, holten sich Unterstützung. Dank Klimacamps und Aktionen von Greenpeace, Bund für Umwelt und Naturschutz und Co. bekam Pödelwitz bundesweite Aufmerksamkeit. Besetzte Bagger sorgten aber auch für Kritik.

Klimacamp Pödelwitz
Ein Klimacamp in Pödelwitz. Hier protestierten im Sommer Kohle-Gegner. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Nun aber, so Landwirt Hausner, könne man über einen Wiederaufbau des Orts nachdenken: "Wir hatten ja schon dieses Beispiel in Dreiskau-Muckern 1990, dass ein fast vollständig entvölkertes Dorf dann revitalisiert wurde." Es flössen 40 Milliarden Euro in die Braunkohleregion, um den Strukturwandel zu gestalten. Mit diesem Geld sei es möglich, einen kleinen Ort wie Pödelwitz wieder zu revitalisieren.

Was fehlt, ist bisher eine Reaktion der MIBRAG. Die Braunkohlegesellschaft hat bislang noch nicht auf Anfragen von MDR AKTUELL reagiert.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 04. Oktober 2019 | 12:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2019, 13:38 Uhr

4 Kommentare

Eulenspiegel vor 9 Wochen

Ja da kann man sehen was ich alles ändert wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Da gibt es den Aufforstungsbeschluss der klar sagt 2035 ist Schluss und plötzlich hat Pödelwitz wider eine Chance. Und es gibt auch im Osten eine menge Leute die guten Grund haben sich über diesen Beschluss zu freuen. Und es ist keineswegs so das sich alle Leute die von der Umsiedlung betroffen sind das in Ordnung finden.

nasowasaberauch vor 9 Wochen

Immer schön langsam und erst den Bären erlegen bevor das Fell verteilt wird. Bisher ist es eine Absicht, die noch an der Praxis, wie der Versorgungssicherheit und der Aufrechterhaltung des Betriebes der MIBRAG, scheitern kann. Der mdr verkauft diese Mitteilung schon als fast beschlossen. Lippendorf ist von den in Betrieb befindlichen Kohlekraftwerken eines der modernsten und wird wahrscheinlich zuletzt vom Netz gehen. Diesen Gesichtspunkt sollte man in Hinsicht auf den Erhalt von Pödelwitz nicht ausblenden.

Dynamo vor 9 Wochen

Im Vergleich letzte Regierung und nun wahrscheinliche Regierung hat sich doch nicht viel verändert. Zur CDU und SPD kommen doch nur die Grünen dazu. Wenn der bisherige Beschluss von CDU und SPD falsch war, warum wird das nicht öffentlich gesagt ? "Die Partei, die Partei, hat immer Recht ?"