Wahlplakate aus Sachsen.
Am 1. September wird der 7. Sächsische Landtag gewählt. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Ideengeber hinter den Wahlkämpfern Auf diese Politikagenturen setzen Parteien in Sachsen

Am Wochenende wurde Sachsens CDU-Chef Michael Kretschmer offiziell von seiner Partei zum Spitzenkandidaten gekürt. Der Wahlkampf in Sachsen kommt ins Rollen. Beteiligt sind auch Strategen im Hintergrund und Experten für politische Kommunikation. Die CDU etwa setzt auf eine Agentur aus Österreich, die dem jetzigen Bundeskanzler Sebastian Kurz mit zum Wahlsieg verholfen hat. Was verspricht sich die sächsische Union davon, und mit wessen Unterstützung zieht die Konkurrenz in den Wahlkampf?

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen

Wahlplakate aus Sachsen.
Am 1. September wird der 7. Sächsische Landtag gewählt. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

CDU

"Team Kretschmer" steht in grün auf grauen Kapuzen-Pullis. Die Junge Union in Sachsen hat am Wochenende bei der Landesvertreterversammlung in Dresden schon mal gezeigt, wie sie den Wahlkampf der CDU unterstützen will.

Generalsekretär Alexander Dierks erklärt: "Ich glaube, dass Michael Kretschmer als Person unglaublich wichtig für dieses Land ist. Es ist wichtig, dass er seine Arbeit über das nächste Jahr hinaus fortsetzen kann. Insofern kann ich mir gut vorstellen, dass es auch Elemente gibt, die die Person des Spitzenkandidaten in den Vordergrund rücken."

Die Strategie, den Wahlkampf auf eine Person auszurichten und die Themen über Kampagnen, vor allem online, zu setzen, ist 2017 bei der Nationalwahl in Österreich aufgegangen. Die Agentur Campaigning Bureau hatte es geschafft, vor allem online eine Bewegung rund um Sebastian Kurz aufzubauen. Nun soll sie auch Michael Kretschmer zu einem Wahlsieg verhelfen. 

Als Hauptagentur für den Landtagswahlkampf fungiert weiterhin die Agentur "DIE PARTNER" aus Görlitz, mit der die Union schon seit Jahren bei verschiedenen Wahlkämpfen und Kampagnen zusammen gearbeitet hat.

Linke

Thomas Dudzak, dem Landesgeschäftsführer der Linken, entlockt die Ankündigung nur ein müdes Lächeln. "Eigentlich ist das, was sie der CDU verkauft haben, State of the Art. Also, Beteiligungsmöglichkeiten muss man irgendwie schaffen. Eine Agentur, die das heute nicht mehr leistet, die braucht sich normalerweise nicht zu bewerben."

Die Linke in Sachsen arbeitet mit der Berliner Agentur DiG Plus zusammen, so wie im vergangenen Landtagswahlkampf. Einige Sachsen im Team der Agentur hätten dafür gesorgt, dass die Marketingexperten den richtigen Ton treffen, sagt Dudzak. Das Budget sei vergleichsweise klein: Rund 770.000 Euro werden die Linken in den sächsischen Wahlkampf stecken. "Aber wir versuchen, es mit Witz und Kreativität auszugleichen. Und vielleicht das eine oder andere Mal mehr viral zu gehen, als es die anderen schaffen."

AfD

Die anderen, zu denen gehört auch die AfD. Ihr sächsischer Landesvorsitzender Jörg Urban sagt: "Wir sind die Facebook-Partei schlechthin. Wir haben sehr viel Reichweite. Diejenigen, die wir über die normalen Medien nicht erreichen, erreichen wir über die sozialen Medien. Deswegen werden wir das verstärkt einsetzen."

Und zwar voraussichtlich gemeinsam mit Thüringen und Brandenburg, wo ebenfalls Landtagswahlen anstehen. Eine Agentur werde noch gesucht, sagt Urban. Nach dem Wahlkampfbudget gefragt, hält sich der sächsische AfD-Chef bedeckt. Dass der Bundesverband die Sachsen mit 500.000 Euro unterstützen will, war schon bekannt geworden.

SPD

Die vierte Partei, die nach den derzeitigen Prognosen mindestens zehn Prozent der Stimmen einfahren könnte, ist der Regierungspartner SPD. Rund eine Million Euro sind für den Wahlkampf eingeplant, so viel wie 2014. Schon damals hatte die SPD ihre Kampagne stark auf Parteichef Martin Dulig ausgerichtet.

Generalsekretär Henning Homann sagt mit Blick auf die Konkurrenz: "Ich halte nichts von großer Scharade und Pseudobewegungen, sondern es geht darum, Inhalte zu vermitteln. Der Küchentisch von Martin Dulig hat die politische Kultur in Sachsen verändert. Deshalb geht es um Inhalte und darum, sie gut und verständlich zu erklären.“ Im Gegensatz zum Koalitionspartner setzen die Sozialdemokraten auf Expertise aus Sachsen. Sie haben die Dresdner Agentur Oberüberkarger engagiert.

Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis 90/Die Grünen werden im Landtagswahlkampf 2019 mit der Berliner Genossenschaft Wigwam zusammenarbeiten, einer Agentur, die sich zivilgesellschaftliches Engagement auf die Fahnen geschrieben hat, wie Mathias Weilandt sagt, der Landesgeschäftsführer der Bündnis-Grünen in Sachsen. "Ganz wichtig war uns, dass in der Agentur federführend auch Sächsinnen und Sachsen betraut sind. Es ist unverzichtbar, dass die Agentur Land und Leute gut kennt. Wir arbeiten da mit Menschen zusammen, denen das Thema, wie es mit Sachsen weiter geht, am Herzen liegt."

Wigwam hat zuletzt den Landtagswahlkampf der Grünen in Bayern begleitet. Diese erreichten im vergangenen Jahr erstmals sechs Direktmandate. "Wir Grüne müssen keine Bewegung bauen. Wir sind eine Bewegungs- und Bündnispartei, und das wird sich auch im Wahlkampf nicht ändern", sagt Weilandt. Auch wenn Social Media wichtig sei, um die Inhalte zu vermitteln, werde man auf verschiedene Medien setzen. Der Wahlkampfhaushalt der Grünen ist Weilandt zufolge gut eine halbe Million Euro groß.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2019 | 08:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2019, 05:00 Uhr

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11 Kommentare

22.01.2019 17:41 Dresdener Bürger 11

Die Wahlwerbung ist zu umfangreich, überall Plakate und Werbespots. Weniger ist mehr. Die AfD ist da anscheinend auf dem richtig Weg. Besser für die Umwelt ist das auch.

22.01.2019 15:26 Fragender Rentner 10

Diese Agenturen wissen was gut für das Wahlvolk ist.

Immer gute Versprechen liefern.

Je öffter ihr es versprecht, dann glauben es auch viele ? :-)

22.01.2019 14:05 kleinerfrontkaempfer 9

Dem Volk / Wählern "aufs Maul geschaut". Draußen
"im Feld" Meinungen und Stimmungen erfahren und aufnehmen um anschließend "Wahlversprechen" zu formulieren und zu vergessen. Das spart den ganzen Schnulli. So ist halt das ganze wiederkehrende Prozedere an der richtigen Sache vorbei orientiert. Gemäß der Aussage: Wenn Wahlen etwas bringen würden, so wären sie schon längst abgeschafft.

22.01.2019 13:48 Skywalker 8

"Ich glaube, dass Michael Kretschmer als Person unglaublich wichtig für dieses Land ist." - diese Meinung scheinen viele Menschen aber nicht zu teilen, sonst hätte man ihn bei der BTW nicht abgewählt. Im übrigen vermag ich nicht zu erkennen, was Herr K. seit der Amtsübernahme geleistet hätte - pseudo Volksnähe durch Besuche propagieren zu wollen, reicht nicht aus....

22.01.2019 13:39 Maria A. 7

Leute, lasst euch doch Zeit! Wir haben immerhin erst Januar, das "Wahljahr" ist noch lang... Dazu kommt, dass sich mehrheitlich nicht anhand der großartigen Versprechungen in der Wahlkampfphase festgelegt wird, welche Partei gewählt wird. Sondern das zumeist eine Grundsatzentscheidung ist. Also ein Ankreuzen der Partei erfolgen wird, für die man sich längst entschieden hat.

22.01.2019 13:25 steeven24 6

die allwissenden Grü haben die Agentur gleich mal als Outing genutzt - Genossenschaft Wigwam - Also besser geht nicht, nicht mal ausgedacht, denn in den steinzeitlichen Wigwam möchten die Grü ja offenkundig zurück, nun auch agenturgeprüft. Wunderbar, co2 neutrale Genossenschaft - endlich was geschafft.

22.01.2019 13:05 Spottdrossel 5

Da wollen die Parteien ihre Inhalte aufhübschen. Schade um das Geld, denn wer keine Inhalte hat, hat auch nix, was aufpoliert werden könnte.

22.01.2019 13:00 Stena 4

Ich finde es erstaunlich, wieviel Geld Parteien 'locker machen' um 1, 2 wenige Hansels, die meist noch wenig Ahnung haben in Ämter zu hieven. Noch erstaunlicher finde ich die Tatsache, das tausende Parteisoldaten, die dabei leer ausgehen diesen Unsinn nicht nur mitmachen sondern auch noch bezahlen.

22.01.2019 08:45 Jakob 3

Man möchte der CDU nicht wünschen, dass sie mit der "Kurz-Agentur" so richtig auf die Nase fällt. Kretschmer ist nicht Kurz. Und ein wenig PR-Makeup wird an der grundsätzlichen Misere auch nichts Wesentliches änden. Man will einen lahmen Gaul (uncharmanter Vergleich, tschuldigung) als Zugpferd einsetzen. Funktioniert nicht. Zu wenig Charisma. Eben kein Kurz. Dass die das auch selbst ahnen sieht man ja am Zusatz "Team". Da reicht aber nicht nur das Wörtchen, sondern der Wahlkampf müsste auch inhaltlich auf viele Zugpferde setzen. Dieser Tipp ist kostenlos ;)

22.01.2019 07:10 peter 2

Das ganze Geld sollte gespart werden, oder sozialen Zwecken gespendet werden.
Es sieht einfach nur "fourschbar" aus an den Strassenrändern!!!