Freiwillig länger im Dienst Personalmangel: Polizei Sachsen-Anhalt diskutiert Maßnahmen

Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für das MDR AKTUELL Nachrichtenradio
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Seit Jahren arbeitet sich die schwarz-rot-grüne Landesregierung in Sachsen-Anhalt am Polizeimangel ab. Zwar werden unter Hochdruck Beamte ausgebildet und einige Altgediente würden freiwillig länger arbeiten. Aber ein entsprechender Erlass läuft Ende des Jahres aus. Grüne und AfD plädieren für zusätzliche Maßnahmen.

03.10.2019, Berlin: Polizisten stehen auf der Friedrichstraߟe, um eine Demonstration von Rechtspopulisten zum Tag der Deutschen Einheit und Gegendemonstranten auseinanderzuhalten.
Obwohl die Polizei Sachsen-Anhalt Nachwuchs ausbildet, sind nicht genügend Anwärter vorhanden. Bildrechte: dpa

Wer noch nicht in den Ruhestand will, kann verlängern. So steht es sinngemäß im Landesbeamtengesetz von Sachsen-Anhalt. Aller Voraussicht nach gehen allein im kommenden Jahr fast 330 Polizistinnen und Polizisten in den Ruhestand. Von denen hatten 55 ihren Ruhestand bereits hinausgeschoben, teilt das Innenministerium mit.

Der Nachwuchs geht vor

Der Erlass dazu soll aber nicht verlängert werden. Er läuft Ende des Jahres aus. Aus dem Innenministerium heißt es dazu: "Das dienstliche Interesse besteht zunächst in der Übernahme der durch das Land ausgebildeten Polizeianwärterinnen und -anwärter. Dem darf das Hinausschieben des Ruhestands nicht entgegenstehen." Sprich: Der Nachwuchs geht vor.

Dass der Nachwuchs wichtig sei, sagt auch der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes in Sachsen-Anhalt, Wolfgang Ladebeck. Von den 700 Polizeischülerinnen und -schülern, die 2017 ihre Ausbildung begonnen haben, sind aber nur rund 540 durchs Ziel gelaufen, erklärt der Gewerkschafter. Dementsprechend fehlten 160. Wenn es Kollegen gebe, die bereit seien, ein Jahr dranzuhängen, müssten Innenministerium, Staat und Regierung eigentlich dankbar sein, betont Ladebeck.

Freiwillige Verlängerung nur ein Baustein

Für den Landtagsabgeordneten der Grünen, Sebastian Striegel, könne die freiwillige Verlängerung der Lebensarbeitszeit allein nicht die Lösung sein. Ein wichtiger Baustein ja, aber kaum ausreichend: "Wichtig scheint mir, dass es auch gelingt, Menschen als Quereinsteiger für die Polizei und für die Landesverwaltung zu gewinnen." Etwa in der forensischen IT oder in der Polizeiverwaltung, sagt Striegel. Aus seiner Sicht spreche nichts dagegen, entsprechende Angebote an Quereinsteiger zu machen.

Auch Hagen Kohl von der oppositionellen AfD stellt fest, dass die freiwillige Lebensarbeitszeitverlängerung die Polizei im Land nicht rettet. Da gehe es um einen sehr kleinen Personenkreis. Er sehe die freiwillige Verlängerung nur bei Beamten mit großer Spezialisierung, deren Weggang einen großen Verlust an Fach- und insbesondere an Erfahrungswissen bedeuten würde: "Und die sollten dann meiner Ansicht nach ein, vielleicht zwei Jahre länger bleiben können, um die Nachfolger entsprechend einzuarbeiten. Da gibt es zum Beispiel Bereiche wie Brandursachen- oder Tatortermittlung."

Was wirklich wichtig sei lerne man erst im Dienst, ist Kohl überzeugt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 25. September 2020 | 06:05 Uhr

14 Kommentare

Jessy-2 vor 4 Wochen

Widerlich wie so mancher Politiker auf die Polizisten zu gehen! Staatsanwälte, handeln die im Auftrag der Politiker? Beispiel Dresden, da bekommen die Streikenden bestimmt noch Recht? War da nicht mal die Forderung die Polizei Abzuschaffen, na dann gute Nacht, Deutschland?

Norbert 56 NRW vor 4 Wochen

Naja das ist ne ziemlich simple Sicht auf die Dinge, dem Bundestag sind die Polizisten doch schlichtweg schnuppe. Und ich kann mich nicht erinnern jemals ernsthaft eine Befürwortung für diese Einsparmassnahmen mitbekommen zu haben. RRG würde doch am liebsten die Polizei abschaffen, da Sie nicht in ihr ideologisches Weltbild passt, wären aber die ersten die rumknatschen wenn es an ihr eigenes Fell geht.

Maria A. vor 4 Wochen

Also ich sehe ziemlich oft ein Polizeiauto vorbei fahren. Wir vermuten, dass die Besatzung regelmäßig zum Mittagessen in unseren Dorfgasthof fährt, wo man nicht nur preiswert und gut essen kann, sondern wegen des tollen Wetters bis zum gestrigen Donnerstag virenfrei im wunderschön gelegenen Biergarten.