Wegen Connewitzer Silvesternacht? Leipziger Polizei tauscht Sprecher aus

Die Polizei Leipzig spricht von einer "personellen Veränderung". Die lokale Presse schreibt hingegen von einem Bauernopfer oder einer Kaltstellung. Fakt ist: Der langjährige Sprecher der Leipziger Polizeidirektion Uwe Voigt verliert kurz vor der Pension seinen Posten - ohne öffentliche Begründung.

von Grit Bobe, MDR AKTUELL

Uwe Voigt, Polizei Leipzig
Uwe Voigt, bisheriger Chef-Sprecher der Leipziger Polizei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Sehr geehrte Damen und Herren, anbei erhalten Sie eine Medieninformation der Polizeidirektion Leipzig zur personellen Veränderung innerhalb der PD Leipzig" - mit diesen Worten ist eine Pressemeldung überschrieben, die am Donnerstagabend, 17.44 Uhr an die Redaktionen ging. Darin heißt es weiter:

"Mit sofortiger Wirkung verantwortet die Erste Polizeihauptkommissarin Silvaine Reiche die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizeidirektion Leipzig. Frau Reiche tritt damit an die Stelle des bisherigen Pressesprechers, des Ersten Polizeihauptkommissars Uwe Voigt."

Kommunikationspannen

Uwe Voigt also muss gehen. Ein Grund dafür wird nicht genannt. Die "Leipziger Volkszeitung" fragte daraufhin beim Innenministerium nach. Doch die Behörde lehnte einen Kommentar ab. Also wird spekuliert. Hat Sachsens Innenministerium vielleicht aufgrund der Kommunikationspannen rund um die Silvester-Krawalle in Leipzig-Connewitz die Reißleine gezogen?

Dagegen spricht im Fall Voigt, dass er in jener Nacht gar nicht im Einsatz war. Auskunft gibt es bislang nur, wo Voigt künftig arbeiten wird. In der Medieninformation steht folgender Satz:

"Herr Voigt wechselt bis zum Eintritt seiner Pension im August in den Aufbaustab, der sich mit den Vorbereitungen des Einsatzes zum Treffen des informellen Rates der europäischen Union unter Teilnahme des chinesischen Staatspräsidenten im September 2020 befasst."

Massive Kritik an Auftreten der Polizei

Stimmt es, was mehrere Zeitungen schreiben, wird auch Andreas Loepki nicht mehr für die Leipziger Polizei sprechen. Loepki leitet das Direktionsbüro seit 2014 und steht seit den Ausschreitungen am Connewitzer Kreuz im Zentrum der Kritik.

Die Polizei hatte am 1. Januar in einer Pressemitteilung einen linken Aktivisten namentlich genannt, der daraufhin Klage einreichte. Zudem hieß es zunächst, dass ein verletzter Polizist "notoperiert" werden musste. Loepki hatte diese Wortwahl später korrigiert, da es sich nicht um einen lebensrettenden Eingriff gehandelt hatte.

Der "Tagesspiegel" schrieb zudem, dass Loepki sich mit einem privaten Twitter-Account in die Gewalt-Debatte eingemischt habe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Januar 2020 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2020, 10:56 Uhr

66 Kommentare

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 10 Wochen

Na hoffentlich hat sich der neue Polizeisprecher, Voigt glaube ich, diesmal politisch korrekt verhalten, nicht das sich das Karussell weiter dreht

;-) LOL

JanoschausLE vor 10 Wochen

Und nun schießt ihr euch auf den MDR ein, der es wagt, und das nicht als einziges Medium, eine Personalveränderung zu hinterfragen, Fragen, die auch andere Medien, sicher auch politisch ehrlich Interessierte, stellen. Faselt was, dass der Pressesprecher auf dem linken Auge wohl noch nicht blind genug gewesen sei und deswegen gehen musste. Soviel gerührte Sch…

JanoschausLE vor 10 Wochen

Ich hoffe, dass der Polizist auf dem Weg der Besserung uns vollständigen Genesung ist....Das Wort "Notoperation", und auch seitens der Polizei wurde zunächst von "lebensbedrohlich" berichtet, bezieht sich tatsächlich auf eine Not-OP zur Lebensrettung. Auf den Zug sind ja auch erstmal die ganzen rechten User aufgesprungen, was man da so las, Polizist sollte getötet werden usw. Leute, Leute, es ist so offensichtlich, dass ihr die Polizei für eure rechte Gesinnung und Einstellung zu allem instrumentalisiert, selbst den Polizisten, der verletzt wurde. Die StA hielt ja auch den Mordvorwurf erst noch aufrecht. Nach den Berichten der Polizei. Ob das noch so ist? Nach den neuesten Erkenntnissen? Man wird den Verlauf sehen.