Rechte Sicherheitsfirmen Rechte Szene kontrolliert Großteil der Chemnitzer Sicherheitsbranche

In Chemnitz ist etwa ein Rechtsextremist als Einlasskontrolle am Landgericht eingesetzt worden. Für "Die Linke" steckt dahinter ein größeres Problem: Dass bei der Auftragsvergabe Zuverlässigkeit hinter der Preisfrage stehe.

Security-Personal aus der rechtsextremen Szene: Spätestens seit dem Fall Thomas Haller ist das wieder ein Thema. Für die Größe im rechtsextremen Milieu und den Inhaber einer Wachfirma war im Stadion des Chemnitzer FC eine Gedenkminute abgehalten worden. Zwar hatte sich der Chemnitzer FC bereits 2007 von Haller getrennt, als Subunternehmer konnte der Rechtsextremist aber immer wieder Security-Personal stellen. "Haller Security" ist in Chemnitz kein Einzelfall. Die rechte Szene kontrolliere einen Gutteil der Sicherheitsbranche in der Stadt.

Gedenkminute im CFC-Fanblock
Für Thomas Haller war im Stadion des Chemnitzer FC eine Gedenkminute abgehalten worden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Bei der Dienstleistungsgruppe Distelkam arbeiten einschlägig bekannte Rechtsextreme und Fremdenfeinde. Etwa David H., Kampfsportler und aktiver Neonazi. Oder Ronny K. – zu sehen als einer der Verfolger auf dem sogenannten "Hase"-Video, das die Jagd auf Ausländer am Rande der Demonstrationen in Chemnitz im vergangenen Sommer zeigt. Dass beide sogar zur Einlasskontrolle am Chemnitzer Landgericht eingesetzt werden, empört Klaus Bartl, der für die Linken im sächsischen Landtag sitzt. Regelmäßige Anfragen der Partei im Landtag blieben bisher folgenlos, so Bartl. Er erhalte zwar Antworten, aber man schere "sich einen Teufel, um das Problem oder was gewissermaßen dahinter steckt."

Das Problem dahinter: Preisdumping bei Auftragsvergabe

Trotz Nachfragen habe es keine Schlussfolgerungen gegeben, erklärt Bartl weiter. Das Sicherheitsunternehmen Distelkam erhält immer wieder Bewachungsaufträge für sensible Objekte. MDR-exakt will von Firmeninhaber Kai Distelkam wissen, warum er für sensible Aufgaben Anhänger der rechten Szene beschäftigt. Sein Anwalt verweist im Namen des Mandanten auf vorliegende Genehmigungen. Und betont: "Herrn Distelkam sei es grundsätzlich nicht bekannt, wie sich seine Mitarbeiter in ihrer Freizeit betätigen."

Der Mann mit den grauen Haaren: Klaus Bartl, der für die Linken im sächsischen Landtag sitzt
Der Linken-Landtagsabgeordnete Klaus Bartl kritisiert die Folgen des Preisdumpings. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch vor dem Bereitschaftspolizeipräsidium in Chemnitz haben Distelkam-Security-Leute sogar bewaffnet Wache geschoben. Dass öffentliche Aufträge von Rechtsextremen ausgeführt werden, ist für Klaus Bartl vor allem eine Folge des Preisdumpings: "Also wenn die für die Staatsregierung handelnden Gremien bei der Ausverhandlung von Verträgen mit dem privaten Sicherheitsgewerbe die Frage der Zuverlässigkeit weit, weit hinter der Preisfrage stellen, dann ist im System was falsch."

Distelkam erhält Zuschlag für Bewachung von Asylbewerberheim

Das Problem besteht nicht nur in Chemnitz. Es gibt weitere Beispiele, etwa aus Dresden oder dem thüringischen Gera. Dort bekam die Chemnitzer Firma Distelkam erst Mitte April den Zuschlag für die Bewachung eines Asylbewerberheims.

Der Staat will jetzt mit einem sogenannten Bewachungsregister reagieren. Darin sollen Informationen zu allen Mitarbeitern in einer Datenbank gebündelt werden. So lasse sich die Zuverlässigkeit der Mitarbeiter besser prüfen, sagt Berthold Stoppelkamp vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. "Das Register bekommt eine zentrale Schnittstelle zum Nachrichtendienstlichen Informationssystem der Verfassungsschutzbehörden, so dass dort zeitnah eine Abfrage möglich ist." So ließe sich auschließen, ob etwa extremistische Anhaltspunkte bestünden. "Eine hundertprozentige Sicherheit, muss ich aber auch ganz klar sein sagen, kann es natürlich auch nicht geben."

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 15. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Mai 2019, 21:57 Uhr