Das Ortsausgangsschild von Themar neben einem schwarzen Zaun, an dem Fahnen befestigt sind.
Das Rechtsrock-Konzert im Dorf Themar in Thüringen wurde bundesweit diskutiert. Bildrechte: Martin Wichmann

Universität Jena Wissenschaftler erstellen Thüringen-Karte über rechte Aktivitäten

Thüringen wird bundesweit als Hochburg von Rechtsextremen wahrgenommen: Hier tauchte das NSU-Mörder-Trio ab, hier finden regelmäßig in mehreren Orten Rechtsrockkonzerte und Aktionen statt. Wissenschaftler der Uni Jena haben nun aus vielen Zahlen und Daten eine interaktive Landkarte erstellt. Darauf kann man gut erkennen, wo und wie Rechte in Thüringen aktiv sind.

von Andre Seifert, MDR AKTUELL

Das Ortsausgangsschild von Themar neben einem schwarzen Zaun, an dem Fahnen befestigt sind.
Das Rechtsrock-Konzert im Dorf Themar in Thüringen wurde bundesweit diskutiert. Bildrechte: Martin Wichmann

Erfurt, Eisenach, Jena und viele kleinere Orte in den Landkreisen - das sind die Zentren des Rechtsextremismus in Thüringen. Das zeigt die interaktive Karte zur Topografie des Rechtsextremismus, die Soziologen der Uni Jena erstellt haben. Demnach seien Rechte vor allem dort aktiv, wo sie Immobilien besitzen, sagt Dr. Axel Salheiser, der für die Karte verantwortlich ist.

Ein Beispiel dafür sei Erfurt. Doch auch in den Landkreisen sei zu beobachten, dass die meisten Aktionen von eigenen Immobilien der Rechten ausgehen.

Thüringen-Karte zeigt auch rechte Straftaten

Immobilien, also rechte Treffpunkte, spielen auf der interaktiven Landkarte eine große Rolle. Doch die Soziologen um Axel Salheiser haben für ihre Karte noch mehr Daten gesammelt. Die Anzahl rechter Straftaten zum Beispiel, von der Sachbeschädigung bis zum versuchten Totschlag. Auch rechte Demos, Aktionen oder Konzerte haben sie in die Statistik aufgenommen. Dabei griffen sie auf Quellen aus den Jahren 2014 bis 2017 zurück, die öffentlich zugänglich sind. Das Ergebnis zeigt zum Beispiel, dass sich in Eisenach, wo es zwei rechte Treffpunkte gibt, rassistische Straftaten oder Konzerte häufen.

Felix Steiner von der Mobilen Beratung in Thüringen, spricht dort von einer militanten Neonazi-Szene. Die sei aber auch in ländlichen Regionen vorzufinden. "Wie beispielsweise Saalfeld-Rudolstadt, wo es viele Gewalttaten gibt. Oder Hildburghausen oder der Ilmkreis, wo Immobilien existieren, in denen Konzerte oder Vortragsveranstaltungen stattfinden," erklärt Steiner.

Wenn eine Immobilie existiert, dann wird die meistens mannigfaltig genutzt und führt zu erhöhten Aktivitäten der extremen Rechten. 

Großstädte sind Anziehungspunkt für rechte Demos

Der Nachteil der interaktiven Karte ist, dass sie keinen Blick in die Landkreise zulässt. Dafür liefert sie viele Informationen über die rechten Szenen in den größeren Städten. 

Demo
Eine NPD-Demo in Erfurt (1. Mai 2018) Bildrechte: MDR/Vesselin Georgiev

In Erfurt zum Beispiel haben Rechte von 2014 bis Ende 2017 demnach über 700 politisch motivierte Straftaten begangen. Es gab 22 Konzerte und 44 andere öffentliche Aktionen. Stadtsprecher Daniel Baumbach meint, dies komme vor allem dadurch zustande, weil Erfurt als Landeshauptstadt solche Demos anziehe. Andererseits gebe es auch in Erfurt eine verwurzelte rechte Szene:

"Es sind wohl aktuell zwei Immobilien, die genutzt werden. Das eine ist ein ehemaliges Lokal, das andere eine ehemalige Bibliothek," erklärt Baumbach. Außerdem gehe die Gewalt besonders von einer Person aus: "Es gibt hier einen sehr aktiven Neonazi, der im Erfurter Südosten beheimatet ist und dort umtriebig ist."

Die Uni Jena will mit der Rechtsextremismus-Landkarte vor allem Initiativen gegen Rechts und für Demokratie unterstützen. Sie will die Daten nun regelmäßig aktualisieren. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. März 2019 | 07:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2019, 05:00 Uhr

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83 Kommentare

15.03.2019 07:24 Ekkehard Kohfeld 83

@ Peter 77
Bei der erstellten Karte geht es ausschließlich um den Rechtsextremismus in Thüringen.
Ich wundere mich: Viele Kommentatoren aus dem politischen Lager, welches zwar rechts verortet ist, aber ansonsten gebetsmühlenartig schreibt, nichts mit Rechtsextremen am Hut zu haben, ergreift offen Partei für den rechtsextremen Rand.##

Meinen sie wenn sie ständig die Tatsachen verdrehen hilf ihnen das weiter,sie scheinen die Leser beim MDR wirklich für blöde zu halten,wir wollen die Neonazi Szene nicht schützen sonder wir möchten das die ANTIFA genau so behandelt werden und nicht geschützt den derzeit geht von denen die meiste Gewalt aus oder finden sie das gut wenn die z.B. Bahnanlagen beschädigen und damit tausende Reisende in Gefahr bringen?Ja finden sie das gut?Armes Deutschland.
Oder Wahlbüros anstecken oder Bombenanschläge wo Menschen in den Gebäuden sind,ja toll?
Sie wissen schon wer so ähnliches 33 - 45 gemacht hat.
Muß ich erst wieder ihre Selbstanzeige zitieren?

14.03.2019 22:21 Peter 82

@78: "von den Qualitätsmedien aufgebauscht"
Sehr geehrter Herr Meier, meinen Sie als bekennnender Anhänger der Alternative nicht auch, dass die Verharmlosung des Rechtsextremismus den einen oder anderen Extremen vom rechten Rand zu radikalen Maßnahmen anstacheln könnte?

14.03.2019 22:13 Bürger 81

Peter @77 Es geht hier nicht um das Partei ergreifen für den rechten Rand. Macht sie es nicht nachdenklich, wenn fast täglich über die Rechten berichtet wird und das immer wieder in Mitteldeutschland? Es wird der Eindruck erweckt, das dieser Landesteil nur noch von Nazis beherrscht wird. Und unser sogenannter Heimatsender hält die braune Suppe immer schön am kochen. Peter, kann es sein das man Angst hat vor einer Partei, die man mit allen Mitteln verhindern will, weil sie offen unbequeme Wahrheiten anspricht? Das Gegenteil wird aber eintreten. Die Frage muß erlaubt sein, wer hat diese Partei durch seine Politik erst entstehen lassen?

14.03.2019 22:02 Gerlinde P. 80

@ Norbert & Kohfeld
In ganz knappen Worten:

Der Unterschied zwischen Linken und Rechten ist ...

***trommelwirbel***

die Einen pfeifen auf das GG Art. 3 (Rechte) und die Anderen pfeifen auf das Eigentum Anderer und aber auch auf diejenigen, welche auf das GG pfeifen.

Ich denke, dass das der Grund ist, weshalb linke Gewalt auf eine andere Resonanz innerhalb der Gesellschaft stößt...

Was war noch? Sapere aude! Wenn man weiß, da geht‘s gleich rund - warum sollte man dann da gemütlich durch HH laufen? Dort sein Auto stehen lassen? Wenn Hagel droht, stellt man es doch auch in eine Garage.
RWE-Anzeigen, Polizeibericht, link dazu?
Parteibüros-ich las bislang nur von Sachbeschädigung durch Graffiti.
Bus-er fuhr am selben Tag weiter, wie schlimm kann da der Schaden gewesen sein?
So, im freudiger Erwartung Ihrer Antworten ..,
Aber ach, es heißt die Polizei hätte Absprachen mit den Rechten gehabt, das macht die Gewalt dann ... was?

14.03.2019 21:45 Liese 79

@ Peter 77
Genau das ist typisch für Sie und Ihresgleichen.
Es ist kein "Parteiergreifen" für Rechtsextremismus, sondern das Aufzeigen von falschen bzw. einseitigen Dokumentationen.
Man ist kein Rechtsextremer oder Verteidiger dieser, nur weil man es unerträglich findet, wie mit extremer Heftigkeit nur auf "die Gefahr von Rechts" bestanden wird.
Aber was erzähle ich denn einem der Sorte, die glauben, nur sie haben Anspruch auf die einzige Wahrheit.

14.03.2019 21:05 ralf meier 78

@Ekkehard Kohfeld 71an MDR: Guten Abend, vielleicht überzeugt Sie der folgende Vergleich, wie sehr der Rechtsextremismus von den Qualitätsmedien aufgebauscht wird:

Der Stürmer des Regionalligisten Chemnitzer FC, Daniel Frahn, hatte ein ihm überreichtes Hooligan 'Fan Shirt' kurz hochgehalten. Dafür wurde er mit sofortiger Wirkung gesperrt.

Ein Kameramann des ZDF war in der 19 Uhr-heute-Sendung vom 30. Dezember mehrfach mit einem T-Shirt der linksextremistischen Gruppe Slime und dem Slogan 'Brüllen zertrümmern und weg' zu sehen. Das ZDF stellte fest, er sei wie gefordert in dunkler Arbeitskleidung erschienen. Es handle sich um ein Fan T-shirt und die Aufschrift sei kein politisches Statement.

Hier ein Textauschnitt von Slime:
Ein Drittel Heizöl, zwei Drittel Benzin
Wie '68 in Westberlin
Diese Mischung ist wirkungsvoll
Diese Mischung knallt ganz toll
Wir wollen keine Bullenschweine






14.03.2019 20:36 Peter 77

Bei der erstellten Karte geht es ausschließlich um den Rechtsextremismus in Thüringen.
Ich wundere mich: Viele Kommentatoren aus dem politischen Lager, welches zwar rechts verortet ist, aber ansonsten gebetsmühlenartig schreibt, nichts mit Rechtsextremen am Hut zu haben, ergreift offen Partei für den rechtsextremen Rand.
Ist etwa Distanzierung lediglich verbaler Art?

14.03.2019 20:36 Bronko 76

Zitat mdr: "ass Rechtsextremismus ein nicht zu vernachlässigendes Problem ist: 1.353 politisch motivierte Straftaten aus dem rechten Spektrum stehen 434 politisch "

Auch der mdr könnte, wenn er denn wöllte, hier für Aufklärung sorgen. Denn ca. 75% aller rechter Straftaten ergeben sich aus der einfachen Tatsache, wie diese gewichtet werden. Ein Antifaaufkleber ist keine Straftat, ein Naziaufkleber hingegen schon, ebenso ein Tatoo, ein T-Shirt und und und. Rechnet man diese Delikte (propagandadelikte) mal raus, dann bekommt man das Bild, was realistischer ist. Nicht wirklich realistisch, da unaufgeklärte Fälle von Pöbeleien bsp. in BB und Thürigen IMMER auch rechts gewertet sind. Aber eben annähernd. Und da zeigt sich - welch Wunder!! Es ist 50:50 verteilt zwischen beiden Lagern. Kann man sagen und werten - muß man nicht........Ich wills nicht schön reden, denn Hohlbirnen mag ich auch nicht, doch Ehrlichkeit und Vollständigkeit muss sein.

14.03.2019 20:20 Gerlinde P. 75


@ Kohfeld
Was sagt denn eine Demonstration über den Querschnitt der Bevölkerung aus? Müssen alle, die im Stillen Rechte sind auf die Straße, um ihre politische Ansicht öffentlich zur Schau stellen?
Die Karte offenbart die Anzahl der Straftaten, das sagt die Teilnehmerzahl einer Drmo auch nicht aus.
Es gab auch Demos, an denen nur 50 Rechte und 1000 Gegendemonstranten waren.
Und was die sagt das denn nun? Die Demokratie ist gaaanz sicher? Warum konnte dann die NSU jahrelang walten und schalten wie sie wollte?

Aufgebauscht oder beschönigen Sie die Realität?

14.03.2019 20:18 Wie bestellt -so geliefert 74

Gerlinde P @ " Es macht wohl doch einen Unterschied, ob man ein Auto in Brand setzt oder Menschen mutwillig in Gefahr bringt" Ganz recht Gerlinde, ich bringe dich nicht um aber dein Auto fackle ich schon mal ab. Ist das die Denkweise der Linken? Beides sind Straftaten, wenn auch mit unterschiedlichen Schweregraden. Radikale Linke sind nicht besser als radikale Rechte. Beides sind Feinde der Demokratie und sollten bestraft werden!