50 Millionen Euro für Modernisierung Fusion von Rettungsleitstellen in Thüringen kann im Juni starten

Wer im Notfall den Notruf 112 wählt, landet in der Rettungsleitstelle. Diese sorgt anschließend dafür, dass die örtliche Feuerwehr oder die nächste Rettungswache informiert wird. In Thüringen gibt es derzeit 13 Rettungsleitstellen. In Zukunft sollen es weniger werden, dafür aber moderner und digitaler. Diskutiert wird schon lange – und langsam nehmen die Pläne Gestalt an: Insgesamt soll es in Thüringen bald neun Rettungsleitstellen geben.

Mitarbeiter stehen in der Zentralen Leitstelle im Gefahrenabwehrzentrum Jena.
Mitarbeiter stehen in der Zentralen Leitstelle im Gefahrenabwehrzentrum Jena. Bildrechte: dpa

Bis Ende Januar hatten die Landkreise und kreisfreien Städte Zeit zu entscheiden, ob sie an dem gemeinsamen Leitstellenprojekt des Innenministeriums teilnehmen wollen. Der Großteil will. Das Innenministerium teilt MDR Aktuell schriftlich mit, dass in Thüringen fünf leistungsfähige Regionalleitstellen sowie eine für Lehr- und Testzwecke entstehen sollen. Daneben blieben drei kleinteilige Leitstellen mit höchst unterschiedlichen Strukturen erhalten.

Kreise und kreisfreie Städte sind für Leitstellen zuständig

Diese "kleinteiligen Leitstellen" liegen im Weimarer Land, im Unstrut-Hainich-Kreis und im Eichsfeld. Die drei Landkreise wollen sich nicht an der Zusammenlegung beteiligen. Müssen sie auch nicht: Die Landkreise und kreisfreien Städte sind selbst für ihre Rettungsleitstellen verantwortlich und haben daher auch das letzte Wort – nicht das Innenministerium. Der Landrat des Eichsfelds Werner Henning sagt: "Ich nehme zur Kenntnis, dass der Freistaat Thüringen sich gar wünschen würde, alle Landkreise würden in einer solchen Struktur zusammengehen. Ich sehe das anders." Wenn Thüringen das dennoch wolle, betont Henning, dann müsse das Land ein Gesetz vorlegen.

Solange es kein Gesetz gibt, gibt es halt unterschiedliche Ansichten und unterschiedliche Wünsche.

Werner Henning (CDU) Landrat Eichsfeld

Gerade in Notzeiten, wie beispielsweise der aktuellen Corona-Krise, sei man gut beraten, sich auf gut funktionierende Systeme zu verlassen, ist Henning überzeugt: "Mein System funktioniert. Ich habe keinen Bedarf aktuell nach einem neuen zu suchen. Punkt."

Leitstelle Sömmerda betreut künftig Weimar

Auch der Landrat Sömmerdas, Harald Henning (CDU), will an seinem funktionierenden System festhalten. Die Rettungsleitstelle für den Landkreis ist seit über 20 Jahren in Erfurt. Und dabei soll es trotz Neustrukturierung auch bleiben. Die Leitstelle wird in Zukunft zusätzlich für die Stadt Weimar verantwortlich sein. Damit ist Henning zufrieden: "Jetzt geht es darum: Wer kommt dazu, was muss neu investiert werden, was sind die Kosten." Der Kreis sei mit dem Oberbürgermeister der Stadt Erfurt, beziehungsweise dem Brandschutzamt im Gespräch. "Ich hoffe, dass da recht bald eine Entscheidung getroffen wird", zeigt sich Henning zuversichtlich.

Land fördert kooperierende Landkreise

50 Millionen Euro wird es kosten, die zusammengelegten Rettungsleitstellen zu modernisieren, schätzt das Innenministerium aktuell. 35 Millionen Euro davon kommen vom Land. Die drei Landkreise, die sich nicht an dem Projekt beteiligen, bekommen keine Förderung, schreibt das Innenministerium auf Nachfrage von MDR Aktuell. Für die anderen Landkreise und kreisfreien Städte kann ab Ende Juni das Projekt starten, so das Thüringer Innenministerium.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Juni 2020 | 05:00 Uhr

5 Kommentare

winfried vor 15 Wochen

Zuerst macht man "Strukturreform" beim Rettungsdienst, danach regelt man die Kosten dafür. … "Gott sei Dank" sind wir nicht im "Wilden Westen".
Dort hieß(heißt) es: "Erst schießen, dann fragen"

winfried vor 15 Wochen

Da fällt mir noch eines der sog. "Parkinsonschen Gesetze" ein. Es lautet:
"Jeder Angestellte wünscht, die Zahl seiner Untergebenen, nicht jedoch die Zahl seiner Rivalen zu vergrößern."

Kanzlette2 vor 15 Wochen

Es geht nur ums Geld, was kommt raus, das selbe wie bei der Gebietsreform, nichts.
Die Kosten sind gestiegen und der Bürger bezahlt und muss noch weiter fahren um Amtswege zu erledigen.
Zentralismus ist immer gegen das Volk gerichtet!