Nach Gerichtsentscheid in den USA Welche Rolle das Glyphosat-Mittel "Round Up" bei uns spielt

Schlechte Nachrichten für den Chemieriesen Bayer: In den USA hat die Jury eines Bundesgerichts am Dienstag geurteilt, dass der Unkrautvernichter "Round Up" von Bayers US-Tochter Monsanto ein "wesentlicher Faktor" für die Krebserkrankung des Klägers war. "Round Up" enthält den umstrittenen Wirkstoff Glyphosat und ist auch in Deutschland erhältlich.

von Linda Schildbach, MDR AKTUELL

Einfach, günstig und effektiv – so wird der Unkrautvernichter "Round Up" beworben. Für die Leipziger Hobbygärtner ist der Name zwar ein Begriff, aber kein Programm, wie eine kleine Befragung vor einem großen Baumarkt zeigt.

Round Up auch in Sachsen

Im großflächigen Baumarkthandel sei das Produkt seit gut einem Jahr ausgelistet, sagt Peter Wüst. Er ist der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten, kurz BHB. Zu dessen Mitgliedern gehören unter anderem Obi, Hornbach oder Toom. In den vergangenen Jahren sei das Image von Glyphosat so schlecht geworden, dass es kaum mehr einen Sinn ergab, es den Kunden anzubieten.

Doch die Umstellung sei kein einfacher Schritt für die Branche gewesen, meint Wüst: "Wir reden in der Summe über einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Das ist der eine Schritt, man muss auf die Umsätze verzichten. Der zweite Schritt ist aber auch, dass Sie Lösungen anbieten müssen als Baumarkt." Nicht alle Händler verzichten auf glyphosathaltige Unkrautvernichter. Wer "Round up" kaufen will, kann es ganz leicht im Internet bestellen.

Leipziger Kleingärten gegen Round Up

In den Leipziger Kleingärten ist das Mittel laut dem Vorsitzenden des Kreisverbands der Kleingärtner Westsachsen seit einigen Jahren verboten. Der Verbandsvorsitzende erklärt:

Der Hauptaspekt ist bei uns die Umwelt und besonders der Schutz der Insekten.

Ralf-Dirk Eckhardt, Kreisverband der Kleingärtner Westsachsen

Die Kleingärtner hätten zumeist Verständnis man auch mit der Stadt Leipzig sei man auf einer Linie, sagt Eckhardt. Die Stadt verzichtet seit vier Jahren auf den Einsatz von Glyphosat – mit einzelnen Ausnahmen – wie zum Beispiel die Leipziger Verkehrsbetriebe. Sie würden das Mittel nutzen, um die Gleisbetten von Unkraut freizuhalten. So macht es auch die Deutsche Bahn.

Kein Verzicht auf Glyphosat

Und auch viele Landwirte wollen auf den Unkrautvernichter nicht verzichten, sagt der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbands Wolfgang Vogel: "Wir setzen es im Frühjahr und im Herbst ein, wenn das 'Auslaufgetreide' vom vorherigen Jahr oder noch Raps auf den Feldern ist." Ansonsten würde Glyphosat nicht eingesetzt.

Für Vogel ist noch nicht klar bewiesen, dass glyphosathaltige Pestizide krebserregend sind. Mit Blick auf die Jury-Entscheidung in den USA fordert der Präsident des Sächsischen Landesbauernverbands eine klare Lösung auf europäischer Ebene, ob Glyphosat nach 2023 nun verboten wird oder nicht.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

21.03.2019 16:28 Gerbeth 5

Sie sollten exakter recherchieren. Es gibt auch ROUNDUP ohne Glyphosat. Ich habe 1l dieser Marke im toom-Baumarkt gekauft.

[Vielen Dank für diese Anmerkung. Ja, diese Fertigmischung ist uns inzwischen auch aufgefallen. Mit freundlichen Grüßen, Ihre MDR.de-Redaktion]

21.03.2019 09:58 steeven24 4

Auch dieser Feldzug gegen wirksame Hilfsmittel der Menschheit wird mit aller faktenlosen Energie geführt, ähnlich dem Feldzug gegen den Diesel. Die Fressfeinde der Nahrungspflanzen wird es freuen, wenn das einzig wirklich wirksame Mittel zu Einschränkung der Angreifer auf Weizen & Co. weggerünt ist. Wie es dann ausschaut kann man sich schon heute beim Raps ansehen. Auch der ist biologisch und nachhaltig so vergrünt worden, dass es sich nicht mehr lohnt, diese Ölpflanze mit Bodenverbesserungseigenschaften noch anzubauen. Wir sind auf einem guten Weg.

21.03.2019 09:50 Verbraucher 3

Mir fällen nur zwei Fragen dazu ein,wiso findet man in unsere Lebensmitteln Glyphosat? Wiso gibt es soviel Krebsfälle in Deutschland? Fakt ist das Glyphosat wird zum Teil vorschriftwiedrig angewendet,Beispiel Frühkartoffeln,selber erlebt,da wird das grühne Kraut totgespritzt um sehr früh die Kartoffeln zu ernten,nur der erste Lieferant macht das größte Geschäft,natürlich geht das Gift in die Knollen.Bayer hätte Monsanto nie kaufen sollen,die sind auch für viele Hungertote in der dritten Welt verantwortlich,weil sie Saatgut liefern das keine keimfähige Saat liefert,so sollen die Bauern immer wieder neue Saat kaufen,welcher Bauer in Afrika kann sich das leisten?

21.03.2019 08:09 kleinerfrontkaempfer 2

Über 5.300 Tonnen sind 2018 in Doitschland ausgebracht worden. Da kann sich jeder ein Bild machen wie schön grün die Landschaft ist. Andere Mittel und Substanzen kommen ja noch dazu.

21.03.2019 05:33 Auf zum letzten Gefecht! 1

dann schnell noch einen Vorrat anlegen.

Denn die Physio bezahlt mir ja auch niemand wenn ich Rücken habe ;-)