Mitteldeutschland Zu wenig MINT-Absolventen an den Unis

MINT: Das steht für Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Auch an den Universitäten in Mitteldeutschland geht die Zahl der Absolventen in bestimmten MINT-Fächern zurück. Die TU Dresden teilte MDR AKTUELL mit, seit fünf Jahren sinke die Zahl der Mathe-Absolventen stetig.

Studenten sitzen in einem Hörsaal der Magdeburger Universität.
Halbleere Hörsäle wie hier an der Uni Magdeburg könnte es demnächst wieder häufiger geben. Vor allem in den sogenannten MINT-Fächern. Dort machen immer weniger Studenten einen Abschluss. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

An der TU Dresden verläuft die Kurve der MINT-Absolventen in Wellen. Mal steigt die Zahl, mal sinkt sie, gerade in der Informatik. In einem Fach geht es allerdings langfristig bergab: Seit fünf Jahren sinkt die Zahl der Mathe-Absolventen stetig. Das teilte die TU Dresden auf Anfrage von MDR AKTUELL mit.

An der Universität Magdeburg zeigt sich ein ähnliches Wellenbild, allerdings mit größeren Ausschlägen. Grund ist der doppelte Abiturjahrgang in Niedersachsen 2011. Auffällig an der Uni Magdeburg: Hier betrifft der größte Rückgang nicht die Mathematik, sondern die Ingenieurwissenschaften. In den letzten drei Jahren sank die Quote von rund 1.000 auf nur noch gut 700 Absolventen. Das schreibt die Uni Magdeburg auf Anfrage von MDR AKTUELL.

Viele Studienanfänger überfordert

Bildungsforscher Olaf Köller arbeitet am Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik in Kiel. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Frage, warum so viele MINT-Studenten ihr Studium abbrechen. Laut Köller ist nicht die Zahl der Studien-Beginner das Problem, etwa 40 Prozent aller Studienanfänger studieren ein MINT-Studium, sondern vielmehr die Zahl der Abbrecher.

Die MINT-Studiengänge sind relativ Mathematik-lastig. Damit sind viele Studienanfänger überfordert und geben nach den ersten gescheiterten Klausuren auf.

Olaf Köller, Bildungsforscher an der Uni Kiel

Um das zu verhindern, bräuchte es verpflichtende Vorbereitungskurse für Studienanfänger. Zumindest für die, die es nötig haben, wie Köller weiter ausführt. Bisher sind Vorbereitungskurse freiwillige Veranstaltungen für diejenigen, die zum Beispiel fachbezogene Mathematikkenntnisse auffrischen wollen.

Mehr Frauen für MINT-Fächer begeistern

Die hohe Abbrecher-Quote in den MINT-Fächern ist das eine, die noch immer sehr geringe Frauen-Quote die andere Baustelle. Derzeit liegt sie bei knapp 30 Prozent. Besonders männerlastig sind laut Olaf Köller vor allem die Informatik, Physik und die Ingenieurwissenschaften.

Kampagnen wie der Girls Day der Bundesregierung reichen da nicht aus. Wer Mädchen an naturwissenschaftliche Berufe heranführen wolle, der müsse schon im Schulsystem anfangen, sagt Bildungsforscher Olaf Köller.

Das Problem ist, dass Mädchen Fächer wie Informatik oder Physik nach der 10. Klasse abwählen können. Damit verlieren sie den Bezug zu diesen Fächern.

Olaf Köller, Bildungsforscher an der Uni Kiel

Eine Lösung vom Bildungsforscher, um frühzeitig MINT-Begeisterung zu entfachen: flächendeckender Informatikunterricht schon ab der fünften Klasse.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 31. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Hossa vor 40 Wochen

Bei den MINT-Fächern trennt sich die Spreu vom Weizen