Asyl Abschiebung
Asyl oder Abschiebung? Für manche Menschen, die nach Deutschland kommen, stehen die Zeichen in dieser Frage von vornherein schlecht. Für sie ist die freiwillige Ausreise manchmal die bessere Lösung. Bildrechte: IMAGO

Beispiel Sachsen Die Zahl der freiwilligen Ausreisen geht stark zurück

Nicht alle, die nach Deutschland kommen, wollen oder dürfen hier bleiben. Manche gehen freiwillig zurück, andere werden gegen ihren Willen abgeschoben. MDR AKTUELL hat recherchiert: Demnach wurden in diesem Jahr bislang rund 3.300 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abgeschoben. Und etwa 2.400 kehrten freiwillig in ihre Heimat zurück. Die Zahlen sind verglichen mit denen aus dem Jahr 2016 allerdings stark rückläufig. Das liegt vor allem am Rückgang bei den Balkanflüchtlingen.

von André Seifert, MDR AKTUELL

Asyl Abschiebung
Asyl oder Abschiebung? Für manche Menschen, die nach Deutschland kommen, stehen die Zeichen in dieser Frage von vornherein schlecht. Für sie ist die freiwillige Ausreise manchmal die bessere Lösung. Bildrechte: IMAGO

Zuhause bei einer zehnköpfigen Roma-Familie: Onkel, Oma, ein Ehepaar und sechs Kinder. Vor drei Jahren kamen sie aus Serbien nach Leipzig, erzählt der Familienvater.

In ihrer Heimat seien die Erwachsenen von Nachbarn geschlagen, von der Polizei drangsaliert und die Kinder von der Schule ausgeschlossen worden, fügt der Onkel, der etwas Deutsch kann, hinzu. 

Von 1.900 auf 1.200 Ausreisen

In Leipzig stellte die Familie einen Asylantrag, der aber abgelehnt wurde. Jetzt stehen alle zehn vor einer ungewissen Zukunft. Wahrscheinlich werde man die freiwillige Ausreise antreten, sagt der Onkel: "Muss warten noch, was ist die Prozedur hier in Deutschland."
 
Kein Einzelfall. Im Jahr 2016 haben insgesamt knapp 1.900 Flüchtlinge freiwillig Sachsen verlassen. Doch die Zahl sinkt zurzeit stark. 2017 werden wohl nur noch rund 1.200 Asylbewerber aus eigenen Stücken aus Sachsen wieder ausreisen.

Drei von vier Abgeschobenen vom Westbalkan

Der Grund dafür ist schnell gefunden, wenn man sich Schicksale wie das der Sinti-und-Roma-Familie genauer anschaut: Denn im September 2014 hatten die Bundesländer und zuvor auch der Bundestag beschlossen, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina zu sicheren Herkunftsländern zu erklären.

Seither haben Flüchtlinge aus diesen Westbalkanstaaten praktisch keine Chance mehr auf Asyl in Deutschland. Die Folge: 2015 und 2016 gab es eine Welle von Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen. Rund drei von vier Flüchtlingen, die 2015 und 2016 aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen abgeschoben wurden, waren Menschen vom Westbalkan.

Weniger Flüchtlinge vom Balkan

Diese Welle ist nun abgeflacht. Hinzu kommt, dass zugleich immer weniger Menschen aus Balkanstaaten ihr Glück in Deutschland versuchen und hier einen Asylantrag stellen, beobachtet die Leipziger Rechtsanwältin Dr. Christina Herrig, die sich vorwiegend mit Asylanträgen beschäftigt: "Das war schon Ende 2016 fast vorbei."

Viele Menschen aus Serbien, Sinti und Roma, seien irgendwann nicht mehr gekommen, erklärt die Anwältin. Sie hätten gemerkt, dass die Erfolgsaussichten gering seien.

Ausreiseprämie beträgt bis zu 1.200 Euro

Wer freiwillig ausreist, kann finanzielle Unterstützung vom Bund erhalten. Je früher die Ausreise erfolgt, desto mehr Geld wird ausgezahlt, bis zu 1.200 Euro pro Person plus 500 Euro Familienzuschlag. Viele Flüchtlinge vom Balkan hätten diese Unterstützung gern angenommen, erzählt Christina Herrig: "Natürlich spricht sich das rum." Und weiter:

Das wird schon eine Rolle spielen. Okay, ich nehme den Tausender, kehre zurück, besser als gar nichts.

Rechtsanwältin Christina Herrig

Flüchtlinge vom Balkan reisen aber nicht nur häufiger freiwillig aus, sondern sie werden auch öfter als andere abgeschoben. Sachsen schickte im Jahr 2016 knapp 3.400 Flüchtlinge zwangsweise wieder nach Hause, 75 Prozent davon waren Menschen vom Balkan.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Dezember 2017 | 06:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Dezember 2017, 15:35 Uhr

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21 Kommentare

23.12.2017 17:09 Fragender Rentner 21

Teilzitat von Oben: ... bis zu 1.200 Euro pro Person plus 500 Euro Familienzuschlag.

Was bekommt ein H4ler in 3 oder 4 Monaten?

23.12.2017 09:41 jochen 20

19# Bei illegalen darf es keine Sonderbehandlungen geben.

Niemand wird Sie daran hindern, einige bei sich privat unterzubringen. Das steht Ihnen frei.

22.12.2017 20:11 Auf der Sonnenseite des Lebens 19

@an 15
"So, und jetzt mal zu meiner Meinung. Es ist unmenschlich in den Wintermonaten abzuschieben. Aber das wird von euch Schlaraffenlandbewohnern wahrscheinlich keiner nachempfinden können."

da haben sie recht, ich zwar nur für mich sprechen, aber vorallem kann ich das nicht nachvollziehen!

22.12.2017 20:08 Auf der Sonnenseite des Lebens 18

@an 15
"Ein jeder darf mal ausrechnen was es kosten jemanden per Zwangsvollstreckung auszuweisen. "

und deshalb darf man niemanden ohne Herkunftsnachweis die Einreise gestatten.

Punkt fertig aus!

22.12.2017 19:43 Auf der Sonnenseite des Lebens 17

@an 12
"Sie wissen das sie in einem Schlaraffenland leben und sind trotzdem unglücklich? Was soll man dazu sagen?"

also ich würde ihnen antworten:
weil ich möchte das es so bleibt.
Irgendwann ist der Topf leer ;-)

22.12.2017 19:20 Rüdiger Benninghaus 16

Es ist ein Unsinn von "Sinti-und-Roma-Familie" aus Serbien zu schreiben.
Weiß der Verfasser dieses Beitrages, daß ein Elternteil zu den Sinti, ein anderer zu den Roma gehört? Dann würde "Sinti-und-Roma-Familie" einen Sinn machen. Jedoch dürfte das hier mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht der Fall sein.
Wenngleich es eine kleine Gruppe von Sinti in Serbien gibt, dürfte dies dem Verfasser kaum bekannt sein. Davon abgesehen sind die wenigsten serbischen Sinti sind als Asylsuchende nach Deutschland gekommen. Im vorliegenden Fall dürfte es sich um eine Roma-Familie handeln.
Die unselige "politische Korrektheit" führt zu solchen Unkorrektheiten, die zudem noch Sinti regelmäßig auf die Palme bringt, wenn sie mit Roma in einen Topf geworfen werden.

22.12.2017 18:56 an 15

Boahhhey, ich hab gar keine Lust mich an dem Sche… zu beteiligen, da bekommt Ihr was Ihr wollt, und dann heult Ihr trotzdem rum!
Ein jeder darf mal ausrechnen was es kosten jemanden per Zwangsvollstreckung auszuweisen. Selbst bei geänderten Gesetzten und Vorgehensweisen kommen da schnell über 1200,- zusammen. Selbst wenn die Personen nur ausfindig gemacht und an die Landesgrenze geschickt werden müssten. Wann habt Ihr denn das letzte mal einen Facharbeiter bezahlt? Immer nur meckern. Übrigens, ich stelle 1200,- für jeden ausreisenden Rechtsextremen zur freien Verfügung! Da ja immer danach gefragt wird wer so etwas zahlen würde… .
So, und jetzt mal zu meiner Meinung. Es ist unmenschlich in den Wintermonaten abzuschieben. Aber das wird von euch Schlaraffenlandbewohnern wahrscheinlich keiner nachempfinden können.
Es weihnachtet im christlichem Abendland der MDR Kommentarspalten!

22.12.2017 17:42 Bankomat Bundesrepublik Deutschland 14

Wenn die Bundesrepublik Deutschland Migranten mehr Geld als andere EU Staaten zur Verfügung stellt, muss sich niemand einen "Wunderbeutel" umhängen, dass abgelehnte Asylbewerber nicht ausreisen.
Ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen bis ein Asylantrag entschieden ist, würde die Lage sicher nachhaltig ändern.
Aber dies ist in unserem Land politisch sicher " nicht gewollt"
Also lässt man sich gern die aus Steuern finanzierten Mittel "abziehen".
Gelinde gesagt, würde man dies Leichtgläubigkeit nennen.

22.12.2017 17:30 Frido_Freimann 13

Dann wird es aber höchste Zeit, die Zahl der nichtfreiwilligen Ausreisenden endlich drastisch zu erhöhen ! Denn Hundertausende sind ausreisepflichtig ! Und das alles ohne jegliche Prämie !

22.12.2017 17:03 an 12

Es weihnachtet in den Kommentarspalten des MDR im christlichem Abendland!
@ jackblack: Schöner Vergleich: „wer verlässt schon freiwillig das Schlaraffenland“ Sie wissen das sie in einem Schlaraffenland leben und sind trotzdem unglücklich? Was soll man dazu sagen?