Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
Carsten Rentzing steht weiter unter Druck. Bildrechte: dpa

Reaktionen Rücktritt von Sachsens Landesbischof Rentzing

Turbulente Tage bei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen: Am Wochenende hat der umstrittene Landesbischof Rentzing überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Zunächst ging es um seine Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung. Dann tauchten alte Texte von ihm auf, in denen er verächtlich über die liberale Demokratie spricht. Es gibt verschiedene Reaktionen innerhalb der Kirche und der sächsischen Landespolitik.

von Niklas Ottersbach, MDR AKTUELL

Sachsens Landesbischof Carsten Rentzing blickt in der Kreuzkirche in Dresden (Sachsen) zu den Gästen.
Carsten Rentzing steht weiter unter Druck. Bildrechte: dpa

Carsten Rentzing hat noch Theologie und Jura studiert, als er diese Zeilen für ein rechtes Magazin schrieb:

Dass ein Staat, in dem Feigheit vor Tapferkeit, Selbstverwirklichung vor Freiheit, Leben vor Ehre gilt, dem Untergang geweiht ist, dürfte kaum bezweifelt werden.

Carsten Rentzing, sächsicher Landesbischof, in einem Aufsatz über "Protestantismus und Konservativismus" (1991, im extrem rechten Magazin "Fragmente")

Knapp 30 Jahre ist das jetzt her. Carsten Rentzing erklärt in Zusammenhang mit seinem Rücktritt dazu, dass die Begegnung mit Jesus Christus ihn verändert habe. Positionen von damals vertrete er heute nicht mehr. Welche genau, bleibt unklar.

Ein Stück Aufklärung

Momentan ist der Noch-Landesbischof im Urlaub. Dafür redet sein Sprecher, Matthias Oelke, von der evangelischen Landeskirche Sachsen.

"Wir werden dafür sorgen, dass wir ein Stück Aufklärung betreiben. Aber wir müssen auch mit Respekt zur Kenntnis nehmen, dass der Landesbischof für sich das Ergebnis gezogen hat und er auch große Zustimmung in der Landeskirche erhielt." Das merke man an den zahlreichen Zuschriften, sagt Oelke.

Reaktionen aus Politik

Ist Carsten Rentzing hier das Opfer? So sieht es die sächsische AfD, die zum Abgang vom sächsischen Landesbischof schreibt: "Wieder einmal arrangieren sich die Kirchen mit gesellschaftlichen Kräften, die Denkverbote aussprechen, Meinungen diktieren und die Freiheit einschränken."

Die CDU Sachsen will sich auf MDR-AKTUELL-Nachfrage nicht zum Rücktritt von Rentzing äußern. Dagegen kritisiert Rico Gebhardt, Fraktionschef der Linken, dass der Landesbischof immer nur das zugebe, was andere über ihn herausfänden.

Seine Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung, den Vortrag, den er 2013 im Umfeld der neuen Rechten gehalten hat und nun: seine rechtsnationalen Aufsätze während seiner Studentenzeit.

Das Dilemma der fragwürdigen Vergangenheit: Das ist Linken-Politiker Rico Gebhardt nicht fremd. Mit der historischen Geschichte seiner eigenen Partei und seiner Person gestehe er natürlich jedem zu, dass er sich ändert, sagt Gebhardt. Er fragt sich:

Rico Gebhardt
Rico Gebhardt (Die Linke) Bildrechte: dpa

Ist er glaubwürdig, wenn er heute sagt, er distanziert sich davon, wenn es von ihm bislang nie eine öffentliche Distanzierung gegeben oder eine öffentliche Auseinandersetzung gegeben hat?

Rico Gebhardt, Fraktionschef Die Linke

Gerade im Freistaat Sachsen mit Pegida habe es ja viele Möglichkeiten gegeben, sich mit seinen eigenen Positionen auseinanderzusetzen.

Das große Schweigen

Auch die größten Kritiker innerhalb der Landeskirche kritisieren vor allem das große Schweigen von Carsten Rentzing. Pfarrer Frank Martin aus Leipzig gehört zu den Initiatoren der Petition gegen den Landesbischof. Der Leipziger hat den Landesbischof bereits letzte Woche gebeten, zu den demokratieverachtenden Texten Stellung zu nehmen. Ein Gespräch kam allerdings nicht zustande. Stattdessen der Rücktritt.

Ein offenes Wort innerhalb der Landeskirche, das hätte sich Frank Martin von Carsten Rentzing viel früher gewünscht. Am besten vor der Wahl zum Landesbischof 2015.

Die Spitze der Dreikönigskirche
Von Saulus zu Paulus? Carsten Rentzing erklärt, Positionen von damals vertrete er heute nicht mehr. Welche genau bleibt unklar.
Bildrechte: dpa

Hätte Herr Rentzing das damals gesagt, wäre das ja gar kein Problem. Nochmal: Dieser Paulus-Move, hätte er gesagt: Ich habe in meiner Jugend Texte von unglaublicher Blödheit geschrieben, wäre das okay gewesen.

Frank Martin, Pfarrer

So bleibe das Bild eines Mannes, der sich eben nicht vom Saulus zum Paulus gewandelt habe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Oktober 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 08:25 Uhr

32 Kommentare

Angela vor 3 Wochen

Heute ist scheinbar nur der ein angesehener Bischof, der sein Kreuz am Fuße des Tempelberges in Jerusalem ablegt, um ja nicht die Gefühle von Muslimen zu verletzen. Es ist erschütternd, dass man Herrn Rentzing Vorwürfe macht wegen Dingen, die er geschrieben hat, bevor er überhaupt Christ war und Theologie studiert hat. Und auch weil er bereit ist - trotz allgemeiner Anordnung von oben - mit der AfD zu reden. Armes Deutschland, wo ist deine Demokratie?

Maria A. vor 3 Wochen

Tacheles war er für Pfarrer mit politischen Funktionen und moderner Lebensführungen von Anbeginn an ein Stein im Schuh. Entweder Sie sind noch jung, nicht von hier, oder Atheist. Als Christ in der DDR hatte man zwar Nachteile, aber immer einen Anlaufpunkt, wo man sich aufgehoben fühlte. Die Kirche war ein neutraler Ort. Somit hält sich die Einstellung im Osten, dass Pfarrer unpolitisch zu sein haben, um diesen neutralen Ort zu erhalten. Man kommt hier schlecht damit klar, dass Predigten zunehmend den Zeitgeist wiederspiegeln. Und ist geschockt, dass ein konservativer Bischof ein schlechter Kirchenvertreter sein soll, aber Pfarrer mit Parteibuch nicht...

Maria A. vor 3 Wochen

Betrachtet man sich Talk-Sendungen und Preisverleihungen, hätte es Rentzing gut getan, wäre aktiver FDJler gewesen. Denn linke Ansichten sind wieder chic. Seltsamerweise nicht nur im Establishment, sondern auch in der Kirche. Diese Entwicklung erfolgte ziemlich unbemerkt von den langjährigen Kirchenmitgliedern. Somit wurden wohl die meisten vom Hick-Hack um den Bischof nicht nur überrascht, sondern erfuhren da erst von der generellen Kritik vieler kirchlicher Trendsetter an Rentzings konservativer Amtsführung.