Schriftzug POLIZEI an einem Polizeirevier
Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat vermehrt mit Intensivstraftätern zu tun. Ein neues Konzept soll diese Tätergruppe fokussieren. Bildrechte: dpa

Kriminalität Sachsen-Anhalt nimmt Intensivstraftäter in den Fokus

20 Prozent der Straftaten in Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr von sogenannten Intensivstraftätern verübt. Ein Intensivtäter begeht mehr als neun Straftaten im Jahr. Heißt: Ein kleiner Teil von Straftätern wird immer wieder auffällig. Nun will Sachsen-Anhalt dem mit einer stärkeren Betreuung entgegenwirken.

von Anne-Marie Kriegel, Landeskorrespondentin Sachsen-Anhalt für MDR AKTUELL

Schriftzug POLIZEI an einem Polizeirevier
Die Polizei in Sachsen-Anhalt hat vermehrt mit Intensivstraftätern zu tun. Ein neues Konzept soll diese Tätergruppe fokussieren. Bildrechte: dpa

Fast 100.000 Straftaten hat die Polizei in Sachsen-Anhalt 2018 aufgeklärt. Darunter Einbruch, Diebstahl und Drogenhandel. Fast ein Fünftel wurde von Intensivtätern verbrochen. Von allen Tatverdächtigen zusammengenommen, macht diese Tätergruppe nicht einmal zwei Prozent aus, also ein Fünfzigstel.

Ein Straftäter viele Taten

Kommt man denen auf die Schliche, hat das große Wirkung, weil viele Taten auf ein Mal aufgeklärt werden können. Und da ist man sich im Innenministerium einig: Das ist eine gute Idee.

Der zuständige Referatsleiter Karl-Albert Grewe erklärt, dass ab diesem Jahr jedes Polizeirevier in den Landkreisen ein neues Sachgebiet einrichten werde. Das Sachgebiet "Intensivtäter" kümmere sich dann stark um diese Straftäter und führe Ermittlungen personenbezogen durch. Das heißt: Hier arbeiten die Ermittler dann ressortübergreifend.

Große Herausforderung für Beamte

Mit Sicherheit ein guter Ansatz, findet der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Uwe Bachmann. Für die Beamten vor Ort sei das aber auch eine große inhaltliche Herausforderung. Vielleicht sogar die Königsdisziplin der Ermittlung, denn: "Wir haben natürlich bei dem täterorientierten Modell das Problem, dass wir ganz viele Deliktsfelder abbilden müssen."

Das bedeute für die Beamten, dass sie sich mit verschiedenen Arten der Kriminalität auskennen müssen, ergänzt Bachmann. Das beinhalte alles von Diebstahl- über Betäubungsmittel- bis hin zu Raubdelikten. Er räumt ein: "Das ist ein Portfolio, das schon relativ hoch anzusiedeln ist und deswegen natürlich erfahrene Ermittler bedingt."

Beamte kennen ihre Täter

Auch Rüdiger Erben befürwortet den Ansatz. Der Innenpolitiker der SPD sagt, bei Intensivtätern brauche es dringend die personenbezogene Ermittlung, denn im Vergleich zu westdeutschen Ländern und Großstädten sei die Zahl der Intensivtäter in Sachsen-Anhalt noch gering. "Und wenn Sie jetzt mal in einem einzelnen Landkreis in dem Revierkriminaldienst sich das anschauen: Da kennen erfahren Kriminalisten ihre ich sage mal 'besten Kunden' seit Jahrzehnten."

Ermittlungsmethode nicht neu

Der Ansatz ist also nicht ganz neu. Das findet auch der innenpolitische Sprecher der AfD Hagen Kohl. Der Oppositionspolitiker war selbst beim Landeskriminalamt tätig. "Das ist insofern nichts Neues, als dass schon täterbezogene Ermittlungen geführt wurden. Zumindest habe ich die Erfahrung gemacht bei meiner Verwendung im Landeskriminalamt, da gerade im Bereich der organisierten Kriminalität oder Rocker. Da hat man auch täterbezogen ermittelt."

In der breiten Anwendung werde sich die Ermittlungsmethode in der ersten Zeit mit Sicherheit einspielen müssen, meint Kohl.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. März 2019 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 05:00 Uhr

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14 Kommentare

23.03.2019 12:03 part 14

Die kleinen Fische werden eingebuchtet, andere Intensivstraftäter noch mit Wegschauene bei Cum- Ex- Geschäften belohnt...

22.03.2019 20:06 Mediator an winfried (12) 13

Entschuldigung, aber glauben sie wirklich eine "chain gang" in den USA erwirtschaftet Gewinn? Auch in deutschen Gefängnissen wird gearbeitet und die Erträge sind meist recht mager. Oft konkurrieren Behindertenwerkstätten mit den Gefängnissen um die gleiche niederschwellige Arbeit. In der Regel gilt dort "Hauptsache es gibt etwas zu tun" .

22.03.2019 13:57 winfried 12

An Alle die meinen Haftstrafen kosten nur, in den USA sieht man ... es geht auch anders.
Dort werden die Häftling u.a. als "chain gang" mit gemeinnütziger Arbeit betraut.
Im Wiederholungsfall haben die Häftlinge längere Zeit, bis lebenslang, dazu Gelegenheit.

P.S.: Gegen die Todesstrafe bin ich grundsätzlich, hat sie doch so etwas "Endgültiges".

22.03.2019 13:36 Mediator 11

Vielleicht sollten sich einige der Kommentatoren einmal klar machen, dass es hier um die Feinjustierung eines ansonsten guten Systems geht.

Wenn man sich anschaut wie die Kriminalitätsbelastung in Deutschland ist, dann kann man nur zu dem Schluß kommen, dass sich unser System durchaus bewährt hat.

Es klingt zwar immer ganz toll wenn gefordert wird, Gesetze zu verschärfen und Menschen lange wegzusperren, aber was gewinnt man dadurch?

So mancher Täter wurde nach einer Bewährung nie mehr straffällig. Ein Blick in die USA verrät, dass lange Haftstrafen und ein beinahe unmenchliches Justizsystem mit teilweise hungernden Häftlingen, nicht mehr Sicherheit generiert.

22.03.2019 12:35 Denkschnecke 10

@8 "Die Lösung kann nur sein Verurteilen und wegsperren"
Dann aber bitte für alle Straftaten. Z.B:
Gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und Fahren unter Alkohol und Drogen, § 315-316 StGB.

Klar ist man die Probleme los, wenn die Täter hinter Gittern sind. Genug Untersuchungen (die andere vermutlich als "quasireligiösen SozPäd Mist" abtun), zeigen, dass die Täter nach Haftstrafen ohne Resozialisierung mit großer Wahrscheinlichkeit rückfällig werden. Da hilft dann nur lebenslänglich.
Klingt immer gut, "Schluss mit der kuscheljustiz"

22.03.2019 12:11 Wolfgang Friedrich 9

Intensivstraftäter belasten Polizei und Justiz folgenreich. Bezahlen müssen dafür redliche Steuerzahler. Es gibt also gute Gründe, die Intensivstraftäter straftatunfähig zu machen. Die Vorstellungen dazu sind vmtl. so vielfältig, wie die Anzahl dazu befragter Bürger. Lösungen des ermittlungs- und strafrechtlichen Problems sind nur erreichbar, wenn wir Rechtsauffassungen am den demokratischen Kern bemessen. Grundsätzlicher Ansprüche sind Transparenz und Bekanntheit der Kausalität von Tat und Strafe. Die Art der Strafe ist kein Merkmal von Demokratie und muss sich vorrangig an Erwartungen der Gesellschaft orientieren. Somit ist selbst die Todesstrafe nicht grundsätzlich inhuman und undemokratische - solange Fairness statt Willkür gesichert ist.

22.03.2019 11:28 Ossi 8

Die Lösung kann nur sein

Verurteilen und wegsperren

Schluss mit der kuscheljustiz
Wer nicht hören will, muss spüren

22.03.2019 11:26 Max W. 7

@22.03.2019 07:02 Carolus Nappus (Prima, dann brauchen wir nur noch eine Justiz, die in Zukunft verhindert, dass solche Intensivtäter Gelegenheit bekommen, zu diesem Titel zu kommen.)

Dafür ist gesorgt - sie hören doch: Es wird verstärkte "Betreuung" geben. Die Folgen dieser "Betreuung", verstärkt oder nicht und bezahlt vom Bürger, kennt jeder Staatsanwalt mit Namen. Auch wiederholte räuberische Erpressung ist eben nur eine "soziale Abweichung" - das muss den Opfern nur oft genug vermittelt werden. Für den Täter besorgt das die "Betreuung"; in einem Bundesland, in dem eine hohe dreistellige Zahl an Lehrern fehlt...

Es ist eigentlich sinnlos, diesen quasireligiösen SozPäd Mist überhaupt noch zu kommentieren - man kann mitelfristig nur für geänderte politische Verhältnisse sorgen.

22.03.2019 11:06 Fragender Rentner 6

Zitat von Oben: 20 Prozent der Straftaten in Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr von sogenannten Intensivstraftätern verübt.

Da sind die ca. 80% wohl die Besseren?

Wieviele sind nur ein wenig von den Gerichten "verwarnt" wurden?

Heute steht auch in der LVZ etwas über Leipzig, dass sie die Stadt Nr. 5 in Deutschland mit Straftaten usw. ist!

22.03.2019 10:49 Holger 5

22.03.2019 07:02 Carolus Nappus
Das Wegsperren kostet Geld, Geld das der Staat nicht hat oder für andere Dinge benötigt.