Wahlplakate der Grünen (l-r), Die Linke, FDP und SPD stehen am 02.03.2016 an einem Straßenrand in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Wahlplakate bei der Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Sachsen-Anhalt-Monitor 2018 AfD büßt ein - CDU legt zu

Die Sachsen-Anhalt-Wahl im März 2016 stand im Zeichen der Flüchtlingskrise und pflügte die politische Landschaft im Land um. Gut 24 Prozent für die AfD zeigten die starke Polarisierung der Wähler. Als einziges Regierungsbündnis blieb die Bildung einer sogenannten "Kenia"-Koalition aus CDU, SPD und Grünen. Zwei Jahre später zur Hälfte der Legislaturperiode zeigt der neue "Sachsen-Anhalt-Monitor“eine deutlich veränderte politische Stimmung im Land.

von Tim Herden, Hauptstadtkorrespondent MDR AKTUELL

Wahlplakate der Grünen (l-r), Die Linke, FDP und SPD stehen am 02.03.2016 an einem Straßenrand in Magdeburg (Sachsen-Anhalt).
Wahlplakate bei der Landtagswahl 2016 in Sachsen-Anhalt Bildrechte: dpa

Die politische Stimmung in Sachsen-Anhalt hat sich in den zwei Jahren seit der Landtagswahl gewandelt. Das zeigt eine repräsentative Umfrage durch das Zentrum für Sozialforschung in Halle. Ziel war es, zur Halbzeit der Legislaturperiode, die Stimmung im Land zu erfassen. Dabei geht es nicht nur um den kurzfristigen Blick auf die sogenannte Sonntagsfrage. Die Forscher um den Politologen Everhard Holtmann wollten auch erkunden, wie sich politische Haltungen und Einstellungen verändert oder verfestigt haben.

Sonntagsfrage: Großer Verlierer ist die AfD

Trotzdem liegt natürlich zunächst der Fokus auf der Wahlabsicht, wenn jetzt in Sachsen-Anhalt Wahlen wären. Immerhin hatte die Wahl im März zu einem politischen Erdbeben geführt. In keinem anderen Bundesland konnte die AfD danach bei Landtagswahlen einen Stimmenanteil von 24,3 Prozent erreichen und damit knapp ein Viertel der Wähler an sich binden.

Hinzu kamen massive Verluste für CDU, Linke und SPD. Nun stellt sich die Lage verändert dar. Im Vergleich zur Landtagswahl 2016 verliert die AfD in der Wählergunst, während die anderen Parteien zulegen können. Die Befragung wurde zwischen dem 30. Januar und 8. März 2018 durchgeführt. Das Ergebnis scheint keine Momentaufnahme zu sein. Denn diese Entwicklung zeigte sich im Land auch schon bei der Bundestagswahl 2017:

Stärkere Verbundenheit mit dem Heimatland

Zugleich ist die Verbundenheit der Sachsen-Anhalter mit ihrem Bundesland im Vergleich zur letzten Monitorumfrage aus dem Jahr 2014 um zehn Prozentpunkte gestiegen. Aktuell fühlen sich 41 Prozent der Befragten sehr stark und 40 Prozent stark mit ihrem Bundesland verbunden. Da kann es durchaus auch eine Verbindung zu den Änderungen in der Wählerstimmung geben, denn Ministerpräsident Reiner Haseloff setzte in den letzten Monaten verstärkt auch auf das Thema ostdeutsche Identität und Heimat.

Ob auch die Einschätzung der wirtschaftlichen Lage des Landes eine Rolle spielt, ist unklar. Hier haben sich die Befragungswerte kaum verändert. 29 Prozent sehen die ökonomischen Gegebenheiten sehr gut oder gut, 18 Prozent eher schlecht oder sehr schlecht. Anders sieht es mit der Beurteilung der eigenen wirtschaftlichen Situation aus. Hier sagen 63 Prozent, ihre Lage sei gut, 13 Prozent bezeichnen sie sogar als sehr gut. Nur sechs Prozent sind mit ihrer wirtschaftlichen Situation unzufrieden.

Misstrauen gegenüber Politik

Trotz dieser - aus Sicht der Landesregierung - durchaus positiven Daten, gibt es aber einige Indikatoren, die eine starke Verunsicherung der Bevölkerung des Landes zeigen und auch Misstrauen gegenüber den politischen Institutionen. Die Sachsen-Anhalter sind zunächst durchaus stark an Politik interessiert. So äußern sich 57 Prozent.

Mitarbeiter einer Werbefirma stellen ein Wahlplakat am 29.01.2016 am Johannisberg in der Innenstadt von Magdeburg (Sachsen-Anhalt) auf.
Eine Werbefirma stellt im Januar 2016 Magdeburg ein Wahlplakat für die Sachsen-Anhalt-Wahl auf. Die Stimmung hat sich bis heute durchaus gewandelt. Bildrechte: dpa

Besonderes Vertrauen genießen bei den Institutionen Polizei und Verfassungsgericht. Die Werte für die Landes- und Bundesregierung halten sich die Waage. Schlusslicht bilden Politiker und Parteien.

Sucht man nach den Ursachen, so meinen 59 Prozent der Befragten, dass die politischen Entscheidungsträger die Probleme der Bevölkerung weitgehend ignorieren. Nur sechs Prozent sagen das Gegenteil. Und so sinkt auch die Zufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland.

Vorbehalte gegen demokratisches System

Nur 41 Prozent äußern sich sehr oder eher zufrieden mit der Demokratie. Sehr oder eher unzufrieden sind 60 Prozent. Dafür wächst der Wunsch nach mehr direkter Demokratie. Gut zwei Drittel würden Volksabstimmungen und Referenden über politische Themen befürworten.

Zu den drängenden Problemen des Landes zählen die Sachsen-Anhalter neben Arbeit und Wirtschaft mit 15,9 bzw. 15,4 Prozent, das Thema Zuwanderung und Flüchtlinge mit 14,6 Prozent, dicht gefolgt von Bildung/Lehrermangel mit 14,2 Prozent. Ein Drittel der Befragten traut dabei keiner Partei zu, die Probleme bei der Flüchtlingspolitik und bei Bildung/Lehrermangel zu lösen.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 22. Mai 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2018, 13:15 Uhr

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30 Kommentare

24.05.2018 09:19 Mediator an Wieland der Schmied(28) 30

Mensch Wieland,
was sagt es eigentlich über dich aus, wenn du selbst das Ergebnis einer simplen Umfrage nur noch mit Hilfe einer Verschwörungstheorie ertragen kannst?
Vielleicht sollten wir dich bei der nächsten WM als Tor-Orakel einsetzen. Mit deinem Bauchgefühl scheinst du ja die Welt um dich ganz wunderbar erfassen zu können.
Sagt dir der Begriffe repräsentative Umfrage eigentlich etwas? Wenn nein, dann mach dich doch einfach einmal schlau.
PS: Ich habe hunderte von Wünschen, von denen die Regierung auch dutzende nicht auf ihrer Prioritätenliste ganz oben hat. Deshalb bin ich trotzdem ganz zufrieden mit dem Land in dem ich lebe und den Rahmenbedinungen für mein Leben. Falls du es nicht mitbekommen hast, aber wir sind hier nicht mehr in der DDR. Nur dort waren die Menschen hochzufrieden mit ihrer Regierung, ihrem Arbeitsplatz, ihrem Wohlstand und der Freiheit die sie genossen haben. Sagte zumindestens die SED. Zu so einem Ergebnis ist man damals ganz ohne Umfrage gekommen.

23.05.2018 18:22 Guido Rando 29

Ein Ergebnis lässt hoffen und klingt wirklich real:
die Grünen sind endlich unter 5%. Alles wird gut!

23.05.2018 17:16 Wieland der Schmied 28

Na endlich, ein Freudenschrei geht nach diesem Artikel durch die frustrierte Gesellschaft von der Ostsee bis zur Zugspitze, die seit der Wahl 2017 nur Ungemach über ständig steigende Umfragewerte der AfD verkraften mußte. Nun endlich geht es bergab, der von der Landesregierung beauftragten Umfrage zufolge. Sie hätte noch besser ausfallen können, wenn man diese z. B. in den Elendsvierteln der Antifa in Halle oder Magdeburg gemacht hätte, das hätte dann auch die ÖR- Sender nicht kalt gelassen.
Den wirklich inhaltsschweren Punkt hat man ganz weit unten gesetzt:“ Eine Mehrheit (59 Prozent) ist der Ansicht, dass die Politik ihre Wünsche weitgehend ignoriere“. Demokratie heißt Volksherrschaft, wenn sich aber 59%, d.h. fast zwei Drittel, von den Regierenden nicht vertreten fühlt, dann ist das ein abgehobene Gilde, die machen kann was sie will, aber sicher nicht des Volkes Wille, s. Zuwanderung, Geldverschwendung, marode Schulen u. Straßen usw. Quittung bei der nächsten Wahl, aber satt!

23.05.2018 15:53 Fragender Rentner 27

Haben die auch die Nichtwähler von damals befragt?

Sind ja nur ca. 30 - 40%.

23.05.2018 13:45 Raum ohne Volk 26

Es gibt doch noch Hoffnung !

Weniger, was die CDU anbelangt, sondern mehr, was die selbst erklärten Obergermanen anbelangt.

Weiter so !

23.05.2018 11:54 Mediator an GEZE (23) 25

Entschuldigung aber ihre AfD Sprechblasen beleidigen eigentlich die Intelligenz jedes Wählers.

- Was soll denn bitte eine Einheitspartei sein?
- Warum sind in dieser Einheitspartei alle anderen Parteien ausser die braunen Ränder des politischen Spektrums?
- Wo sehen sie denn bitte die einheitlichen Positionen von CSU und Linken?

Da ich dem durchschnittlichen Deutschen mehr Intelligenz zutraue wird wohl nur ein kleiner Teil der Menschen auf solche Vereinfachungen gepaart mit markigen ausländerfeindlichen Sprüchen dauerhaft abfahren.

Man kann zwar durch lautes Getöse davon ablenken, dass man nichts substanzielles bewegt, aber Schaumschläger fliegen früher oder später immer auf. Wer sich nicht um die Probleme der Menschen kümemrt und statt dessen mit dummen und zudem handwerklich schlechten Gesetzesvorschlägen zur Vollverschleierung zu punkten versucht, der hat nicht erkannt, welche Probleme in Sachsen-Anhalt zu lösen sind. Burkaträgerinnen sind ja ein massives Problem in ST!

23.05.2018 08:42 jackblack 24

Für wirklich SINNLOS halte ich die Umfragen " Wenn am Sonntag Wahl wäre", ES IST KEINE Wahl, das wäre genauso wenn ich frage, was wäre, wenn ich nächste Woche Millionär wäre.

23.05.2018 08:02 GEZE 23

köstlich, wie hier die AfD tot geredet wird.
Kein Problem der Einheitspartei SPDCDULINKEGRÜNEFDP wurde bis jetzt gelöst, also bleibt ja nur eine Partei zum wählen.

23.05.2018 07:43 Ich bins 22

Diese Umfrageergebnisse glaube ich erst , wenn wieder Wahlen sind.Nur dann traue ich den Menschen Vergesslichkeit zu.

22.05.2018 00:51 roca remeed 21

@4: Jens, Sie haben völlig recht. Es ist doch eine Binsenweisheit, dass Entwicklungstrends aus Umfragen nur real ablesbar sind, wenn auf die letzte vergleichbare Umfrage Bezug genommen wird. Das war für Sachsen-Anhalt die Erhebung von infratest dimap vom 22.06.2017! Entgegen der emphatischen Losung dieses Artikels ergibt sich da bei der CDU ein Verlust von 5 Punkten, bei der AfD ein Gewinn von 2 Punkten! Wenn zudem die Kenia-Koalition 3 Punkte verliert und die Grünen bei Fortsetzung dieses Trends aus dem Landtag fliegen könnten, ist es doch recht verwegen, aus diesen Trends auf einen Stimmungswechsel im Lande zu schließen. Dazu passt auch nicht, dass 60% mit ihrer Demokratieerfahrung hadern und in dem wirtschaftlich arg gebeutelten Land das Migrationsproblem ähnlich brisant ist wie das Thema Arbeit und Wirtschaft. Das hört sich sehr nach politischem Sprengstoff an und wenig nach Regierungszuspruch. Mehr direkte Demokratie fordern übrigens nicht nur die Bürger, sondern auch die AfD!